Buchtipp – Der Lyra Spieler

Der Stuttgarter Schriftsteller und Dichter Zacharias G. Mathioudakis liest am kommenden Mittwoch, 15. Dezember, von 15 Uhr an bei Punsch und Gebäck im Wohncafé der Seniorenwohnanlage Körschhof, Körschstraße 44 aus seinen Werken. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten.

Zacharias G. Mathioudakis wurde 1932 in Klima auf Kreta geboren. 1958 kam er nach Deutschland, studierte Agrarwissenschaften in Hohenheim und Berlin und promovierte zum Dr. sc. agr.

Er lebt seit Jahren in Stuttgart und schreibt unter anderem Erzählungen, Essays, Märchen, Fabeln und Gedichte.

Seit 1967 sind viele seiner Texte in Zeitungen und Anthologien veröffentlicht worden.

Zu seinen bekanntesten Werken gehören unter anderem „Unter der Platane von Gortyna“ (1989), „Das Wasser der Unsterblichkeit“ (2000), „Wäre Hades schön“ (2002), „Wohin der Stier Europa brachte“ (2005) und sein letztes Werk „Der Lyraspieler“ (2010).

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Franz Jaeger (Kreta) sandte uns nachfolgende Buchbesprechung zu:

Zacharias G. Mathioudakis: „Der Lyraspieler“
Verlag Dr. Thomas Balistier, Mähringen (BRD)
1.Auflage 2010, ISBN 978 – 3 – 937108 – 21-6
Preis: 9.80 €

Michalis Rizikianakis aus Klima (Kreta, Messara-Ebene), genannt Rizikianos, der Lyraspieler, erzählt seine Lebensgeschichte. Aufgeschrieben hat sie sein Neffe Zacharias G.Mathioudakis, ebenfalls aus Klima, seinem Geburtsort.

Der Autor berichtet über das Leben des Lyraspielers, um Einblick in das echte Kreta- abseits der Touristenpfade – zu geben. Der Hauptteil des Buches handelt von der extrem schwierigen Situation der Kreter und Kreterinnen in der Zeit des 2.Weltkrieges, von dem tapferen und patriotischen Durchhaltevermögen der Kreter, vor allem durch bewaffnete Widerstandskämpfer, wie sie es immer gemacht haben, als sie über 2000 Jahre lang durch fremde Mächte unterjocht waren (bis 1898: Rückzug der Türken). Wir lernen die Mentalität der Einheimischen, ihre Dörfer, ihre natürliche Umgebung, mit kurzem Einblick in die Pflanzen- und Tierwelt, sowie Speisen und Getränke kennen. Im Mittelpunkt der Erzählung steht die Lyramusik. Zur Lyramusik gehören auch die typisch kretischen „mantinades“, d.h. kretische Vierzeiler (manchmal Fünfzeiler), die tiefsinnig und schön sind und fast immer gesungen werden. z.B.:

Keine Schmerzen habe ich,
wenn ich weine.
Wenn ich aber Schmerzen habe,
weine ich nicht.

Schau mal, Insel Kreta,
den Tanz, den deine Söhne tanzen,
genauso wie ihre Vorfahren,
schau mal Kreta und freue dich!

Was ich sehe,
sage ich nicht,
und was ich höre,
verrate ich nicht
.

„Das ist meine eigene Mantinada. Sie passt zu meinem Charakter“ (Michalis).
Michalis war immer gut gelaunt, und sein Gesang und die Melodie seiner Lyra, seine Geschichten und seine Scherze machten ihn beliebt und sehr populär. Er wurde immer wieder zu Hochzeiten, Taufen und anderen Festlichkeiten eingeladen, wo er vor allem in schwierigen Zeiten – z.B. im 2.Weltkrieg – als honorarloser Solist die Menschen begeisterte. Er half, Armut, Elend, Krankheit und Hungersnot, durch schöne und glückliche Stunden zu überwinden. Michalis schlug sich als Soldat (Frontkämpfer in Albanien), Feldpolizist, Kafenion-Betreiber in Klima und mit vielen anderen Beschäftigungen durch’s Leben.

Der Autor schreibt anfangs über seinen Onkel und dessen freundliche Ehefrau Chariklia im kretischen Ambiente.“ Ein paar Frauen saßen an ihren Webstühlen, zwei, drei umherstreunende Hunde bellten, Kinder rannten wie gejagt da und dort, und junge und alte Männer saßen im Kafenion, aßen und tranken und scherzten miteinander. „Wir saßen darußen in seinem Hof, ein Zitronenbaum und ein Orangenbaum verströmten ihren Duft“. Er bittet den Lyraspieler, seine Lebensgeschichte zu erzählen. Zunächst berichtet dieser, dass er vor kurzem als 77-Jähriger in einem Steinbruch sechs Meter tief abgestürzt ist und wie durch ein Wunder überlabt hat. Dann erzählt er, wie er seine erste Lyra selbst baute – aus Palmenholz und Eselshaar -, wie er bei einem bekannten Lyraspieler zum ersten Mal eine Lyra kaufte und dass er seit seinem 15.Lebensjahr ständig Lyra gespielt hat.

Es folgen ausführliche Berichte über seinem langen Aufenthalt in Zentralgriechenland nach seiner Militärzeit.Er konnte nicht nach Kreta zurückkehren, weil es während der deutschen Besatzungszeit zu gefährlich war. Als ihm eine Wahrsagerin voraussagte, er würde Kreta und seine Familie gesund erreichen, wagte er illegal die Rückfahrt auf einem Segelschiff, das in deutscher Hand war und floh bei Ankunft in Kreta in Richtung Klima. Zu Fuß lief er dorthin, ohne vom Feind entdeckt zu werden. In Klima wohnten außer Dorfbewohnern über 400 deutsche Soldaten und über 350 vertriebene Kreter. In dieser schwierigen Situation (z.B. Ausgehverbot in der Nacht) begann er, ein Kafenion zu betreiben. Er schlachtete heimlich, wobei er Fleisch, Gerste, Weizen und Hülsenfrüchte erhielt. So konnte er die Hungersnot mit seiner Familie überstehen. Ab 1942 organisierte er wieder Tanzfeste. Er spielte Lyra, wie immer ohne Begleitinstrument. Die Einheimischen sangen, tanzten und lachten. „So ist das Leben, Entbehrungen und Qualen, aber auch schöne Augenblicke! Und wenn es ein Leben nach dem Leben gibt, dann möchte ich immer und überall ein Lyraspieler sein.“
Der kretische Autor Zacharias G. Mathioudakis (auch Mitglied der NLUK, Kreta-Umweltforum) ist bekannt geworden durch seine Gedichte, Fabeln und Erzählungen aus Kreta in mehreren Sprachen, die als literarische Schätze eines uralten Erbes gewürdigt wurden.

Zu seinen bekanntesten Werken gehören: „Unter der Platane von Gortyna“, „Wohin der Stier Europa brachte“ und „Omas letzter Tanz“.

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