KS-Steuerfluechtling

Die Flüchtlingskrise und der Immobilienmarkt auf Kreta…

In allen Medien wird Griechenland ja immer auch in einem Atemzug mit der „Flüchtlingskrise“ erwähnt – Hauptsache Krise halt….Nun sehen wir uns als hier Ansässige ebenfalls vermehrt mit der „Flüchtlingsproblematik“ konfrontiert – aber mit einer, über die irgendwie niemand berichtet – nämlich mit den umgekehrten Flüchtlingsströmen von Nord nach Süd, die zwar in ihrem Ausmaß sicher nicht mit denen, die nach Nordeuropa drängen vergleichbar sind, aber doch nachhaltige Auswirkungen hier haben.

KS Faehre
Karikatur von Freund Klaus Stuttmann.

Der geneigte Leser mag jetzt mittelschwer verwirrt den Kopf schütteln, denn es heißt ja immer, dass Griechenland nur „Durchgangsland“ für die Flüchtlinge aus Afrika und dem Nahen und Fernen Osten sei. Stimmt ja auch – diese Flüchtlinge drängen umgehend gen Norden, nach Österreich, in die Schweiz, nach Deutschland und Skandinavien, wo sie sich Sicherheit und ein menschenwürdiges Leben erhoffen. Andererseits kommen auch immer wieder und immer öfter Menschen aus genau diesen „Zufluchtsländern“ hier an und zwar aus nur einem Grunde: um Zuflucht zu suchen.

Zuflucht vor nordeuropäischer Bürokratie, teutonischer Engstirnigkeit, dem permanent „durchgetakteten“ Tagesablauf, dem oft schlechten Wetter und der damit einhergehenden schlechten Laune, der Isolation und der „höher-größer-weiter“- bzw. „mein-Haus-mein-Auto-mein-Boot“-Mentalität.

Kann man eigentlich ganz gut verstehen….

Was man dann eher weniger verstehen kann, womit man aber immer wieder und immer häufiger konfrontiert wird, sind die teilweise absolut abstrusen Vorstellungen, mit denen besagte „Flüchtlinge“ hier ankommen. Einige kommen einfach so „mit nix“, deklarieren sich als die einzig wahren Hippies und suchen eine Höhle (allerdings bitte mit allem Komfort….), manche kommen mit mehr oder weniger Geld und glauben, sich hier dann ein Haus, eine Wohnung oder eine sonstige Bleibe billig kaufen zu können – und ulkigerweise scheitern die meisten an ihren Vorstellungen, egal wie hoch- oder tiefgestapelt diese sind.

Woran das wohl liegt?

v.l.n.r.: Scheffredakteur, Jorgos „Mesochori“ und Michalis im Kafenion – Informationsaustausch pur!

Nun, vor allem natürlich an besagten Vorstellungen….. Aber natürlich auch am hiesigen „Immobilienmarkt“. Denn der spielt sich nicht etwa im Internet, in Zeitungsanzeigen oder in Maklerbüros ab, sondern – der geneigte Kretakenner hat sicherlich schon eine Ahnung… – im Kafenion.

Das griechische Kafenion hat außer seinem Bahnhofshallencharme noch einiges mehr zu bieten: es ist über seine Funktion als Arbeitsamt und Eheanbahnungsinstitut hinaus auch allgemeine Informations- und somit auch Maklerbörse zugleich. Hier werden Saatgut- und Schlachtpreise ebenso gehandelt wie die Preise für Gemüse, Gebrauchtwagen, Küken und Viehfutter – und eben auch Immobilien…. Soll heißen Grund und Boden, bebaut und unbebaut. Ach ja, Baugenehmigungen, vertrauenswürdige Architekten, Bauträger, Anwälte, Notare und Steuerberater werden hier auch heiß gehandelt….

Also liebe Flüchtlinge: wenn es Euch denn „für immer“ nach Griechenland im Allgemeinen oder nach Kreta im Besonderen zieht, sucht einfach das nächste Kafenion auf, macht Euch mit den hiesigen Gepflogenheiten und idealerweise auch zumindest ein bisschen mit der Sprache und vor allem der Mentalität vertraut – dann klappt es auch mit dem Nachbarn (bzw. mit dem zukünftigen Vermieter/Verkäufer…..).

Gut Ding´ will Weil´ haben….

Und bitte erwartet keine „instant satisfaction“, wie es so schön auf neudeutsch heißt: der Grieche an sich will erst mal wissen, mit wem er es eigentlich zu tun hat. Dabei geht es natürlich auch um die „Bonität“ des Interessierten, aber viel mehr doch um die „Integrität“ desselben. Soll heißen: ist derjenige/sind diejenigen denn das, was man hier als „kali paréa“ betiteln würde? Also Menschen, mit denen man gerne auch mal zusammensitzen, Kaffee trinken (Kaffee ist hier nämlich WICHTIG!!!, die Red.) diskutieren, lachen, weinen, feiern und trauern würde? Denn DAS ist das, was das Leben und die „kali paréa“ hier ausmacht! Da kommt sogar die Bonität erst nachgelagert, denn Probleme kann jeder mal haben und die wiederum sind ja dazu da, gelöst zu werden….

Kleines Fazit: wenn Ihr wirklich wirklich wirklich entschlossen seid, Euren Lebensmittelpunkt nach Griechenland und/oder Kreta zu verlagern nehmt Ihr Euch bitte folgendes zu Herzen bzw. mit in´s Gepäck:

  • ein großes Herz
  • eine Prise Demut
  • einen großen Radiergummi für alle vorgefestigten Pläne, Meinungen und Überzeugungen
  • viel Zeit und Geduld zum „Eintauchen“ in Mentalität, Sprache, Traditionen und Werte
  • ein gutes Quentchen Mut und Optimismus
  • den Willen, Euer Leben wirklich ändern zu wollen

    KS Steuerfluechtling
    Karikatur von Freund Klaus Stuttmann.

Und dann los in´s Kafenion! Beste „Geschäftszeiten“ dort sind übrigens Sommers wie Winters 7h-9h morgens – denn da spielt sich das für Euch relevante Leben dort ab!

Radio Kreta wünscht viel Erfolg – und viel Geduld (Ipomoni – Υπομονή)…!


streamplus.de

Mehr zum Kafenion findet Ihr hier.

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4 Kommentare

  1. Genau so is es! Diese Zutaten braucht man und dann geht fast immer was 😉
    Liebe Grüße aus Tsivaras

  2. Hallo Su,
    ich denke schon, dass ich ein „kali peréa“ wäre und dass es nicht die Deutschen und die Griechen gibt. Ich bin gern regelmäßig in Griechenland (Kreta) und freue mich, dass ich keine Ablehung als Deutscher erfahre, nur weil sich deutsche Politiker nicht immer gerade griechenlandfreundlich verhalten! Es wäre für mich schon interessant zu erfahren, wie es euch als „Vorposten“ von Europa geht, wie ihr mit dem Menschen klar kommt, die euer Land als Sprungbrett in die Sicherheit benutzen und welche Unterstützung ihr von Europa erhaltet? Ich würde das Geld, das die Türkei erhalten soll, lieber bei euch sehen!

    Freundliche Grüße aus Berlin
    Andreas

  3. Dem, was Andreas geschrieben hat, kann ich mich nur Anschliesen.
    Auch ich verbringe heuer zum neunten mal meinen Urlaub auf Kreta. Ich freue mich schon wieder auf 3 Wochen unter Freunden zu sein. Auch ich habe noch nie ein schlechtes Wort gegenüber „uns Deutschen“ gehört, im Gegenteil!

    Liebe Grüße aus dem Allgäu

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