Airbnb-Krieg auf Kreta?

Wie wir aus sehr guter Quelle erfahren haben, haben in den letzten Woche viele lokale Hotel- und Tourismusverbände den Vermietungen durch Airbnb, private illegale Vermietungen von Ferienhäusern und -Wohnungen, sowie privaten und ebenfalls illegalen Autovermietungen den Kampf angesagt.

Legal gegen illegal, Griechen gegeneinander und gegen ausländische Residenten. Und letztere in Konsequenz dann vermutlich auch noch gegeneinander, nach dem Motto „der ist aber illegaler als ich“

Droht nun eine Klageflut? Das ist anzunehmen. Als sicher gilt jedenfalls, dass Polizei, Finanzbehörden, Katasteramt, die Sozialversicherungsbehörde IKA, sowie Rechtsanwälte und Richter in den kommenden Wochen und Monaten viel zu tun bekommen werden. Aber nun mal langsam, von Anfang an.

Die Hintergründe

Gerade in so einem relativ kleinen Dorf wie Paleochora kennt man sich ja nun mal. Die Griechen untereinander sowieso, aber auch die „Zugereisten“ und entweder permanent oder nur für einige Monate im Jahr hier lebenden Ausländer gehören irgendwie zum Dorfleben dazu.

„Leben und leben lassen.“

Bisher war es nun weitestgehend so, dass das Hauptmotto „Leben und leben lassen“ war – solange man niemandem auf den Schlips getreten ist. Also vor allem nicht als Ausländer auf einen griechischen Schlips. Finden wir nur recht und billig, denn schließlich sind wir Ausländer hier ja, naja, sagen wir mal, irgendwas zwischen „geduldet“ und „integriert“ – je nachdem, wie lange man schon hier ist, in welcher Form und zu welchem Ausmaß man sich integrieren will (Sprache, Mentalität, Traditionen, Schwarzgeld etc.).

Nun hat sich ja in Griechenland in den letzten Jahren viel verändert, vor allem, was Gesetzgebungen, Kontrollen der Einhaltung derselben, Steuer- und Sozialversicherungsthemen etc. angeht. Und es hat sich – sicherlich nicht zuletzt aufgrund der drakonischen Strafen bei Nichteinhaltung – auch wirklich viel geändert. Nicht immer zur Freude der Betroffenen, aber die meisten halten sich daran.

Illegale Vermietungen sollen nun angezeigt werden

Um so bitterer ist es dann für diese Griechen, wenn sie beobachten, wie ortsansässige Ausländer (oder solche, die hier zumindest Ferienhäuser- oder Wohnungen haben), sich einfach über alle Regeln hinwegsetzen. Ausschlaggebend für den Unmut z.B. der Hotelbetreiber war sicher das Thema der kurzfristigen Vermietungen von privaten Unterkünften (Airbnb), was der Gesetzgeber ja für 90 Tage im Jahr erlaubt. Dafür muss sich der Vermieter aber auf einer griechischen Plattform anmelden und wird auch vom Finanzamt streng kontrolliert und mit bis zu 45% besteuert.

Das ist nun schon schlimm genug – damit einher geht ja auch noch akuter Wohnungsmangel für Einheimische bzw. Saisonarbeitnehmer. Da müssen gut qualifizierte Bewerber abgewiesen werden, weil sie im Einzugsgebiet keine erschwingliche Unterkunft finden (Link zum entsprechenden Artikel unten). Das ist doch irre!

Da gibt es nun aber genug ausländische Häuslebauer oder zumindest -Besitzer, die ihre Wohnungen oder Häuser zum Selbstbedarf nur wenige Wochen oder Monate im Jahr benutzen und sie in der Zwischenzeit an Bekannte untervermieten. Man kann vermuten, das wird auf ganz Kreta und in Restgriechenland so sein.

Dabei ist auch noch ganz besonders pikant, dass es hier und sicher auch überall in Griechenland auch als reine Wohngebiete ausgewiesene Viertel oder Vororte gibt, in denen es nicht mal ein Kiosk, ganz zu schweigen von einem Kafenion oder gar Supermarkt gibt, worüber man sich oft doch schon mal wundert. Liegt aber nun mal an der Gesetzgebung: Wohngebiet ist Wohngebiet und kein (Vermietungs-) Gewerbegebiet.

Trotzdem grassiert auch und ganz besonders dort die illegale Vermietung „unter der Hand“: ganz privat, ganz an der Steuer vorbei. Und diese Mieter sind dann natürlich Touristen, die nicht in den offiziellen Unterkünften – sprich: Hotels und Pensionen – unterkommen.

Und wenn die offiziellen Unterkünfte dann schlecht gebucht sind, man aber vom einen oder anderen weiß, dass er/sie sein Haus an der Steuer vorbei vermietet, kann man schon mal ranzig werden. Und das ist nun passiert – was auch nicht weiter verwunderlich ist. Bei Anzeige drohen dem illegalen Vermieter dafür sehr schmerzhafte Geldstrafen – im schlimmsten Fall wird auch der Mieter zur Kasse gebeten, da er sich ja wissentlich (kein Meldezettel, keine Rechnung bzw. Quittung, kein Vertrag) darauf eingelassen hat.

Auch Autovermieter und Taxiunternehmen machen mit

Gilt übrigens auch für die Vermietung der Privatwagen. Da hat eine Autovermietung den Parkplatz voller Autos stehen und Touristen fahren wochenlang mit dem (meist übrigens im Herkunftsland zugelassenen) Privatwagen des Herrn XY aus dem Nachbardorf rum – auch da kommt keine Freude auf.

Und wenn dann noch irgendwelche Kurs- und Seminarveranstalter (selbstverständlich ohne Personenbeförderungsschein) regelmäßig mit ihren Privatwagen Flughafentransfers für ihre Teilnehmer machen, wird auch der netteste Taxiunternehmer sauer.

Wir sind gespannt darauf, wie sich dieses Thema noch entwickeln wird – lustig wird es aber sicher nicht.

Wenn schon Gesetze, dann für alle.

Auch interessant: Wohnungsmangel durch Airbnb.

Mehr Infos: Wieviel Steuern zahlt man auf Airbnb-Vermietungen?

P.S.: Zumindest hat Airbnb die Bauwirtschaft ein wenig in Schwung gebracht. Überall werden aus alten Bruchbuden Fremdenzimmer gemacht. Das hat in all den Jahren der Finanzkrise kein Wirtschaftsprogramm zustande gebracht.

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Ein Kommentar

  1. Moin, so geht es zu im Kapitalismus. Ein hauen und stechen, niemand gönnt dem Anderen auch nur einen Euro. Jede/r will was vom Kuchen abhaben. Es zählt nur noch der Profit.

    vg, kv

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