Aus dem Musikstudio: Natassa Bofiliou

17. Mai 2014, Düsseldorf, ZAKK. Von Maria Laftsidis-Krüger.

Natassa Bofiliou

Das erste Mal, dass ich Natassa Bofiliou, die griechische Senkrechtstarterin der letzten Jahre live sehen konnte. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten würde. Klar, man kennt ihre Lieder. Aber wie würde sie diese oft sehr melancholischen Worte auf der Bühne darstellen?

Nach drei Stunden blieb nur ein Fazit: Wenn griechische Musik auf eine Frau mit dieser Stimmgewalt trifft, kann es nur Natassa Bofiliou sein. Das ZAKK füllte sich mit Menschen, die zum Teil auch sehr weit angereist waren. Frankfurt, Osnabrück, Bielefeld.

natassa-bofiliouDer Großteil des Publikums waren junge musikbegeisterte Frauen. Die blonde Natassa überzeugte auf Anhieb durch ihr Stimmvolumen, durch die Kraft, mit der sie Worte fast zum Bersten bringt. Perfektioniert wird ihre Stimme durch die Symbiose ihrer Gestik, ihrer zum Himmel gestreckten Arme. Es ist nicht nur Musik, die wir an diesem Abend hören, wenn sie „Oi meres tou fotos“ oder „Etsi einai auta“ singt, wir hören und „sehen“ Musik. Und genau das macht diesen Abend unvergesslich und die junge Natassa zu etwas Besonderem.

Keine spektakulären Bühnenbilder, keine Tänzer oder sonstige Aktionen, die bei einigen Künstlern von der nicht vorhandenen Stimme ablenken sollen. All das braucht sie nicht. Ihre Musiker, die Instrumente, ein Mikro und ihre Stimme füllen den Saal. Minimalismus, der ihrer Stimme genug Raum lässt, zu begeistern. Weitere Lieder ihrer Debut-CD folgen: „I kardia ponaei otan psilonei“ gefolgt von „Ego megalona gia sena“.

Der anwesende Klavierspieler begleitet sie zu dem sonst von Alkinoos Ioannidis gesungenen Song „Loxagos erotas“.
Doch dann überrascht sie, indem sie alte Lieder singt, die von der Xenitia, von der Einsamkeit in der Fremde erzählen. Von dem Gastarbeiterdasein der 60er Jahre, als Deutschland Fabrikarbeiter anheuerte.

Das junge Publikum singt und klatscht begeistert mit, obwohl die meisten diese Jahre gar nicht erlebt haben. Kinder der dritten Generation, die diesen Schmerz überlieferten bekamen von ihren Eltern und Großeltern. Man kennt diese Lieder, egal wie alt sie sind. Und Natassa läuft zur Höchstform auf. All den Schmerz dieser Worte untermalt sie mit ihrer so eigenen Gestik, mit einer Stimme, die der Klytaimnestra gleicht, als die erfährt, dass Iphegnie geopfert wurde. „Mana mou Ellas“ erfordert eine großartige Stimme. Natassa begeistert auch bei diesem Lied, dessen Worte so tragisch sind wie die Helden der griechischen Sagen.

Natassa tritt in diesen Tagen noch in Berlin auf. Ich freue mich schon heute auf ein Wiedersehen.

Maria Laftsidis-Krüger

„Mana mou Ellas“,Griechenland, meine Mutter.

Ich habe kein zu Hause, in das ich zurückkehren kann,
auch kein Bett um zu schlafen.
Ich habe weder einen Weg noch eine Nachbarschaft
um an einem 1. Mai spazieren zu gehen.

Die falschen Worte, die großen,
hast du mir schon mit deiner ersten Milch erzählt.
Aber jetzt, wo die Schlangen erwacht sind,
trägst du deinen antiken Schmuck,
du weinst nie, Griechenland, meine Mutter,
wo du doch deine Kinder als Sklaven verkaufst.

Die falschen Worte, die großen,
hast du mir schon mit deiner ersten Milch erzählt
Aber damals, als ich mit meinem Schicksal sprach,
hast du deine antike Pracht getragen
und du, Zigeunerin, Affe, brachtest mich zum Jahrmarkt.

Griechenland, Griechenland, Mutter des Leids.
Die falschen Worte, die großen,
hast du mir schon mit deiner ersten Milch erzählt.

Aber jetzt, wo sich das Feuer neu entfacht,
schaust du auf deine antiken Schönheiten,
und in den Arenen der Welt, Griechenland, meine Mutter,
schleppst du stets die selbe Lüge mit dir.


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A Star Is Born – Maria Laftsidis-Krüger

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