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11 Fragen an…. „Hansueli Trachsel“.

„11 Fragen an”: Hansueli Trachsel, Fotograf

Zur Person:
Hansueli Trachsel, vor kurzem 65jährig geworden, hat mit seinem Fotobuch „Nikos, ein kretischer Fischer und sein Dorf“ dem äussersten Osten Kretas ein kleines Denkmal gesetzt. Interessant ist auch, dass das Buch, eine Langzeitreportage über 16 Jahre) mit Texten in vier Sprachen (G, D, E, F) als griechisch-schweizerische Koproduktion entstanden ist: gestaltet in Bern und Heraklion, gedruckt in Athen, herausgegeben von einem kretischen und einem schweizerischen Verlag. Das Buch (ISBN 978-3-7272-1437-0) ist in Kreta erhältlich im Buchhandel und beim Mystis-Verlag . Es ist bei Radio Kreta besprochen worden.

  • Wenn du nur 5 Worte hast, um dich selbst zu beschreiben. Was würdest du sagen?
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Hansueli auf Kreta

Interessiert, lebenserfahren, kontaktfreudig, anpassungsfähig, gutmütig (für die negativen Charaktereigenschaften fehlt der Platz).

  • Wann, warum und wie hast du Kreta für Dich/Euch entdeckt?

Wir verbrachten während 25 Jahren die Herbstferien im „Marina Village“ bei Palekastro, Ost-Kreta. Vor dreieinhalb Jahren habe ich zusammen mit meiner Frau dort ein Haus gekauft und wird sind seither ziemlich oft in unserem „Büro Süd“ anzutreffen, vor allem auch in allen Jahreszeiten. Als Schweizer Binnenländler sind wir natürlich fasziniert vom Meer.

  • Was schätzt du am Meisten an Kreta und seinen Menschen hier?

Das Inseldasein verhilft ihnen zu Stolz und Selbstbewusstsein, die Distanz zu „Athen“ zu einer gewissen Abgeklärtheit und Selbständigkeit. Soweit es geht, versuchen sie ihr eigenes Leben zu leben . Die Kreter lassen sich nicht gerade von jeder Verlautbarung aus der Politzentrale oder aus Brüssel aus dem Trott bringen.

  • Was vermisst du am Meisten im Vergleich zum Leben “zu Hause”?

Natürlich die Familie und die Schweizer Freunde, aber sonst gar nichts.

  • Wie nimmst du als „Xenos“ -als Fremder und Gast- die Menschen hier wahr?

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    Büchernarren auf Kreta.

Trotz der Krise sind die Menschen bis heute sich selbst geblieben. Sie überleben dank ihrem unglaublichen Fatalismus. Werte wie Gastfreundschaft, Zusammensitzen, Zeit haben, einander helfen, werden nach wie vor hochgehalten, obschon sich nicht mehr viel im Portemonnaie befindet. Als Fremder bist Du im täglichen Leben auf die Unterstützung guter Freunde angewiesen, die dich zum Beispiel durch den Verwaltungsdschungel lotsen, dessen verschlungene Wege auch immer wieder ändern. Dass ich mich -auch als Fotograf- ernsthaft für das Leben auf der Insel interessiere, wir hoch geschätzt.

  • Womit sind deine Tage hier ausgefüllt, was treibt dich um?

Seit ein kleiner Strassenhund aus Sitia zu uns gefunden hat, ist es nie mehr langweilig. Es gibt immer etwas zu tun in Haus und Garten. Daneben bin ich mit der Kamera unterwegs oder wir erkunden andere Gegenden Kretas. Auf dem Programm steht schon lange auch ein Ausflug nach Kassos und Karpathos, die zwei kleinen Inseln, die bei gewissen Wetterbedingungen am Horizont erscheinen.

  • Welches (kulturelle, spirituelle, freizeitgestaltende und/oder didaktische) Angebot würdest du dir hier zusätzlich wünschen?

Es wäre schön, wenn das Kino in Sitia wieder eröffnet würde. Dank dem Internet ist man ja in Kreta nicht ab der Welt. Ich brauche keine grossen organisierten Angebote. Der Besuch eines sommerlichen „Panigiris“ in einem Bergdorf ist interessant genug.

  • Welches ist dein Lieblingsstrand und deine Lieblingstaverne hier auf Kreta – und warum?

Im Osten gibt es verschiedene einsame Strände. Ich möchte sie hier nicht namentlich nennen, damit das lange noch so bleibt. Nur einen verrate ich: Itanos nördlich von Vai. Tavernen nenne ich gerne zwei: Unsere Freunde führen das „Vaios“ in Agathia (nähe Palekastro): Stefania kocht, Giannis grilliert. Die Gäste werden hier noch wie früher überall üblich in die Küche begleitet, um in die Töpfe zu schauen und ihr Essen auszuwählen. Und ein Geheimtip in Palekastro sind die Gerichte der Taverne „Elena“, wo seit letztem Jahr Katerina durch ihren Mann Giorgos unterstützt wird.

  • Was möchtest du, dass sich auf Kreta nie ändert?

Ich beziehe mich vor allem auf den Osten: hier plant eine britische Investorengesellschaft seit über 20 Jahren ein überdimensioniertes Hotelprojekt (es wurde schon von 7000 auf 2000 Betten redimensioniert) und einen riesigen Golfplatz (Anm. der Red.: Cavo Sidero – Ein Luxushotel auf Kreta). Vernünftige Einheimischen versuchen jetzt erneut, das in einer Naturschutzzone angesiedelte Monstrum zu verhindern. Verschiedene kleine Buchten würden verbaut, die Tier- und Pflanzenwelt bedroht. Pauschaltourismus passt auch nach dem Ausbau des Flughafens Sitia nicht in diese Gegend. In diesem Sinn unterstützen wir die Bestrebungen, dieses Projekt zu verhindern. Es würde – um auf die Frage zurückzukommen – allzuviel ändern im Osten.

  • Und was sollte sich hier unbedingt ändern?

Im äussersten Osten ist momentan der ausbleibende Regen das Hauptproblem (Anm. der Red.: Die Angst vor Wasserknappheit geht um). Es sieht aus wie im Herbst: kein Xorta diesen Frühling, keine wilden Spargeln, kaum Thymianblüten für die Bienen (ich besitze seit einem Jahr auch zwei Völker und bin am Lernen). Bereits musste das Bewässerungswasser für die Olivenbäume für diesen Sommer / Herbst eingeschränkt werden. (Wie viel Wasser würde ein Golfplatz saufen?)

  • Was wünschst du dir für die Zukunft Griechenlands im Allgemeinen und für Kreta im Besonderen?

Griechenland muss endlich zur Ruhe kommen. Die Strukturen sollen mit Hilfe ehrlicher Berater, welche das Helfen im Sinn haben und nicht den eigenen Profit, überarbeitet und der heutigen Zeit angepasst werden. Die Steuern dürfen nicht mehr ansteigen, müssen aber dort eingetrieben werden, wo viel Geld vorhanden ist. In Kreta soll nicht nur die Nordküste vom Tourismus profitieren können. Es hat auf der Insel Platz für die verschiedensten Arten von Touristen. In den Osten passen Familien, Paare und Menschengruppen, welche die Ruhe suchen und den Kontakt zur Bevölkerung

Danke, Hansueli.


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