Die Vorkriegszeit: das „Goldene Zeitalter“ Paleochoras.

Gute Quelle: Das Buch „Paleochora (Ein Rückblick in die Vergangenheit)“, von Nikolaos Pyrovolakis. 

Vergiss Ebay, Amazon etc.. Erhältlich nur in der Buchhandlung in Paleochora.

Die 15 Jahre, die zwischen der kleinasiatischen Katastrophe und dem Bau der Straße zwischen Paleochora und Chania liegen, der in der Mitte der 1930-er Jahre endlich abgeschlossen war, können für die ganze Gegend als goldenes Zeitalter bezeichnet werden. Das Treiben und der Trubel in seinem natürlichen Hafen ging weiter. Viele Frachtschiffe, Boote und kleiner Schiffe luden das Öl und die übrigen Waren, die die Geschäftsleute des Ortes zusammentrugen, an Bord. Die künstlich angelegte Kaimauer war dazu völlig ausreichend.

Lastenträger und Hafenarbeiter waren oft den ganzen Tag beschäftigt. Hunderte von Fässern rollten auf den Steinwegen und machten den so typischen, ohrenbetäubenden Lärm, oft noch untermalt von den Stimmen und dem Fluchen der Arbeiter. Nach dieser, man könnte sagen „grobschlächtigen“ Zeremonie, landete das kretische Olivenöl in den großen Lastkähnen, die ungeduldig an der „Skala“ (dem kleinen Hafen an der Ostseite) warteten.

Die Hafenidylle machte nicht alleine das Laden von (hauptsächlich) Olivenöl oder das Entladen von Zement aus. Viele Fischerboote legten jeden Morgen lässig an der „Skala“ an, um die seltenen, rotgoldenen Rotbarben und die köstlichen Felsenfische unter die Leute zu bringen. 

Geschäftiges Treiben und Trubel am Hafen

Kochrezepte und alle dazugehörigen Informationen waren natürlich gratis (Anm.d.Red.: und das ist heute noch so!!!). Das schöne Bild des Hafens ergänzten Anfang des Sommers noch die ankommenden Schnellsegler der Schwammfischer. Sie legten hier an, um sich ein bisschen auszuruhen, sich mit Brennstoff, Wasser, Obst und Nahrungsmitteln einzudecken, da ihre Reise nach „Barbaria“ (Afrika) noch lange war.

Wenn man am Abend den östlichen Strand, d.h. den Hafen besuchte, lag eine ganz besondere Stimmung in der Luft. Müde und barfüßige Schwammfischer versuchten, mit ihren Füßen auf dem Zement die weiße, wohlriechende Flüssigkeit aus den Schwämmen herauszupressen. Dies war die erste Phase der Weiterverarbeitung. Wenn man es nicht wusste, hätte man leicht glauben können, dass sie sich an ihnen rächen wollten für das schwere und gefährliche Sammeln.

Andere unter ihnen hatten schon eine Feuerstelle auf den sauberen Kieselsteinen des Strandes errichtet und ein Feuer entzündet, auf dem sie die wohlschmeckende Fischsuppe „Kakavia“ kochten und den Tintenfisch grillten. Der eigentümliche Geruch der Schwämme vermischte sich harmonisch mit den Essensgerüchen und dem Duft der gebratenen Meeresfrüchte – und wehe, man konnte sich nicht zurückhalten!

Den Kindern, die das Geschehen hier um die Fischer und Schwammfischer herum regelmäßig beobachteten, machte neben anderen Dingen auch die Sprache der Schwammfischer mit ihrer Eigentümlichkeit Eindruck. „Wir essen und trinken und den Kindern läuft das Wasser im Mund zusammen“, sagt der eine und der andere antwortet: „Lass sie ziehen, denn die werden erst groß – und wir schon alt!“

