Alan Turing – Mathe-Genie mit tragischem Ende

Vor über 100 Jahren wurde der geniale Codeknacker und der Vater des Computers, Alan Turing, geboren. Er war seiner Zeit Jahrzehnte voraus.

Zu Lebzeiten erlangte Alan Turing nie den Ruhm, der ihm gebührt hätte. Schuld daran war nicht nur sein viel zu früher Tod, sondern auch die Tatsache, dass ein Großteil seiner Arbeit streng geheim bleiben musste. Am 23. Juni wäre Turing 101 Jahre alt geworden. „Das ganze Feld der Informatik, Algorithmen, Berechenbarkeiten – in all diesen Bereichen war Turing wegweisend“, sagt Jochen Viehoff vom Heinz Nixdorf Museumsforum in Paderborn. Hier läuft anlässlich des Turing-Jahres 2012 die Ausstellung „Genial & Geheim – Alan Turing in 10 Etappen“.

Turings Leistungen wirkten sich sogar kriegsentscheidend aus. Der Mathematiker entwickelte in den 40er-Jahren für die Briten ein Verfahren zur Entschlüsselung der deutschen Funksprüche. „Die Briten konnten dank ihm den Marinefunk abhören, das hat eine historische Dimension“, sagt Viehoff. Entscheidend, unter anderem für die Vernichtung der deutschen U-Boot-Flotte, waren seine Rechenverfahren, mit denen die Verschlüsselungsmaschine Enigma geknackt wurde. Turing war einer der Ersten, der Rechenmaschinen als die universelle Maschine erkannte, die heute Computer sind.

Seine Turing-Maschine ist noch heute eine wichtige Grundlage für den Turing-Test, mit dem die Frage beantwortet werden soll, ob Computer intelligent sind. Seine Turing-Maschine war ein Konzept – kein physisch greifbares Gerät. Der Mathematiker präsentierte sie 1950 in seinem Artikel „Computing Machinery And Intelligence“. Darin stellte er die Frage, ob eine Maschine ein dem Menschen gleichwertiges Denkvermögen haben kann. Seine Idee war, eine Art Schiedsrichter per Telefon mit einem Menschen und einem Computer sprechen zu lassen – also ohne dass der die beiden zu Gesicht bekommt. Er muss entscheiden, welcher Gesprächspartner der Mensch, welcher künstlich ist. Heute werden auf dieser Basis jährlich Forschungen zur künstlichen Intelligenz ausgezeichnet, die auf den Thesen Turings aufbauen.

Der Pionier galt als humorvoller und empfindsamer Mensch. Er geriet aber in eine Lebenskrise, weil er seine Homosexualität nicht offen ausleben durfte. Er sei mit ernsten Problemen konfrontiert gewesen, weil Homosexualität in England damals strafbar war, schreibt der Turing-Biograf Andrew Hodges. Als seine Affäre mit einem 19-Jährigen aufflog, wurde Turing 1952 zu einer einjährigen Hormonbehandlung mit Östrogen verurteilt. „Beabsichtigt war eine chemische Kastration“, schreibt Hodges. Die unwürdige Behandlung veränderte Turing körperlich und machte ihn depressiv. Am 7. Juni 1954 brachte er sich um. Der britische Premierminister Gordon Brown bedauerte im Jahr 2009 die Verfolgung Turings mit den Worten „Es tut uns leid. Du hättest so viel Besseres verdient.“ US-Präsident Barack Obama stellte Turing bei seinem Staatsbesuch in London im Mai 2011 in eine Reihe mit legendären Wissenschaftlern wie Isaac Newton und Albert Einstein.

Google würdigt Turing mit einem eigenen Doodle – einer angepassten Startseite der Suchmaschine: google.de

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