Die Bevölkerung der EU-Länder hat die Bewältigung der Krise nicht bemerkt

Von Pjotr Iskenderow

Die amtliche Statistikbehörde der Europäischen Union – Eurostat – hat die Berichte der EU-Führung über die Überwindung der Krise etwas getrübt. Nach den jüngsten Angaben ist nach wie vor eine Abnahme der Verbraucheraktivität in den EU-Staaten zu verzeichnen. Außerdem wächst diesbezüglich im Rahmen der EU die Kluft zwischen verschiedenen Ländern und ganzen Regionen. Unser Kommentator Pjotr Iskenderow setzt das Thema fort.

Die negativen Tendenzen hinsichtlich des Konsumindex, die in den Jahren 2008-2009 verzeichnet wurden, sind nicht überwunden. Ein Pol der Krise bleibt das leidgeprüfte Griechenland. Den zweiten Pol bilden die Staaten des Baltikums, die fortfahren, am stärksten unter der Wirtschafts- und Finanzkrise zu leiden. Die Reduzierung der Verbraucherausgaben erlangte dort einen stabilen Charakter und beträgt 12 bis 15 Prozent. Die nächste Gruppe der „nicht wohlbestellten“ Länder bilden Rumänien, Ungarn, Bulgarien, Irland und Polen. Dort sanken die Verbraucherausgaben um 5 bis 9 Prozent.

Die Hauptursache für die entstandene Situation besteht in den widersprüchlichen Antikrisen-Rezepten der EU.

Indem sie eine strenge Haushaltsdisziplin verlange, fördere sie den rezessiven Zustand der Wirtschaft, bemerkte im Gespräch mit der STIMME RUSSLANDS Jakow Mirkin, Leiter der Abteilung für internationale Kapitalmärkte am Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen der Russischen Akademie der Wissenschaften. Konkret sagte er Folgendes:

„Die Konsolidierung des Haushalts besteht in der Regel in der Kürzung der Staatsausgaben, in der Verringerung der Anzahl der Arbeitsplätze im Haushaltssektor der Wirtschaft. Es erfolgt auch eine Erhöhung der Steuern –darunter für wohlhabende Bürger. Das alles schafft eine Situation der Rezession und fördert eher den weiteren Rückgang der Wirtschaft als die Rückkehr der nationalen Wirtschaft auf den Weg einer nachhaltigen Entwicklung. Die Dynamik der Situation in Griechenland zeigte das anschaulich.“

Aber das sind alles Experteneinschätzungen. Wie sieht der einfache Verbraucher die gegenwärtige Situation in der Europäischen Union? Folgendes erzählte der STIMME RUSSLANDS die Vertreterin Italiens – jenes Landes, wo in der nächsten Zeit vorfristige Wahlen stattfinden werden, die Rom und der EU insgesamt neue politische und sozialwirtschaftliche Erschütterungen versprechen. Am Mikrophon ist Maria Pia Gagliardini, eine Angestellte aus dem Privatsektor von Rom.

„Wir kaufen jetzt sehr viel weniger Lebensmittel, denn die Preise sind noch mehr gestiegen. Die Kommunalkosten sind so hoch, dass wir sie in Abzahlung bezahlen. Urlaub zu machen, geht nicht mehr, schon viele Jahre bin ich nirgendwohin in den Urlaub gefahren. Die Steuern verschlingen 48 Prozent des Gehalts. Das alles schluckt der Staat, und wir würden gern wissen, wohin er diese Mittel investiert. In diesem Jahr erwartet uns noch eine weitere hohe Steuer – für Abfall. Dochunser Geld verschwindet einfach in der Tasche des Staates. Mein Mann verdient jetzt 700 Euro weniger als früher, ungeachtet der Tatsache, dass er schon 36 Jahre arbeitet. Ich weiß einfach nicht, wie wir weiter leben sollen.“

Die Wirtschafts-Nachrichtenagentur Bloomberg veröffentlichte ein Länderrating nach dem Armutsindex – dem Misery Index, der berechnet wird durch eine Summierung der Inflation und der Arbeitslosigkeit. Die jüngste Variante dieses Ratings führte Spanien an mit 30 Prozent. Zu den am meisten unter der Armut leidenden Ländern gehört auch Griechenland mit 26 Prozent, gefolgt von der Slowakei und Irland. Jene, die diesen Index ausgearbeitet haben, warnen: Sollte dieser Index die 20 Prozent übersteigen, so könnte die Bevölkerung zu gewalttätigen Handlungen gegen die Regierung übergehen. Will das die EU wirklich zulassen?

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