Auch die Herzlichkeit und die nette Art, mit der sie die Kinder behandelten, erstaunte diese. Sie schenkten ihnen Süßigkeiten und Schiffszwieback, beantworteten freundlich ihre schlauen Fragen und bauten so ein freundschaftliches Verhältnis auf. Wenn man das Leben dieser einfachen und leutseligen Menschen betrachtet, kommen einem auf einmal ein paar Zeilen eines Dichters in den Sinn, die folgendes besagen: „Ihr glücklichen Dorfleute, ich beneide Euer Leben, Eure einfache Lebensweise, die Reize im Überfluss hat.“

Ein völlig anderes Bild bot der Hafen von Paleochora vor allem in den Wintermonaten, wenn das Boot von Gavdos ankam. Die Überfahrt, die wegen des schlechten Wetters immer Verspätung hatte, dauerte viele Stunden und war anstrengend, die Strapazen groß; oft war man durch und durch nass. Dadurch waren allerdings auch oft Menschen und Tiere im gleichen Schicksal vereint – und versöhnt.

Die erste offizielle Handlung, die auf dem Anlegeplatz stattfand, war die Übergabe des Postsacks. Dann folgten die Begrüßungen, die Küsse und Umarmen – und das Aufgeben der Bestellungen. Außer denen, die hier was zu besorgen hatten, befanden sich am Kai auch noch viele Schaulustige. In der ersten Reihe waren immer die Schulkinder und überhaupt die ganze Dorfjugend versammelt. Eine Gelegenheit mehr zum Gaffen! 

Die Feuchtigkeit und Nässe vom Meer machte aber das Handeln dringend notwendig. Die Sachen mussten von der „Skala“ abtransportiert werden! Die geschnürten, gewebten Säcke mit dem Getreide wurden auf jeden Fall bei Seite genommen. Die durchnässten, gemästeten Ziegen von Gavdos gingen den Weg, den sie gehen mussten….

Einer nimmt einen Korb mit Eiern entgegen, in dem sich vielleicht auch ein bisschen „Pachounda“ (eine Art süßen Brotes aus frischem Getreide) oder ein Glas mit Butterschmalz befand. Ein Anderer greift sich zwei Hühner, die mit dem Kopf nach unten an den Füßen mit Segelschnur zusammengebunden sind, ein Dritter bemächtigt sich eines Sackes mit „Kerdokouka“, den runden, herben Zedernfrüchten. Wenn alles abgeladen und abtransportiert ist, ist die Vorstellung beendet. Der Platz leert sich und die Jungenbande singt „Wenn du Lärmen und Treiben hörst, dann wisse, kommt das Boot von Gavdos an!“

Ein Spaziergang durch´s Dorf

Wenn man die schön angelegten Straßen des Ortes durchwanderte, kam man außer an reichen Ölhandlungen und Stoffgeschäften auch an Lagern für Holzkohle, Johannesbrot und Mandeln, an Kurzwarenhändlern und Eisenhandelläden, Gemüsehändlern, Metzgern und vielen Lebensmittelgeschäften vorbei.

Es gab auch eine Bäckerei – eine Seltenheit in der Gegend! Auch ein damals sog. „Schlafhotel“ und Restaurants fand man hier. Das Geräusch eines Ambosses führte einen auf jeden Fall zu einer Schlosserei (Dermitsidiko), ein anatolischer, aber in jener Zeit sehr nützlicher Beruf. Darin schmolzen starke Schmiede den Stahl mit Hilfe des Blasebalgs zum Anfachen des Feuers (eine damalige Hauptbeschäftigung der Kinder), um Pflugschare für die eisernen Pflüge herzustellen, wie auch Spitzhacken, Äxte, Schlösser, Öllampen, Kohlebecken und viele Bootswerkzeuge. Eine harte Arbeit und oft gerade beim Behufen von Eseln und Mulis sehr gefährlich.

Es gab aber auch, sagen wir mal, „feinere“ Berufe wie den des Tischlers, Schneiders, Schusters und des „Teresi“ – des Schneiders der traditionellen kretischen Tracht, die von den Männern in jenen Jahren noch meist getragen wurde. 

