Der Tanz – noch eine wichtige griechische Tradition!

Haben wir doch grade über die griechische Musik berichtet und auch Hintergrundinformationen dazu geliefert, ist jetzt dann natürlich eine weitere, aus der griechischen Tradition nicht wegzudenkende kulturelle Erbschaft an der Reihe: der Tanz!

Wer von Euch schon mal auf einem – vorzugsweise nicht touristischen, sondern einfach einheimischen – griechischen Dorffest, meist zur Preisung bzw. der auf-den-meist-nicht-vorhandenen-Sockel-Erhebung des Dorfpatrons oder der Dorfpatronin an seinem bzw. ihrem Namenstag (Panagiri/Panigiri) war, kann davon ein Liedchen singen bzw. ein Tänzchen tanzen….

Und da gibt es die verschiedensten Variationen – der „Sorbas´sche Sirtaki“ ist nur eine davon – dabei nicht mal authentisch, da schlichtweg nur für den gleichnamigen Film erfunden oder – besser gesagt – abgewandelt. Der Sirtaki ist heute Teil des Repertoires vieler griechischer Volkstanzgruppen und ein lebhafter Ausdruck des täglichen Lebens. Er wird bei vielen Gelegenheiten getanzt, etwa bei Hochzeiten, Familienfeiern und in Tanzlokalen. Mikis Theodorakis‘ Musik zum bekannten Film „Alexis Sorbas“ wurde ein Welterfolg, Sorbas´ Tanz zum Inbegriff der griechischen Musik schlechthin, und der so genannte „Sirtaki“ wird heute von Millionen als exzellenter griechischer Tanz angesehen.

Eine wirklich schöne Idee war der „Syrtaki-Flashmob“ des spanischen „Orquesta de Cámara de Siero“ (Spanisches Kammerorchester aus Siero, Asturien) auf dem Flughafen Heraklion. So kann man Langeweile und lange Wartzeiten auch mal verbringen!

Aber egal – er ist wohl der einfachste aller Tänze, von daher sollen da gerne alle dazu rumhopsen – alles gut! Hier geht es allerdings etwas ernsthafter um Tradition und Althergebrachtes, von daher lassen wir den „Sorbas“ eben mal außen vor und gehen der Sache etwas wissenschaftlicher auf den Grund. Dabei helfen uns „Culinaria Griechenland“ und auch (allerdings fast vernachlässigbar) Wikipedia.

Bei Kreistänzen ruralen Ursprungs unterscheidet man nach Tempo und Art der Schritte grundsätzlich zwei Gruppen: Sirtós sind langsame Kreistänze mit schleifenden, schleppenden Schritten. Pidiktós sind temporeicher, die Tänzer hopsen, hüpfen, stampfen und springen. Kreistänze verlaufen immer entgegen dem Uhrzeigersinn.

Unter den fünf bekanntesten der 150 griechischen Tänze finden sich mit Kalamantianós und Tsámikos zwei jahrhundertealte Bauerntänze, mit Seibékikos, Chasápikos und Tsiftetéli drei Tänze der urbanen Volkskultur des 20. Jahrhunderts.

Beim Kalamatianós (ο Καλαματιανός) handelt es sich um einen der bekanntesten Tänze Griechenlands. Der aus Kalamata auf der Peloponnes stammende Tanz, wird oft bei gesellschaftlichen Veranstaltungen aufgeführt. Wie bei den meisten griechischen Volkstänzen wird er im Kreis gegen den Uhrzeigersinn getanzt, wobei die Tänzer sich an den Händen halten. Es handelt sich um einen fröhlichen und festlichen Tanz – es gibt 12 Schritte im Tanz entsprechend 4 Takten Musik. Diese Schritte umfassen 10 Schritte gegen den Uhrzeigersinn („vorwärts“) gefolgt von 2 Schritten im Uhrzeigersinn („rückwärts“). Je nach Anlass und Können der Tänzer können bestimmte Schritte als Sprünge oder Kniebeugen ausgeführt werden.

Der Tsámikos (ο Τσάμικος) ist ein in Epirus beheimateter Tanz, der auch unter dem Namen „Taschentuchtanz“ bekannt ist, weil der Anführer und der zweite Tänzer die gegenüberliegenden Ecken eines Taschentuchts halten. Der Kreistanz im Dreivierteltakt wird vorwiegend von Männern getanzt. Zur Zeit des Unabhängigkeitskrieges galt er als der Tanz der Gebirgskämpfer. Auf dem Höhepunkt des Tanzes führt der Anführer komplizierte, geradezu akrobatische Sprünge vor.

