Buchtipp: „Und zahlst Du nicht, so kill ich Dich.“

Wer nicht zahlt, wird umgebracht: „Zahltag“.

Petros Markaris hat einen Krimi zur Krise in Griechenland verfasst. «Zahltag» macht kurzen Prozess mit Steuerhinterziehern.

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«Die politischen Eliten tragen die Hauptschuld für den Zusammenbruch des Landes», schreibt Petros Markaris.

Wenn die Regierung es nicht schafft, die durch massenhafte Steuerhinterziehung mitverursachte griechische Finanzkrise aus der Welt zu schaffen, so muss halt der einzelne Bürger zum Rechten schauen. Dafür will ein wenig zimperlicher, selbst ernannter «nationaler Steuereintreiber» sorgen. In seinen Briefen an Bürger, die es mit der Entrichtung ihrer Steuern nicht ganz so ernst nehmen oder sich durch Korruption von dieser lästigen Pflicht freikaufen, spricht er Klartext.

So heisst es etwa in einem Brief an Stylianos Lazaridis, einen 47-jährigen Uniprofessor und Unternehmensberater bei Global Internet Systems: «Nach aussen hin geben Sie bei Ihrem Finanzamt ein zu versteuerndes Einkommen von 60 000 Euro an. In Wahrheit müssten Sie meiner Schätzung nach Steuern in der Höhe von 250 000 Euro entrichten. Daher fordere ich Sie auf, obige Summe innerhalb von fünf Tagen an das zuständige Finanzamt zu bezahlen. Widrigenfalls wird anders abgerechnet, und Sie werden liquidiert.» Dass es der Wutbürger mit seiner Drohung ernst meint, zeigt die Leiche, die nach Ablauf der Frist bei einer antiken Ausgrabungsstätte gefunden wird.

Kommissar Kostas Charitos wird mit dem Fall beauftragt. Von dessen Lösung ist seine Reputation ebenso abhängig wie eine anstehende Lohnerhöhung. «Zahltag», der neue Krimi von Petros Markaris, breitet auf 400 kurzweiligen Seiten den sehr politischen Fall dieses Serienmörders aus.

Petros Markaris

Petros Markaris (griechisch Πέτρος Μάρκαρης, bürgerlicher Name Petros Markarian; * 1. Januar 1937 in Istanbul) ist ein griechischer Schriftsteller, der international bekannt wurde durch seine Kriminalromane um den in Athen ermittelnden schrulligen „Kommissar Kostas Charitos“. 2008 wurde er zum Präsidenten des Nationalen Buchzentrums (EKEBI) berufen.

Petros Markaris, Sohn eines armenischen Kaufmannes und einer griechischen Mutter, besuchte das St. Georgs-Kolleg in Istanbul und studierte nach seiner Matura einige Jahre in Wien und in Stuttgart. Er war jahrelang auch türkischer Staatsbürger. Markaris spricht und schreibt in griechischer, türkischer und deutscher Sprache. Seit langem lebt er in Athen.

Familie Tönnemann, Langzeiturlauber in Paleochora, überbrachten uns dieses spannende und kritische Buch. Wir sagen an dieser Stelle Dank dafür.


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