Aus dem Kochstudio: „Vrouves“ – schwarzer Senf.

Da führte uns neulich der Weg mal wieder in´s Dorf und nach getaner Arbeit und Rumrennerei waren wir der Überzeugung, dass wir uns ein Päuschen nun redlich verdient hätten.

Der weitere Weg führte uns fast zwangsläufig in´s „Water´s Edge Café“ zu Haris und Flora, sitzt man dort doch wind- und wettergeschützt mit wundervollem Ausblick auf´s „Krokodil“ und das libysche Meer bei netten Leuten. Das Servicepersonal ist tüchtig und sehr aufmerksam – was will man mehr?

Bei Haris im Waters Edge Cafe.

Aber das soll nun kein Werbeartikel für besagtes Café werden, sondern nur die Kulisse des dann Geschehenen illustrieren…. Nun waren wir also bei Haris, genossen unser wochenendliches „Mesimeri“-Bierchen und das schöne Wetter, als unser lieber Wassilis angeknattert kam.

Wassilis ist Fischer, begnadeter Koch und Geschichtenerzähler und knattert trotz seiner 80+ Jahre bei Wind und Wetter mit seinem „Papaki“ (halbautomatisches 125cc-Moped) durch die Gegend, in der er – wenn Fisch grade nicht so üppig ist – Kräuter, Gemüse und Gewürze sammelt oder zur Not auch mal eines seiner Kaninchen für sein legendäres „Kouneli-Stifado“ opfert.

So auch neulich, als Wassilis mit einer Gemüsekiste voller Grünzeugs bei Haris im Water´s Edge Café auftauchte. Ein Blick in besagte Kiste genügte, um uns mal wieder ob all unserer Unwissenheit kapitulieren zu lassen. Grün-gelb war´s, dünne Stengel hatte es, allgemein geht es sicher als „Horta“ (Wildgemüse) durch – aber wir wollten es ja genau wissen.  „Et voilà!“ – es war keine Vlita, kein Askolimbri, keine „Horta“, keine Glystrida, sondern…. hmmmmm…. wie heißt dieses Kraut denn nun und wie bereitet man es zu?

Vrouves 2
Ein wildes Kraut aus dem Südwesten Kretas.

Wassili wäre nicht Wassili hätte er nicht auch dafür eine wortreiche Erklärung parat, die wir gerne für Euch zusammenfassen wollen: es handelte sich um „Vrouves“ (Βρούβες) – schwarzen Senf!

Da wurden wir natürlich neugierig und kauften Wassilis gleich mal drei Bund des grünen Krauts ab – selbstverständlich aber nicht, ohne uns über die traditionelle Zubereitung dieses Gewächses zu informieren.

Am Besten wird es, genau wie die grünen, ebenso wilden „Kollegen“ Horta und Vlita (Χόρτα και βλήτα) kurz in Wasser gekocht, idealerweise unter Zugabe von ein bisschen Soda-Pulver, damit das Kraut schön grün bleibt. Eine kleine hausfrauliche Herausforderung dabei ist, die Stengel „al dente“, die Blättchen obendran aber nicht matschig zu kochen – das ist z.B. beim Broccoli genauso. Das Grünzeug wird dann nach dem Kochen auf einem Teller angerichtet und mit etwas grobem Meersalz, ggf. etwas frisch gemahlenem Pfeffer, frischer Zitrone und reichlich Olivenöl heiß oder lauwarm serviert.

Schmeckt leicht nussig, erinnert sogar ein wenig an Broccoli und ist wirklich mal was anderes. Vrouves eignen sich prima als Mezedes, mit Kartoffeln oder frischem Weissbrot auch als vegetarisches/veganes Fastenzeit-Hauptgericht – aber natürlich auch als prima Beilage zu allen möglichen Fleisch- und Fischgerichten.

Aber dieses Kraut kann noch viel mehr!

Hier noch ein paar Hintergründe zum „schwarzen Senf“ (die haben wir dann aber nicht mehr von Wassils, sondern bei Wikipedia und heilkräuter.de erstöbert): Der Schwarze Senf ist im Mittelmeerraum heimisch und wird seit Menschengedenken kultiviert und als Heil- sowie Nutzpflanze vielseitig verwendet. 

Das weite Verbreitungsgebiet des Schwarzen Senfs umfasst weite Gebiete der „Alten Welt“, er ist im östlichen Mittelmeerraum beheimatet. Seit der Römerzeit wird er auch in Mitteleuropa kultiviert und seit dem 16. Jahrhundert ist er in Mitteleuropa als Neophyt bekannt und tritt hier vor allem als Stromtalpflanze auf. Diese verwilderte Nutzpflanze gilt in Mitteleuropa als fester Bestandteil der aktuellen natürlichen beziehungsweise naturnahen Vegetation.

Nach o.g. Zubereitung ist er einfach lecker, er wird aber auch in der Heilkunde angewendet. Der schwarze Senf ist der „scharfe Vertreter“ der Senf-Geschwister. Er wird als Heilmittel häufiger verwendet als der weiße Senf, doch seltener als Bestandteil von Tafelsenf, weil halt einfach zu scharf.

Senf wird am häufigsten als cremiges Senfgewürz zum Schärfen von Speisen verwendet. In dieser Form regt Senf die Verdauung an und hilft, schwere Speisen zu verdauen. Man kann Senf aber auch äußerlich als Senfpflaster anwenden, um die Haut zu reizen und die Durchblutung zu fördern.

Haupt-Anwendungen und Heilwirkung:

Wird oft bei Verdauungsschwäche und Rheuma angewendet und wirkt anregend, antibakteriell, fungizid, harntreibend, hautreizend, krampflösend, schleimlösend, schmerzstillend, schweißtreibend

Hilft desweiteren gegen Appetitlosigkeit, Blähungen, Blutergüsse, Bronchitis, Erkältung, Flechten, Gallenblasenentzündung, Gicht, Halsschmerzen, Heuschnupfen, Hexenschuss, Ischias, Kopfschmerzen, Kreislaufschwäche, Kreuzschmerzen,
Nebenhöhlenentzündung, Nervenentzündung, niedrigen Blutdruck, Nierenkolik, Ödeme, Rückenschmerzen, Schmerzen, Schnupfen und Verstopfung

Na, wenn das mal kein „Allrounder“ aus der kretischen Natur ist!

Radio Kreta – immer gute (und leckere!) Tipps aus der Botanik.

Und hier geht es für die Nicht-Vegetarier zum Rezept für unser leckeres Kouneli-Stifado.


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