Das waren also die Menschen von Paleochora – und ihr Leben verlief ruhig und friedlich. In diesen guten Jahren kamen viele arme Familien von Gavdos, die ebenfalls versuchten, ihr Leben unter allen Umständen zu verbessern. Mit ihrem großen Arbeitseinsatz und immer geringem Lohn trugen sie viel zur Entwicklung dieses Ortes bei. 

Seit Ende des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts trat Paleochora wieder als Sitz der gleichnamigen Gemeinde auf, die dem Amtsgericht von Kandanos unterstand. Es gab eine Polizeistation, eine Zollzweigstelle, die dem Zoll von Chania unterstand, sowie ein Postbüro. 

Schulen und Bildung

Seit Jahren schon hatte jede Gemeinde (Dimos) ihre eigene Schule – deswegen hießen sie ja auch „Dimotika“ – Gemeindeschulen. Ihre Unterhaltung und Funktion oblag der Gemeinde. Auch Paleochora hatte aufgrund des Erlasses 11/87 des Kultusministeriums vom 07.10.1899 eine Gemeindeschule, in der anfangs in nur einer Klasse Grammatikunterricht erteilt wurde. Am Anfang beherbergten ein paar Privathäuser die Schule, bis 1925 eine eigene Lehranstalt erbaut wurde. Mit der Zeit wurden westlich und östlich des Gebäudes neue Klassenräume angebaut. 1992 erstellte man noch 4 Klassenzimmer. Oft nahm die Grundschule von Paleochora auch Schüler aus benachbarten Dörfern auf.

Das Gymnasium von Paleochora (sechs Jahren Grundschule folgen für alle Schüler 3 Jahre am Gymnasium. Hier ist das Pflichtprogramm zu Ende. Jedoch besuchen fast alle Jugendlichen anschließend noch drei Jahre entweder ein Lyzeum, das ihnen den Zugang zur Uni ermöglicht) wurde 1901 eröffnet. Anfangs deckte es den Bedarf des gesamten Bezirks Selino und dem von Sfakia. Einige Jahre vergingen, bis es zu einem zweiten Gymnasium im Bezirk kam – und zwar in Kandanos.

Auch in Sfakia wurde eines gegründet. Das Paleochora´sche Gymnasium wurde zuerst  „Griechische Schule von Selino“ genannt – ein Jahrzehnt später wird es als „Privates Gymnasium von Paleochora“ bezeichnet. Von 1925-1929 nannte man es „Vierstufiges Halbgymnasium von Paleochora“ und im folgenden Jahr, also 1929-30 wurde es dann schlicht zum „Gymnasium“. Die Lehranstalt wurde 1931 auf einem weiten, geeigneten Gelände angesiedelt. Damals deckte es ganz und gar den Bedarf der Schülerjugend, mit einer dazugehörenden Turnhalle, die oft auch als Festhalle genutzt wurde – das qualifizierte Lehrpersonal kam meist aus der Gegend, aber auch aus anderen Gebieten Kretas.

Wisenschaftliche Kompetztenz und besondere Zuneigung zur Schülerjugend dieser Gegend waren die eigentlichen Gründe, warum sich viele Schulabgänger des Paleochora´schen Gymnasiums auf versdchiedenen Gebieten der Wissenschaft hervortaten und späterhin nicht nur diesem Ort, sondern dem ganzen Staat große Dienste leisteten. An der gleichen Stelle ist diese Bildungsanstalt, nach dem Anbau von ein paar wenigen weiteren Räumlichkeiten und sonstigen Umbauten, als Gymnasium mit Unter- und Oberstufe noch heute in Betrieb. 

Radio Kreta – gute Informationen, lokal und (über-)regional.


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Leider ist es um die Lehrerschaft und die Zufriedenheit der Schüler heute nicht mehr so rosig bestellt wie dazumal, wir Ihr hier nachlesen könnt.

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Ein Kommentar

  1. Könntet ihr das Buch Paleochora über euren Shop auch verkaufen. Komm voraussichtlich erst wieder im Mai nach Pale.

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