Die Postzustellung auf Kreta – Ein Abenteuer für sich.

„Wenn einer hier auf Kreta lebt, dann kann er was erleben“.

Okay, wir haben in diesem Falle das Zitat des deutschen Dichters Matthias Claudius (1740-1815) über´s Reisen („Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen“) aus „Urians Reise um die Welt“ leicht abgewandelt – das aber aus gutem Grund.

Denn dass man hier tagtäglich schier unglaubliches erleben kann und wird, wenn man einfach nur mit offenen Augen durch die kretische Fauna und Flora stapft – oder halt ganzjährig hier lebt – ist sicher unbestritten. Einige „Fälle“ sind sicher sehr individuell, andere Tatsachen sind allerdings eher universal und betreffen mehr als nur die spontan involvierten Individuen.

Die kretische Post

So geht es bei unserem heutigen Thema zum Beispiel um die Postzustellung auf Kreta. Ein schier endloser Quell der abstrusesten Geschichten – positiv wie negativ – und doch immer wieder nett. Wenn auch in Teilbereichen recht nervzehrend, aber dafür gleicht der kretische Lebensrhythmus diesen „Stress“ ja auf der anderen Seite auch wieder aus. Und wenn man sich ein gottergebenes Achselzucken, die „siga-siga“-Mentalität und das Wörtchen „avrio“ (αύριο – morgen) oder gar „methavrio“ (μεθαύριο – übermorgen) zu Eigen gemacht hat, beginnt man, vieles um einiges lockerer zu sehen.

Somit wird auch die Erwartungshaltung ggü. der griechischen Post „ELTA“ etwas relativiert. Ankommen tut fast immer alles. Nur wann ist halt die große Frage. Früher oder später halt – meist später, überraschenderweise allerdings manchmal auch früher. Wenn letzterer Fall allerdings zugegebenermaßen eher selten eintritt – aber dennoch. Man ist ja für jede positive Überraschung dankbar!

Postkarte Anschrift
Überraschung: Post aus Bönebüttel.

Wir selber haben in unseren mittlerweile 9 gemeinsamen Jahren (der Scheffredakteur hat allerdings einige mehr auf dem Buckel!) schon so die ein oder andere einen schier in den Wahnsinn treibende Situation auf dem Postamt erlebt – sind aber mittlerweile ob der Aussichtlosigkeit jedweder Reklamation oder Nachfrage derart tiefenentspannt, dass wir uns einfach nur noch über jedes angekommene Päckchen, Paket oder gar einen Brief freuen (Letzterer nur, wenn nicht eingeschrieben, keine Rechnung und auch kein offzielles Siegel eines Notars, Anwaltes oder des Finanzamtes drauf ist…!).

Die Postzustellung auf dem Apokoronas

Um so mehr haben wir uns über einen Beitrag in der chaniapost.eu gefreut, in dem ein britischer Kretabewohner mal seine Erfahrungen mit der griechischen Post geschildert hat. Und da wir bei der Lektüre mehr als ein „dejà-vu“-Erlebnis hatten, haben wir beschlossen, diese gemeinsamen Erlebnisse gerne mit Euch zu teilen. Auf dass auch Ihr Euch daran gewöhnt gaaaaaaanz tief in den Bauch zu atmen, gefühlte 100.000 mal „ommmmmmmmmmmmm“ vor Euch hin zu brummen und ganz entspannt auf die Zustellung des heißersehnten Päckchens, Pakets oder Briefes hin zu meditieren.

Denn die Einwohner von Apokoronas hatten bereits vor vielen Jahren einstimmig beschlossen, der örtlichen Post die einzigartige Auszeichnung zu verleihen, „den mittelalterlichen Standard der Postzustellung“ erreicht zu haben. Lob wem Lob gebührt – denn in nicht weniger als zehn Jahren später konnte die direkte und heimische Zustellung von Briefen und Paketen beinahe auf das Level des zwanzigsten Jahrhunderts eingestuft werden – mit ganz klarer Tendenz zur weiteren Verbesserung!

Tja, und dann das: vermutlich mit dem Ziel, Gewinn und Personalabbau beim brief- und paketschleppenden Dienstleister in den Vordergrund zu stellen, hat die lokale Zustellungsstelle die Norm fast wieder auf Anno Domini 1500 zurückgeschraubt. Schon beeindruckend, solch eine Reduktion des Leistungsniveaus in so kurzer Zeit. Einen Blumentopf gewinnt damit allerdings niemand…

Wie lächerlich muss die Dickens´sche Zeit anmuten, als ein Brief am selben Tag gesendet, empfangen und beantwortet werden konnte! Davon ist Griechenland und besonders Kreta im Jahre des Herrn 2018 noch weit weit entfernt! Denn die kretische Post versucht nicht einmal, einen solchen Unsinn zu reproduzieren, um so etwas wie moderne Effizienz zu erreichen. Die Zustellung eines Briefes oder Paketes direkt am nächsten Tag oder zumindest noch in der gleichen Woche? Geht gar nicht – und wozu auch?

