Das Fastentagebuch – Tag 46.

So, ab jetzt ist es nur noch ein reiner Spaziergang, das mit dem Fasten. Noch dazu ist die Erkältung so langsam auf dem Rückmarsch, dem Paulchen-Kater geht es besser, die Sonne scheint tagsüber vom azurblauen Himmel und treibt die Temperaturen auf gut über 20°C, der Scheffredakteur komplettiert die Familie am Sonntag wieder und alles ist gut.

Auch wenn heute ein erledigungs-stressiger und ereignisreicher Tag war, aber da läuft man ja auch irgendwie wieder zu Hochformen auf. Da wir ja mitten in der Karwoche stecken und von Morgen bis einschließlich Montag ja alle Ämter, offiziellen Stellen und u.U. zumindest am Sonntag und eventuell sogar am Montag die Supermärkte geschlossen sind, standen heute noch ein paar Erledigungen an.

Nochmal zum Steuerberater, zur Bank, zur Apotheke, zur befreundeten älteren Dame zwecks Pflegeantrag, zum Photoshop zwecks Ausdrucks der Ankündigung einer Lesung für nächsten Dienstag und ein nettes Treffen mit unseren lieben Schweizern Hans und Luzia – es war, wie gesagt, viel zu tun.

Lesung Stueven

War also mal wieder ein nährreiches Frühstück fällig, das heute mal wieder aus Obst und lecker Orangensaft bestand.

Gelbe Pflaumen, Mispeln, Erdbeeren, Rosinen mit Orangensaft
Vorvorletztes Fastenfrühstück: Gelbe Pflaumen, Mispeln, Erdbeeren und Rosinen mit Orangensaft.

Kurz vor Mittag ging´s dann los in´s Dorf und ich bekam erstaunlicherweise auch alles gewuppt – eigentlich kaum zu glauben! Ziemlich spät und hungrig zu Hause angekommen, musste ich allerdings nicht mehr großartig kochen, hatte ich doch vom gestrigen Oktopus ein paar Ärmchen zurückbehalten, die nun nur noch kurz mit kleinen Zwiebelstückchen und etwas Knoblauch in weißem Balsamico-Essig aufgekocht werden wollten und dann auf einem schönen Rucola-Salatbett kredenzt wurden. „Oktopus in Essig“ (Chtapodi xydato – Χταπόδι ξυδάτο) gibt es auch in einigen Tavernen hier und ist eben auch ein prima Fastengericht. Wobei aus dieses Gericht mit einem guten Schuss des leckeren Olivenöls noch ein bisschen leckerer ist. Ging diesmal aber auch so. Musste ja!

Oktopus xydato me salata
Oktopus in Essig auf Rucolasalat mit Kirschtomaten. Öl fehlt!

Noch dazu traute ich meinen Augen kaum, als ich ein kleines schwarzes Tier in unserem Innenhof wahrnahm. Erst dachte ich, dass das Chilly sei – die Mama unserer 3 Katzenkinder – aber nein! Es war der Paul, der in der Blumenecke neben dem Kücheneingang sass und endlich mal wieder in freier Natur pieseln konnte. Bis dato, also seit seiner Verletzung, hatte ich ihm oben im Wohnzimmer ganz in meiner Nähe sein Lager gerichtet, aber offensichtlich hatte er sich vom Wohnzimmer in´s Schlafzimmer und von dort die 10 Holztreppenstufen nach unten in die Küche geschleppt, von wo aus er dann in den sonnigen Innenhof gelangt war. Eine stolze Leistung – er ist offensichtlich wirklich ein Kämpfer! 

Und das allerbeste war, dass er, als er dann im Gebüsch fertig war, zum Futternapf hinrobbte und tatsächlich Trockenfutter weghapste. Immer noch nicht allzu viel, aber aus freien Stücken und mit Appetit. Und hinterher hat er auch selbständig aus dem Wassernapf geschlabbert, den ich ihm angeschleppt hatte. Ein Erfolg auf ganzer Linie – für den Paul. Und eine Riesenerleichterung für mich… Ganz über´m Berg ist er zwar immer noch nicht, aber offensichtlich doch auf einem guten Weg!

Derart beglückt ging ich dann auch gleich dazu über, der traditionellen griechischen Gründonnerstagsgepflogenheit nachzukommen – übrigens zum ersten Mal, seit dem ich auf der Insel lebe: ich habe Eier gefärbt! Und zwar – wie könnte es anders sein? – rot! Die Farbe hatte ich schon vor ein paar Tagen gekauft, die Eier erst gestern und letztere wurden dann natürlich erst mal hart gekocht. Dann die Farbe in 1,5 Liter warmem Wasser mit 4 EL Weinessig aufgelöst und die Eier für 3 Minuten in diesem Sud ziehen lassen. Et voilà: rote Ostereier aus der eigenen Küche.

Rote Ostereier. Leider erst für Sonntag… Werden aber am Gründonnerstag (I Megali Pempti – Η Μεγάλη Πέμπτη) gefärbt. Das ist hier so Ouzo – ähm, Usus….

Gibt es am Sonntag zum Frühstück! Und am Montag, am Dienstag, am Mittwoch – muss ja schließlich die eierfreie Zeit nach und nach wieder kompensieren!

Aber davor liegen noch der morgige Karfreitag und der fastenstrikte Samstag. Und dann ist das Fasten vorbei und der Scheffredakteur wieder da. Gleich mal doppelt Grund, sich auf den Ostersonntag zu freuen!

Radio Kreta – tapfere Zwei- und Vierbeiner!

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