Die Probleme einer Deutschen mit kretischen Kartoffeln

Von Uta Wagner. Der Geschmack von Kreta.

Nach 50 Jahren Leben in Deutschland bin ich hinsichtlich des Verzehrs von Kartoffeln ziemlich wählerisch geworden. Ich glaube in Deutschland haben wir über 100 Kartoffelsorten und bei mir im Haushalt kamen mindestens 10 verschiedene Sorten zum Einsatz. Ich verwendete unterschiedliche Kartoffeln für Salzkartoffel, Kartoffelsalat, Kartoffelbrei, Suppen, Klößen, Pellkartoffeln, Bratkartoffeln oder Backkartoffeln. Zu Spargel gab es natürlich andere Kartoffeln als zu Grünkohl oder zur Scholle.

Als wir nach Kreta kamen war ich zuerst entsetzt. Hier gab es nur die Wahl zwischen riesigen Kartoffeln mit roten Erdresten oder mit grauen Erdresten! Beide Sorten sind mehlig kochend und wurden von jedem als „Poli Nostimo“ – sehr lecker- beschrieben.
Inzwischen weiß ich, wo ich auch mal andere Kartoffeln einkaufen kann – wie so oft ist auch Lidl eine alternative Quelle.

Meine Kartoffel-Essgewohnheiten haben sich jedoch sehr geändert. Es gibt bei uns kaum noch Salzkartoffeln, dafür aber viel mehr gebackene Kartoffelecken, Backofenkartoffeln, Aufläufe, Gemüseeintöpfe mit Kartoffeln und Pommes frites in Olivenöl frittiert.

Auf Kreta werden sehr viele Kartoffeln gegessen und sie werden zumeist in 5 – 10 kg Tüten verkauft. Ende Februar waren es auch die Kartoffelbauern, die einen kleinen Preiskrieg entfachten und eine neue Vermarktungsstrategie starteten, durch die Direktvermarktung ihrer Kartoffeln.

In Tavernen bekommt man Kartoffeln sowohl als einzeln Vorspeise als auch als Beilage zum Hauptgericht. Zum Beispiel werden Pommes frites „patátes tiganités“ oder Käsekartoffeln als Vorspeise gereicht und Backkartoffeln, Pommes frites oder Salzkartoffeln zum Hauptgericht. Die gekochten Kartoffeln werden oft nach dem Garen nochmals kurz in Olivenöl geschwenkt.

Die Pommes werden hier fast ausschließlich in Olivenöl frittiert. Ihre Form variiert je nach Laune, Taverne und Zeitaufwand. Ob als Scheiben, längliche Achteln, kurze Sechstel oder Stäbchen, ich mag die selbstgemachten am liebsten und bin immer enttäuscht, wenn es die „Fabrikstäbchen“ gibt.

Sind die Pommes frites ein Teil der Vorspeisenauswahl so werden sie hier ohne Dip, Mayonnaise, Ketchup oder Soße gegessen. Auch die Tatsache, dass sie oft nur noch lauwarm und nicht mehr knusprig auf den Tisch kommen, stört (fast) niemanden. (Ich bestelle mir oft Tzatziki als Dip dazu.)

Andererseits sind KreterInnen erstaunt und sehr skeptisch, wenn ich ihnen erzähle, dass wir in Deutschland Kartoffelklöße „Báles patátas“ in Wasser kochen 😉

Als ich neulich mit einer großen (multinationalen) Gruppe mal wieder in einer Taverne lauwarme, zerfallene gekochte Kartoffeln vorgesetzt bekam – die anderen riefen natürlich wieder „Nostimo, Orea“ wußte ich, dass ich hinsichtlich meines Kartoffelgeschmacks doch immer eine typisch Deutsche sein werde!

Die Küche Kretas. Hier erfahrt Ihr mehr davon: Der Geschmack von Kreta, by Uta Wagner.


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Ein Kommentar

  1. Alos nun einmal ein Kommentar zu dem o.g. Kartoffeln!

    Auch ich habe die griechischen großen Kartoffeln schon gegessen und diese haben mir sehr gut geschmeckt. Außerdem ist die Größe imposant und das sind für mich echte Kartoffel, nicht unsere mickrigen deutschen Erdäpfel.
    Außerm verstehe ich nicht wie man als „deutscher Ausländer“, in den Supermärkten wie ALDI, LIDL u.s.w. einkaufen geht und die die schönen gemütlichen griechischen Geschäfte außen vorlässt??? Dort kann man außerdem gut in ein griechisches Gespräch eintauchen, man will ja schlielich sich auch anpassen, oder???

    Also Ihr Wahlgriechen, esst Bitte die griechischen Produkte, damit unterstützt ihr Eure Wahlheimat, deshalb seit Ihr doch auch hier, oder???

    LG

    Gerd / Aussteiger & Kretaliebhaber

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