„Alltag in Athen“ – Teil 1: „Sie wollen unsere Krumen zurück“

Heute ist in der „taz“ online der erste Teil der Reihe „Alltag in Athen“ erschienen.
Titel: „Sie wollen unsere Krumen zurück“.

Desillusioniert beschreibt der Taxifahrer Kostas Aggelopoulos dem Autor Sergio Tsitakis seinen Alltag in Athen – damals und heute.
Was sich für ihn und viele andere geändert hat, woran er sich erinnert fühlt und was seine größten Ängste sind lest Ihr hier:

Seit 30 Jahren fährt Kostas Aggelopoulos Taxi in Athen. Von der griechischen Regierung fühlt er sich verraten und hofft auf die Solidarität der europäischen Nachbarn.

„Heute“, sagt Kostas Aggelopoulos desillusioniert, „kostet der Liter Diesel 1 Euro 50, Unterhalt und Versicherung liegen bei 4.500 Euro. Am Ende bleibt nichts mehr übrig. Wenn ich in Rente gehe, stünden mir 900 Euro monatlich zu. Sicher ist allerdings nichts. Auch wenn sie meine Pension reduzieren, werde ich aufhören müssen zu arbeiten, dabei verdiene ich jetzt schon kein Geld mehr.“
Kostas ist einer von 30.000 Taxifahrern in Athen, die sich auf 14.000 Taxen verteilen. Er teilt sich einen Wagen mit seinen Bruder. Obwohl die beiden 24 Stunden arbeiten könnten, steht das Taxi oft den halben Tag lang still.

„Wenn ich an den Ampeln stehe, sehe ich überall verwaiste Geschäfte. Niemand geht noch regelmäßig einkaufen. Sogar am Samstagabend stehen meine Kollegen und ich eine halbe Ewigkeit auf der Piazza und warten. Langsam, aber sicher gehen die Menschen kaputt. Wir alle brechen Stück für Stück innerlich zusammen. Es ist ein Dominoeffekt. Während ich meine Touren mache, fallen mir mehr und mehr Leute auf, die im Müll wühlen. Ich habe Athen noch nie so gesehen.“
Kostas Aggelopoulos kommt aus dem arkadischen Dorf Velimahi auf der nördlichen Peleponnes.

Es schwingt Stolz mit, wenn er über seine Herkunft und seine Helden spricht. Für ihn hat das karge Hochland seit jeher wahre Idealisten hervorgebracht – Grigoris Lambrakis beispielsweise. Der linke Politiker wurde 1963 während einer Friedenskundgebung in Saloniki von einem LKW überfahren. Hinter dem Steuer saßen Rechtsextremisten.

Der gewaltsame Tod von Lambrakis bewegt Aggelopoulos bis heute. Seine jungen Fahrgäste weist er deswegen oft auf den oscarprämierten Film „Z“ von Costa Gavras – auch gebürtiger Arkadier – hin, der die Geschichte des Attentats erzählt. Der Polit-Thriller war 1969 ein mutiger öffentlicher Angriff auf die politischen Verhältnisse in 1960iger Jahren, die im Nachhinein zur Militärdiktatur in Griechenland führten.“ (…)

Den ganzen Artikel, warum Kostas dennoch die Hoffnung nicht aufgibt und was das mit seiner Herkunft zu tun hat, lest Ihr hier.

Quelle: taz.de

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Ein Kommentar

  1. Leider Alltag!! Auch Meine Mutter (67) in Douliana, bei Vamos, Kreta ist davon betroffen. Sie hofft ein etwas auf die Saison……Der Winter wurde durchgebissen……Hier weiss keiner wie es weitergehen soll. Viele meiner Bekannten u. Freunde dort (egal welche Nationalität) stehen Kopf…..ein Großteil ist schon ausgereist und versuchen in anderen Ländern Fuß zu fassen.

    Wie immer ein toller Bericht und euer Engagement ist toll. Danke

    LG und weiter so

    Klaus Mugler

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