Der Tanz folgt einem strengen und langsamen Tempo, wobei er nicht auf die Schritte, sondern mehr auf „Haltung, Stil und Anmut“ des Tänzers achtet. Die Tänzer halten sich gegenseitig an den Händen und beugen die Arme an den Ellenbogen um 90 Grad nach oben. Es erfordert eine starke Hand, besonders wenn man die erste oder letzte Person der Linie (oder des Kreises) ist, und damit die Person unterstützt, die hohen, akrobatischen Sprünge zu machen (erinnert nicht selten an den bayrischen Schuhplattler!). Die Schritte sind relativ einfach, müssen aber präzise und streng im Takt sein. Es gibt einige Improvisationen und viele Variationen der Schritte, je nachdem, aus welcher Region Griechenlands die Tänzer kommen. Im Laufe der Zeit hat der Tanz viele Variationen angenommen. In der Vergangenheit wurde es ausschließlich von Männern getanzt, aber in der heutigen Zeit nehmen sowohl Männer als auch Frauen teil.

Der Seibékiko (o ζεϊμπέκικος): Dieser Tanz war ursprünglich ein reiner Männertanz, wird aber inzwischen auch von Frauen getanzt. Dieser Improvisationstanz wird von einer Person ausgeführt, oder von 2 Personen, die sich umkreisen. Auch Anthony Quinn tanzt in dem weltberühmten Film „Alexis Sorbas“ so etwas wie einen Seibékikos. diser Tanz gilt als schwierig, weil er keine festen Bewegungsabläufe kennt – er beruht allein auf der individuellen Interpretation des Tänzers (was ja einfach ist, wenn nur einer tanzt…).

Dahingegen ist der Chasápikpos (ο χασάπικος) – der „Tanz der Metzger“ – ein eher einfacher. Männer und Frauen halten sich mit ausgestreckten Armen an den Schultern, das Grundmotiv der Schrittfolge sind drei seitliche Schritte nach rechts, drei nach links und zwei Kreuzschritte nach vorn. Die Bewegungen des Chasápikos sind langsam und würdevoll. Der Ursprung dieses Tanzes ist ungewisss – man hat ihn mit dem byzantinischen Makellárikos (makelláris – damals: Metzger) in Verbindung bringen wollen. Der Sirtáki ist eigentlich eine vereinfachte Version des Chasápikos und wurde für Anthony Quinn in der Rolle des Alexis Sorbas nach der Musik von Mikis Theodorakis eigens kreiert. Dass diese Notlösung zum berühmtesten Tanz Griechenlands avancieren würde, konnte damals niemand vorhersehen. Wo der Chasápikos angespannt und konzentriert wird, ist der Sirtáki locker, lebhaft und nimmt gegen Ende noch an Tempo zu – so wie man ihn halt kennt! Òpa!!!

Beim Tsiftetéli (τo τσιφτετέλι) handelt es sich um einen ursprünglich türkischen Tanz, der mit seinen kreisenden, betont sinnlichen Bewegungen früher als reiner Frauentanz dem Chasápikos gegenüberstand. Mittlerweile ist die Geschlechtertrennung allerdings gefallen und Männlein wie Weiblein tanzen in trauter Eintracht.

Der griechische Tanz hat seine Herkunft in der frühen Antike und gestaltete sich in vielfachen Eigenarten auf dem Festland und den griechischen Inseln. Die Tradition des griechischen Tanzes wird in unserer Zeit von vielen Volkstanzgruppen und Laien in den Trachten der Region gepflegt. Die Darbietung erfolgt in Gruppen, zu Paaren oder auch einzeln im jeweiligen Tanzstil. Der traditionelle griechische Tanz bedarf nicht unbedingt der instrumentalen Musik, erfordert aber den Takt für die Schrittfolgen.

Auch im heutigen Griechenland ist der Volkstanz sehr populär. Neben vielen verschiedenen regionalen Volkstänzen gelten die beiden Tänze Kalamatianós und Sirtós als die „Nationaltänze“ Griechenlands.

