11 Fragen an…. Nikos Papadakis.

Unser heutiges „Interviewopfer“ ist vielen von Euch bereits wohlbekannt: unser Co-Autor Nikos Papadakis, der mit seiner „Nikos erzählt…. Kolumne“ auf Radio Kreta sicher schon dem Einen oder der Anderen zumindest ein Schmunzeln, wenn nicht gar ein Lächeln oder einen lauten Jauchzer ob seiner kleinen und großen griechisch-kretischen Katastrophen, an denen er uns durch seine Kurzgeschichten teilhaben lässt, entlockt hat.

Natürlich wollen wir Euch auch Nikos etwas persönlicher vorstellen, deswegen hier jetzt erst einmal seine bisherige „Vita“:

„Nikos Papadakis ist in Florina, einer Stadt in Nordgriechenland mit zurzeit ca. 30 000 Einwohnern geboren. Bald nach seiner Geburt zogen seine Eltern (Vater Polizeibeamter und Zahntechniker, Mutter Lehrerin und Hausfrau) vorübergehend nach Houmeriako bei Neapoli auf Kreta.

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Helga und Nikos Papadakis zu Besuch bei Radio Kreta.

1960 siedelten sie mit ihrem Sohn Nikos und dessen jüngerer Schwester über nach Deutschland. Im Großraum Stuttgart wohnte Nikos Papadakis auch die nächsten knapp 45 Jahren. „Ein Brot bitte“ waren seine ersten deutsche Worte, die er in der Bäckerei Schuler in Schorndorf sagen konnte. Wenn er die damalige Zeit Revue passieren lässt, erinnert er sich lebhaft an die Tatsache, dass er anfangs in der Schule lediglich in Mathematik mithalten konnte. Bei der Schulverabschiedung nach der neunten Klasse Volksschule wurde sein Aufsatz: „Wie leben wir im Jahre 2000“ vorgelesen.

Im Jahr der Schweine

Bei der Prüfung zum Radio- und Fernsehtechniker fiel er mit Bravour durch, da sein Rot-grün- Sehvermögen nicht gut ausgebildet war. Er erlernte trotzdem einen technischen Beruf: Werkzeugmacher. Nach der Abschlussprüfung durfte er sich, weil er die Prüfung mit Auszeichnung bestand, von seinem Arbeitgeber ein Geschenk über DM 20. —aussuchen. Schon damals etwas provokativ wünschte er sich die LP „Im Jahr der Schweine“ von Franz Josef Degenhardt.

Nach 8 Gesellenjahren entschloss er sich zu einer weiteren Ausbildung. „Kaufmann im Groß- und Außenhandel“ durfte er sich nach zwei Jahren nennen. Nach vielen Jahren als Kaufmännischer Angestellter bzw. später als Kaufmännischer Leiter machte er sich als technischer Berater in der Branche Maschinenbau selbständig.

In der Zwischenzeit hat er immer wieder Gedichte und Kurzgeschichten geschrieben. Aktuell sind es schon elf kleine Bücher, die allesamt in Deutsch verfasst worden sind. Sein Griechisch ist für Griechen, die ihn nicht kennen, sehr gut, sie sagen „hey, der Deutsche kann aber gut unsere Sprache!“. Für die, die wissen dass er gebürtiger Grieche ist, ist die Sprache allerdings sehr verbesserungsbedürftig.

Dafür ist seine Frau, gebürtige Badenerin, grammatikalisch so gut, dass die Verwandte oft sagen, „lass lieber die Helga erzählen“.

Drei Kinder nennen ihn „Papa“ und wenn es ein Unendlichkeitszeichen auf der Tastatur gäbe, dann würde er seinen Vaterstolz mit diesem Zeichen bekunden.

So kam Niko zum Radio

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Helga und Linus mit Frappe

Zu Radio Kreta kam Nikos wie die berühmte Jungfrau zum Kind. Während eines Aufenthalts in seiner inzwischen zweiten Heimat Heraklion wurde sein Mietauto zugeparkt. Die Geschichte, die er dabei erlebte, schickte er als Mail an die Redaktion von Radio-Kreta. Sie wurde als erste „Nikos erzählt…“-Geschichte gedruckt. Inzwischen ist eine wöchentliche Kolumne daraus geworden, die durch die Kolumne „Nikos stellt vor…“ ergänzt wird. Dort interviewt er Künstler in erster Linie aus der Musik-Branche. Niko Papadakis lebt und lacht  inzwischen in der Nähe von Pforzheim.“

Wir kennen ihn und seine Helga (Letztere ist Fan der ersten Stunde unseres Frappé-Junkies Linus) schon persönlich, dennoch haben uns seine Antworten teilweise überrascht, teilweise erheitert (vor allem die Antwort auf Frage #4! ;-))

Wir hoffen, es geht Euch ähnlich – schaut einfach hier:

  • Wenn Du nur 5 Worte hast, um dich selbst zu beschreiben. Was würdest Du sagen?

Meine Frau sagt: Neugierig – Zuverlässig – Familienmensch-Ungeduldig-VfB Stuttgart Fan

  • Was war Dein Lieblingsbuch als Kind und als Jugendlicher?

Ich habe seit frühester Jugend Gedichte geliebt, außerdem Romane griechischer Schriftsteller, die auf Deutsch übersetzt wurden. Gedichte von Paul Eluard, Andre Breton, Leonard Cohen, Jewgeni Jewtuschenko, Rainer Maria Rilke, Bertolt Brecht, Konstantin Wecker, Romane von Nikos Katzantzakis und Pandelis Prevelakis. Außerdem Wilhelm Busch und griechische Sagen.

  • Was liest du heute am Liebsten?

