„11 Fragen an….“: Pierre Pisano. Ein Bergführer auf Kreta.

Heute hatten wir einmal mehr das Vergnügen, einen sehr netten „geschäftlichen“ Termin in schöner Umgebung mit sehr sympathischen Leuten wahrzunehmen.

Das mit dem „geschäftlichen“ Termin bitte nicht allzu ernst nehmen – es handelte sich um einen unserer „11-Fragen-an….“-Interview-Termine, die eigentlich durchgängig fröhlich, interessant, bereichernd und zuweilen auch sehr lustig vonstatten gehen.

So auch heute, und unser „Opfer“ war der französische Geograph, Bergführer und Skitouren-Organisator italienischer Abstammung Pierre Pisano.

Wir haben Pierre und Freundin Christa beim Bäcker „Vakakis“ in Paleochora getroffen (Kaffee ist ja schließlich WICHTIG!). Unsere Fragen und Pierre´s Antworten lest Ihr hier:

  • Wenn du nur 5 Worte hast, um dich selbst zu beschreiben. Was würdest du sagen?

Freiheit, Berge, Leben, Genuss, Naturverbundenheit

  • Wo kommst du her, deine Nationalität, deine Wurzeln?
Pierre, ein Bergführer auf Kreta.

Ich bin gebürtiger Franzose mit italienischem Großvater, dessen Nachnamen ich auch noch trage, 1963 in einem Städtchen südlich von Lyon geboren, jetzt wohnhaft in Saint-Gervais les Bains am Fuße des Mont Blanc.

  • Dein beruflicher Werdegang?

Ursprünglich habe ich Geographie studiert und bin seit vielen Jahren Bergführer mit einer ausgeprägten, mittlerweile aber überwundenen Wasserphobie.

  • Warum sprichst du so ein ausgezeichnetes Deutsch?

Naja, ich habe das in der Schule als 2. Fremdsprache gelernt, dann viel vergessen bzw. im Hinterkopf „abgelegt“ und durch das Touren-Angebot, das das Interesse vieler deutscher Touristen und Gruppen geweckt hat, habe ich meine Kenntnisse wieder aktiviert, aktualisiert und so weit ausgebaut, dass ich nun sogar meine neue Homepage in Eigenregie in deutscher Sprache verfasst habe. Sicher nicht perfekt, aber halt so wie ich bin!

  • Wann, warum und wie hast du Kreta für dich entdeckt?

Nun, das war erst 2014. Da habe ich beschlossen, dem „Schweinehund Wasserphobie“ mal an den Kragen zu gehen und habe mich auf das Abenteuer „eine Woche Atlantik auf dem Katamaran“ eingelassen. Das war im Mai, also noch zur Bergführer-Vorsaison. Ich hatte danach noch Zeit und schaute einfach, wo es denn jetzt im Jahr in Europa schon warm ist.

Und – zack – bin ich auf Kreta gelandet. Ich wollte auf jeden Fall an die Südküste und so bin ich in Chora Sfakion gelandet. Der Blick auf die Weißen Berge – die „Lefka Ori“ – hat mich sofort so überwältigt, dass ich gleich am 2. Tag den „Pachnés“ erklommen habe – naiverweise in Wandersandalen, aber so viel Schnee lag da ja gar nicht mehr…

Zudem hatte ein Freund von mir die Idee, Skitouren auf Kreta anzubieten. Das hörte sich für mich erst mal komisch an, machte aber durchaus Sinn. Ich habe im Februar 2015 mit diesem Angebot angefangen und die Resonanz ist größer als gedacht.

  • Glaubst du, durch deine Initiative eine Art Wintertourismus vorantreiben zu können, willst du das überhaupt und wie siehst du diese Möglichkeit?

Was ich hier bisher gesehen und erlebt habe, ist eine „Art“ Wintertourismus – gleichsam von Griechen und Ausländern – die mich sehr an die Anfänge des nord- und mitteleuropäischen Wintertourismus vor 40 Jahren erinnert. In Mitteleuropa hat sich das mittlerweile zu einer regelrechten „Ski- bzw. Wintersport-Industrie“ entwickelt, die ich gar nicht mehr gutheißen kann.

Hier auf Kreta fängt sowas erst ganz langam an und das Risiko, dass Kreta zu einem der Top-10 Skigebiete der Welt avancieren wird, schätze ich als sehr gering ein. Und ich freue mich drüber! Bisher gab es grade mal einen Skilift auf Kreta am Psiloritis. Und das ist gut so, es soll ein Skigebiet für verrückte Individualisten wie mich bleiben – und keine Wintersport-Industrie!

  • Du kennst so viel von der Welt und mittlerweile auch von Kreta – was fasziniert dich so an Paleochora?

Wie gesagt, bei meinem ersten Besuch auf der Insel bin ich in Chora Sfakion „gelandet“, das mir sehr gut gefallen hat und dessen Hinterland ich mir auch bereits in kürzester Zeit erwandert hatte. Dann las ich über das Dorf Paleochora, das mich sehr interessiert hat. Also bin ich bei meinem nächsten Kreta Aufenthalt gleich dorthin gefahren, habe zuerst in den Manto-Studios, später im Hotel Lissos gewohnt und mich einfach wohlgefühlt.

Auch hier habe ich die Umgebung erwandert und erkundet und bin dann mal wieder mit der Fähre für ein paar Tage nach Chora Sfakion gefahren. Und als ich von dort nach Paleochora zurück kam, war es wie „Heimkommen“! Heimkommen und wohlfühlen – das ist Paleochora für mich.

  • Wie nimmst du als „Xenos“ – als Fremder und Gast – die Menschen hier wahr?

Ich erlebe die Kreter als extrem gastfreundlich, herzlich und hilfsbereit. Ich war neulich in einer Taverne, die ich vor 2 Jahren einmal mit einer Gruppe besucht hatte, und wurde gleich unter großem „Hallo“ wieder begrüßt, als sei ich seit 20 Jahren Stammgast dort. Da fühlt man sich willkommen und fast zu Hause.

  • Was schätzt du besonders an Kreta?

Die unglaubliche Freiheit, die ich hier empfinde. Auch die Größe dieses „kleinen Kontinentes“ passt mir gut. Für die Projekte und Touren, die ich veranstalte und veranstalten will, brauche ich keine große Organisation, da steht die Spontaneität und die Improvisation der Kreter im Vordergrund. Trotzdem sind die Touren natürlich organisiert und der Kunde hat sich auf keine Katastrophen einzustellen – aber schon auf die eine oder andere – durchweg positive! – Überraschung ;-).

  • Wovon möchtest du, dass es sich auf Kreta nie ändert?

Die wundervolle Natur.

  • Und was sollte sich hier unbedingt ändern?

Momentan bitte erst mal nichts!

Radio Kreta dankt für ein tolles Interview in netter Gesellschaft!

Mehr über Pierre und seine Touren erfahrt Ihr auch auf seiner Website.

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