Das antike Erbe

Verschiedene antike Darstellungen zeigen die Tänze der Antike und dass sich die charakteristischsten Merkmale bis heute erhalten haben. Die Wiege der hellenischen Tanzkunst scheint Kreta gewesen zu sein. Einer der ältesten Griechischen Tänze, der Kalamatianós, ist vermutlich schon zur Zeit Homers getanzt worden. Von allen Völkern des Altertums scheinen die Griechen dem Tanz die höchste Bedeutung zugemessen zu haben. Sie glaubten, dass der Tanz die körperliche und emotionale Gesundheit verbessere. Der Tanz galt ihnen als Mittel zu einer allseitig harmonischen Ausbildung des Körpers und seiner Fähigkeiten, auf die sie großes Gewicht legten.

Der Tanz war den Hellenen vor allem die Kunst der Körperdarstellung, der Charakterisierung bestimmter Situationen, sei es, dass diese das Liebesleben oder irgendwelche Tätigkeiten symbolisch darstellten. „Der Zweck der Tanzkunst“, schreibt Lucian, „ist die Darstellung einer Empfindung, einer Leidenschaft oder Handlung durch Gebärden.“ „Der Tanz beeinflusst wie keine andere Kunst die Seele. Tanzen ist von Natur himmlisch und ein Geschenk der Götter, erklärte Plato.

Tänzer hoch über Paleochora.

Alle Götter tanzten, selbst Zeus. Nach dem Homerschen Hymnus führt Apollon die kretischen Schiffer im Tanzschritt zu seinem Altar in Delphi, und sie folgen ihm ebenfalls tanzend. Artemis tanzt mit ihren Nymphen, un Hesiod lässt die Musen auf dem Helikon um den Altar des Zeus tanzen. Sophokles tanzte nach der Schlacht bei Salamis nackt, Platon führte mit einem Chor schöner Knaben zyklische Reigentänze auf, und Sokrates, der sich schämte, sich öffentlich nackt sehen zu lassen, tanzte zu seinem eigenen Vergnügen im Verborgenen. Die besten Tänzer, erklärte Sokrates einmal, seien die Krieger.

Gern tanzten beide Geschlechter, meist in Gruppen getrennt. Die Beteiligung beider an demselben Tanz war Ausnahme. Einige Tänze wurden von den Männern und andere von Frauen getanzt. Die athenischen Jünglinge verkleideten sich und tanzten als Horen, Nymphen oder Mänaden, die Mädchen und jungen Frauen tanzten beim Takt der Kastagnetten und traten oft mit Kunsttänzen auf. Es gab viele Tänze der alten Griechen; komische Tänze, kriegerische Tänze, Tänze für Athleten und für fromme Anbetung, plus Tänze für Hochzeiten, Begräbnisse und Feiern. Tanz wurde von der Musik begleitet, die auf Lyren, Flöten und Schlaginstrumenten wie Tamburine, Becken und Kastagnetten gespielt wurden.

„Reigentanz und Gesang sind die Zierden des festlichen Mahles“, schreibt Homer. Trinkgelage wurden durch Darbietungen von Tänzern verschönt, die nur mit Efeukränzen bekleidet waren, aber sie färbten sich dem Gott zu Ehren Gesicht, Hals, Brust und Bauch mit Mennige rot. Die Komik des Tanzes beruhte auf der Bewegung des Hinterteils, das möglichst weit herausgestreckt werden musste. Die Tänzer fassten sich entweder an oder kreuzten die Arme und berührten sich nicht, sie gingen auf den Zehenspitzen, sprangen hoch, führten Reigen auf. Der Gesang der Teilnehmer oder Zuschauer bildete die eigentliche Musikbegleitung. Der Tanz beschränkte sich keinesfalls auf die bloße Bewegung der Füße, im Gegenteil hatten Musik und Gestikulation einen starken Anteil an den griechischen Tänzen. Vulgarität schloss der griechische Tanz aus.

Die antiken griechischen Tänze sind als Kriegs- oder Friedenstänze typisiert. Die letzteren sind in Theaterdarstellungen integriert oder dienen für Religionsdienste im besonderen zur Verehrung ihrer Götter, für Trauerbezeugung und für häusliche Festveranstaltungen, im besonderen für Hochzeitsfeiern.

Panigiri – Was ist das?

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