Briefe und kleinere Päckchen, wie z.B. Buchsendungen (wohlgemerkt EIN Buch!) dauern im absoluten Idealfall mindestens 10 Tage – es kann aber auch mal auf 5 Wochen herauslaufen. Und zwar Briefe aus Europa – also in unserem Fall meist aus Deutschland. Bei Paketen ist die Mindestlaufzeit auf jeden Fall 2 Wochen, 3-5 Wochen sind aber eher die Regel.

Und dann weiß man auch nie, ob das Paket denn wirklich beim Postamt ankommt, oder per Kurier bei ACS. Oder im nächstliegenden Kafenio.

Kafenio mit Postkasten
Im Kafenio: Ab geht die Post. Und kommt auch dort an.

Hier der ultimative Tipp: Sollte Euer Paket mit DHL (oder auch einem anderen Transportdienstleister) verschickt worden sein, dann erkundigt Euch telefonisch bei DHL Athen (Tel. 210-989000) oder DHL Chania (Tel. 28210-59500). Oder bei dem zuständigen ACS-Büro in Eurer Gegend.

Oder vielleicht sogar in der nächstgrößeren Stadt in den Linienbus gepackt wird und dann an der lokalen Busstation vor sich hingammelt, bis man mal auf diese Idee kommt…

Von daher immer eine Tracking-Nummer geben lassen, dann kann man zumindest virtuell im Internet sehen, wo das Paket gerade ist. Nur dumm, dass das mit der Tracking-Nummer recht zuverlässig  funktioniert, bis dann die Meldung kommt, dass die Sendung in Griechenland angekommen ist. Und dann verliert sich meist sogar die virtuelle Spur…

Eure Mobile-Nummer ist ganz WICHTIG

Und – ganz wichtig“ – immer ausser der Adresse, egal ob zu Hause oder „Poste Restante“ (postlagernd) auch noch eine Mobiltelefonnummer des Empfängers draufschreiben lassen – das hilft bei den kommunikativen Griechen oft ganz ungemein.

Da klingelt dann das Telefon Jassu, ich bin der Janni, ich hab ein Paket für dich, wo bist du denn grade? Ach, im Kafenion bei Kostas? Prima, da wollte ich eh grade hin, ich bring´s dir vorbei!“ Klappt prima, von daher ist die griechische und kretische Post eigentlich gar nicht so rückständig, wie man oft meinen könnte!

Außerdem funktioniert die Variante „postlagernd“ auch ziemlich gut, denn zumindest hier bei uns käme kein Ausländer darauf, ein fremdes Paket oder einen fremden Brief an sich zu nehmen – das tut man nicht und außerdem guckt einem ja sowieso meist irgendein Grieche auf die Finger.

Der kretische Post Super-Service

Bei uns ist es lustigerweise mittlerweile so, dass wir fast gar nicht mehr in´s Postamt rein müssen, denn wenn nichts da ist, schüttelt Georgia – unserer durch die Glasscheibe ansichtig geworden – schon vehement den Kopf und gestikuliert wild mit den Händen, um uns zu signalisieren, dass nichts für uns da ist.

Und im umgekehrten Falle, also falls etwas für uns da ist, ruft uns Janni, unser rasender, Vespa fahrender Postbote das schon auf der Straße zu. Schon praktisch, sowas. Und auch sehr persönlich, was wir wirklich sehr schätzen. Und – wie gesagt: angekommen ist früher oder später immer noch alles! Meist halt später….

Yiannis bringt die Post.

Aber zurück zum recht erzürnten Briten, der in der chaniapost.eu seinem Unmut über die Postzustellung von Apokoronas Luft gemacht hat: er hofft nämlich, dass die Apokoronas-Post ihren Gnadenpreis, also den  ihr verliehenen ‚Medieval Standard Award‘ annimmt und alles in ihrer Macht Stehende tut, um sicherzustellen, dass nicht bald auch noch eine „Steinzeit-Auszeichnung“ folgen wird.

Wissenswert: Griechische Post und europäische Einfuhrzölle.

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