Die Angst geht um in Griechenland

Gaby aus Thessaloniki

„Moin, Radio Kreta

es ist kaum zu beschreiben, welche Anspannung hier mit den Händen zu greifen ist. Angst ist dafür eigentlich nicht mal mehr der passende Ausdruck. Panik wäre besser.

kreta25

Ich war gestern nach längerer Zeit mal wieder in der Stadt. Auf dem Aristotelos-Platz (dem zentralen Platz in Saloniki) war es kaum auszuhalten. Die Menschen huschen, sind gestresst, sehen alle aus, als hätten sie einen schweren Migräneanfall. Kaum wird mehr gelacht, geredet und wenn, dann nur noch mit sehr ernster Mine.

Vielmehr denke ich aber, sollte man sich fragen, WARUM Papoulias das mit dem Bakrun gesagt hat. Denn der ist ja nicht neu, läuft seit mehr als einem Jahr kontinuierlich. Klar ist aber: Wenn der Präsident eines Landes offen davon spricht, bringt er den Prozess erst so richtig in Gang. Warum also?

Papoulias hatte vor ein paar Tagen Besuch. Von Papademos. Der kam mal so eben locker vorbei (da liefen die Gespräche zur Regierungsbildung noch) um „über ein paar Dinge zu sprechen, die man wissen muss.“ Im Rahmen dieses Gespräches hat er Papoulias auch über den laufenden Run informiert.

Wie gesagt: Der ist ja nicht neu. Viel brennender ist das Problem, dass die EZB sich offenbar nunmehr weigert, den griechischen Banken die Liquiditätslücke zu stopfen. Jedenfalls nicht im benötigten Umfang.

Vielleicht bin ich ja da zu blauäugig, aber vielleicht SOLL der Bankrun provoziert werden. Warum? Keine Ahnung.

Und noch ein Aspekt, zum weiter puzzeln. Mir ist es viel zu ruhig geworden um die griechischen Pensionsfonds. Die haben durch den Schuldenschnitt rund 30 Milliarden Euro verloren. Ich finde das zwar gerade nicht wieder, aber ich meine, dass deren Geld irgendwann im Sommer alle ist.

Muss vielleicht ein Chaos provoziert werden, damit dieser Umstand im Strudel der Ereignisse untergeht?

Ich glaube, dass Papademos dem Papoulias noch ein paar Sachen erzählt hat, die dem die paar wenigen weißen Haare zu Berge stehen ließen. Ich wette, dass Papademos nach der Wahl losgeschickt wurde, um in Brüssel, Berlin und sonstwo Stimmungen und Fakten einzuholen. Die Essenz hat er dann Papoulias präsentiert.

Nun. Fakt ist, dass selbst diejenigen unverbesserlichen Optimisten, die ich hier kenne, nunmehr davon ausgehen, dass die Situation entgleitet und im kompletten Chaos enden wird. Wer kann, hat einen Plan B in der Tasche und bereitet sich darauf vor, kurzfristig das Land zu verlassen.“

Viele Grüße

Gaby

Norddeutschland-hilft-Griechenland.de. Mitmachen. Ich bin vor Ort engagiert.

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