Buchtipp: „Die Sonne des Todes“, von Pandelis Prevelakis.

Der Spiegel, 02.05.1962

Pandelis Prevelakis: „Die Sonne des Todes“.

Der als Panorama kretischen Dorflebens angelegte Roman ist der Folklore zuliebe geschrieben: Die karge Lineatur der Handlung, gegen Ende des Ersten Weltkriegs, wird überdeckt von Schilderungen ländlicher Bräuche, von Volksliedern, Naturdeutungen, Sprichwörtern, die einer Witwe teils in den Mund gelegt sind, teils von ihr erklärt werden.

Prevelakis, Pandelis
Der Spiegel 1962.

Bevor der zum Militär beorderte Sohn der Witwe an der Saloniki-Front fällt, tötet er im Streit einen Nachbarn aus dem Dorf, in dem noch die Blutrache gilt. Ein Bruder des Getöteten kehrt heim, um am letzten Sproß der schuldigen Sippe, dem Neffen der Witwe, die Blutrache zu vollziehen: Als der Rächer auf den Neffen feuert, wirft sich die Witwe dazwischen und wird anstelle des Halbwüchsigen erschossen, dem ihr Opfer das Leben rettet.

Geboren in Rethymno

Der 1909 in Rethymno auf Kreta geborene Autor – drei seiner Bücher behielt er dem aus Kreta gebürtigen, als „El Greco“ in Spanien ruhmvollen Frühbarockmaler Domenikos Theotokopulos (1541 bis 1614) vor – ist Professor an der Athener Kunsthochschule und war Dichterfreund des zwei Dutzend Jahre älteren, 1957 verstorbenen Kreters Niko Kazantzakis („Griechische Passion“).

Wie Kazantzakis seinen Roman „Mein Franz von Assisi“ überließ Prevelakis seinen Dorf- und Blutrache -Roman der internationalen „Friedensbücherei“ in Oslo, die Max Tau („Das Land, das ich verlassen mußte“) begründet hat. Die „Friedensbücherei“ erwarb das Copyright des zum „Buch des Friedens 1962“ deklarierten Prevelakis -Romans und vergab Übersetzungslizenzen; die gesamtdeutschen Rechte gingen nach München. (Verlag Kurt Desch, München; 232 Seiten; 13,80 Mark.)

Fazit

„Die Sonne des Todes“ – 1961 verfasst, schon 1962 ins Deutsche übersetzt – für jeden Kreta-Reisenden, der an mehr als Sand und Sonne interessiert ist, eine wahre Fundgrube.

Denn er schildert meisterhaft aus Traditionen erwachsene Zwänge, die Menschen erdrücken können – ob sie sich ihnen nun beugen oder sie in Frage stellen. Zudem sind Prevelakis Figuren von einer Kraft, die der Gestalt von Alexis Sorbas in nichts nachsteht.

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Ein Kommentar

  1. Kalimera, danke für den Buchtipp. Klingt sehr interessant, habe es mir gleich gebraucht bestellt.

    Freue mich immer über die Buchempfehlungen hier von Büchern über Kreta und Griechenland.

    vg aus Hamburg, kv

Kommentare sind geschlossen.