Buchtipp: „Lernen in der Revolte“, von Angelika Gravert.

Angelika Gravert

Lernen in der Revolte

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Unser Buchtipp

Das griechische Bildungssystem und seine ideologische Bedeutung
Mit einem Vorwort von Frieder Otto Wolf

Griechenlands Jugend braucht eine grund­legende, zukunftsweisende Reform des Bildungswesens.

Nicht nur in Griechenland, sondern auch in Tunesien, Ägypten, Portugal, Spa­nien und in jüngster Zeit in der Türkei und Brasilien protestieren gut aus­gebildete junge Leute gegen die Verhältnisse in ihren Ländern – und sie fordern nicht nur eine Chance auf dem Arbeitsmarkt, sondern auch eine Neuorientierung und eine bessere Bildung.

Ausgehend von der These, dass die ökonomische und politische Krise in Griechenland auch eine ideo­logische Umorientierung mit sich bringt, skizziert die Autorin zunächst die spezifischen Produktionsbedingungen und die historische Entwicklung des neugriechischen Staates. Sie untersucht auf dieser Basis das griechische Bildungssystem und seinen bewusstseinsbildenden Einfluss. Zudem analysiert sie die ideologischen Bildungsinhalte und kommt zu dem Schluss, dass die vermittelten Werte viele Generationen daran gehindert haben, den Herausforderungen moderner kapitalistischer Produktionsverhältnisse und den damit verbundenen bürgerlichen Formen des Gemeinwesens angemessen zu begegnen.

Schließlich zeigt die Studie Perspektiven auf: Vernetzt in den neuen Medien, hat die griechische Jugend die ­Chance, die ausgetretenen Pfade zu verlassen und das emanzipatorische Potenzial zu entdecken, das jeder Krise innewohnt.

Die Autorin
Angelika Gravert verbrachte einen Teil ihrer Kindheit in Thessaloniki/Griechenland, war in Deutschland Lehrbeauftragte für Psychologie, ist Psychoanalytikerin und Neogräzistin.

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Wer die Vergangenheit nicht kennt…

Wer hat Schuld an der griechischen Krise? In der gegenwärtigen öffentlichen Debatte scheint es auf diese Frage nur zwei Antworten zu geben: Entweder sind es die internationalen Geldgeber, die das Land kaputt gespart haben sollen, oder es liegt an der ineffizienten und korrupten griechische Gesellschaft, deren Eliten sich in Raubrittermanier aus den öffentlichen Kassen bedienen bzw. deren „südländische Mentalität“ ein solides Wirtschaften angeblich unmöglich macht.

Wie verkürzt beide Positionen sind, zeigt die Studie von Angelika Gravert. Die Autorin analysiert darin den Prozess der Nationalstaatsbildung in Griechenland und zeigt am Beispiel des Bildungswesens auf, welche Brüche und Ungleichzeitigkeiten in der griechischen Entwicklung zu der heutigen Misere beigetragen haben.

Mit viel Sympathie für das Land, in dem sie ihre Kindheit verbracht hat, hält Angelika Gravert den Griechen den Spiegel vor und leistet so einen wichtigen Beitrag zu einer dringend notwendigen Versachlichung der gegenwärtigen Griechenland-Debatte.

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