Bedingt durch meinen kaufmännischen Beruf habe ich viele Kilometer auf den Straßen Europas verbracht. So kam ich zu den Hörbüchern. Also ich lese mit den Ohren. Und hier von Ken Folett bis John Grisham von Jean-Christophe Grange bis Andreas Franz von Kathy Reichs bis Patricia Cornwell.

  • Gibt es auch Bücher, die du nur gezwungenermaßen oder nie zu Ende gelesen hast? Welche (und warum)?

Ich bin im Schwäbischen groß geworden. Die Bücher, die ich kaufe, werden auch gelesen.

  • Wie bist du selbst zum Schreiben gekommen?

Da möchte ich gerne einen Auszug aus dem Zyklus: „Vergiftete Schönheit“ notieren:

„Einmal hattest Du mich sehr getroffen
„Traumpoeten“ nanntest Du mich
Du sagtest, ich würde nie
Das, was ich schreibe, an den Mann bringen
Wie wenn meine Gedichte Kartoffeln wären.
Ich schreibe nicht, um berühmt zu werden
Ich bewundere Cohen, Jewtuschenko, Wecker
Und all die vielen, die ihre Gefühle in Reimen ausdrücken
Ich aber
Der nicht schlafen kann
Der nicht wachen kann
Ich versuche, meine Gedanken festzuhalten
Zwischen Zeilen
Um mein Spiegelbild zu betrachten.
Wann ich begonnen habe, zu schreiben, weiß ich nicht mehr. Schreiben war immer eine
Art Flucht und eine stetige Suche nach dem Vollkommenen.“

  • Wieso dieses Genre („Kulturschock“- Anekdoten, Gedichte und Kurzgeschichten)?

An den Anekdoten ist Radio Kreta „schuld“. Eine E-Mail von mir (Parken in Heraklion) wurde zur ersten „Nikos erzählt…“ Geschichte.

Gedichte und Kurzgeschichten : Gedichte, weil ich dieses Genre immer geliebt habe und mir der Surrealismus viel Spielraum gewährt. Kurzgeschichten, weil ich ein sehr ungeduldiger Mensch bin und ich so viele Geschichten sehr schnell erzählen möchte.

Kulturschock: Dieses Wort höre ich zum ersten Mal. Ich freue mich über diese Frage. Ich nenne es jedoch nicht Kulturschock, sondern Satire. Die gab es bei den Römern, Gaius Lucilius war einer der ersten. Im Mittelalter brachte die Entwicklung des Individualismus die „moderne“ Satire hervor: der Witz wird zur Waffe.

Wer Satire nicht versteht oder verstehen möchte, der kann nicht über sich selber lachen, und wer nicht über sich selber lacht, ist schon tot.

  • Wieso gerade Kreta? Was verbindet dich mit dieser Insel?

Ich bin in Nordgriechenland geboren und mit knapp sieben Jahren kam ich nach Deutschland. Die Wurzeln meiner Eltern sind jedoch in Kreta zu finden, ein Großteil meiner Verwandten lebt dort.

  • Sind die Handlungen und Protagonisten deiner Bücher reine Fiktion oder gibt es da Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Geschehen und realen Personen oder gar autobiographische Züge?

Es ist fast unmöglich denke ich, dass man keine realen Personen im Kopf hat. Bei den Gedichten ist keinesfalls erkennbar, an wen ich gedacht habe, bei den Kurzgeschichten sind es häufig real erlebte Dinge, die dann in Bezug auf Personen und Orte verändert werden.

  • Woher nimmst du die Inspiration für deine Bücher und Geschichten? Was treibt dich um?

Ruhelosigkeit und die stetige Angst, etwas zu verpassen.

  • Vielleicht hast du vom 1. deutsch-griechischen Lesefestival im September 2013 in Paleochora auf Kreta gehört. Für 2016 steht ein weiteres solches an – auf Kreta oder „irgendwo“ in Griechenland. Was hältst von einer solchen interkulturellen Initiative und hättet du Lust, daran teilzunehmen?

Kultur in jeglicher Form verbindet. Dort wo die Kunst frei ist, dort ist die Freiheit zu Hause. Deshalb halte ich sehr viel von solchen interkulturellen Veranstaltungen. Ob ich daran teilnehmen möchte? Wie man als orthodoxer Grieche sagt: „Prota o Theos“ –  sofort.

  • Was wünschst du dir für die Zukunft Griechenlands – und für deine Eigene?

„I Ellada pote den petheni“, heißt ein altes Lied (Griechenland wird niemals sterben). Ich wünsche mir etwas mehr Fairness gegenüber der neuen griechischen Regierung. Korruption und Vetterleswirtschaft waren in Griechenland immer an der Tagesordnung. Bitte lasst uns jedoch nicht vergessen, dass die, die jetzt den Dreck werfen, auch keine sauberen Hände haben. Nehmen wir den Filz in Bayern oder gar unseren Wirtschaftsminister, der einmal einhunderttausend DM in der Schublade vergessen hatte. Nehmen wir unsere Bundeskanzlerin, die sich 24 Stunden, bevor sie sich als Atomgegnerin geoutet hat, für die Verlängerung der Laufzeit für Kernkraftwerke ausgesprochen hat. Nehmen wir den Weltkonzern Siemens, Millionenbeträge wurden als Schmiergeld ausbezahlt. Ich wünsch mir wirklich nur etwas mehr Fairness.

Für mich wünsche ich mir Gesundheit und das Lächeln meiner Lieben.

Radio Kreta – Buchautoren persönlich und hautnah.


streamplus.de

Kolumne: Nikos erzählt…. und Nikos stellt vor.

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