Die Zeitumstellung und ihre Konsequenzen.

Nun ist das Thema „Zeitumstellung“ ja derzeit wieder in aller Munde. Warum gerade jetzt, entzieht sich unserer Kenntnis (Sommerloch?), dennoch finden wir dieses Thema – wie viele andere sicher auch – doch zumindest alle halbe Jahre wieder erwähnenswert.

Nämlich dann, wenn wieder diese Uhr-Umstellungen stattfinden müssen. Von Winter- auf Sommerzeit Ende März, Rolle rückwärts dann Ende Oktober. Damit einhergehend ein regelmäßiger Mini-Jetlag, vor allem im März, wenn uns eben eine Stunde Nachtruhe „geklaut“ wird.

Hilft auch nix, dass das immer am Wochenende passiert, denn bis Körper und Biorhythmus sich an die neuen Zeiten gewöhnt haben, vergehen doch einige Tage. Im Oktober, wenn uns besagte Stunde dann wieder „geschenkt“ wird, ist das einfacher….

Wir wollen hier jetzt aber nicht über Sinn- und Unsinn dieser vor 40 Jahren mit dem Argument wahnsinniger Energieeinsparungspotenziale beschlossenen und vor 38 Jahren schließlich eingeführten Maßnahme referieren – da hat sicher jeder von uns seine eigene Meinung dazu.

Die Reisezeit

Und auch das Thema „Jet-Lag“ kennt wohl jeder, der schon einmal eine Fernreise gemacht hat. Den Meisten fällt die Reise und die damit verbundene Zeitumstellung in Richtung Westen leichter, als von dort zurück. Ist klar, bekommt man doch quasi ein paar Stunden „geschenkt“ – die einem auf dem Rückweg dann gefühlt wieder „geklaut“ werden. Braucht man wohl auch nicht weiter zu vertiefen, auch das Thema „Datumsgrenze“ lassen wir mal aussen vor.

Lass Dir Zeit für ein kühles Mythos.

Uns kamen nämlich ob dieser Diskussion zur „Zeitumstellung“ auch noch andere Phänomene in den Sinn, die gar nichts mit Sommer- und Winterzeit zu tun haben, sondern auch und vor allem mit „andere Länder, andere Sitten“ und den damit im direkten Zusammenhang stehenden unterschiedlichen Mentalitäten (und damit unterschiedlichem Umgang mit dem Phänomen „Zeit“).

Andere Zeiten in Griechenland

Gerade hier in Griechenland geht man mit seiner Zeit ja eher lässig um. Pünktlichkeit ist eine relative Sache (wenn man als Letzter kommt, braucht man wenigstens nicht auf die anderen zu warten….), ein „Minütchen“ (ena leptaki – ενα λεπτάκι) kann sich gerne mal zu einer geschlagenen Stunde ausweiten und „morgen“ (avrio – άυριο) heißt nicht notwendigerweise „morgen“ – es heißt einfach nur „nicht heute“. Kein Problem, wenn man das weiß und sich entsprechend darauf einstellt und dem anpasst.

Kreta früher im Video

Ihr habt die Uhren, wir haben die Zeit“ dieser Spruch reflektiert wohl am Treffendsten den Umgang der Griechen mit der Zeit. Und einer der wichtigsten Ausdrücke, die man gleich zu Beginn lernen sollte, ist „siga-siga“ (σιγά-σιγά), was man immer und überall wieder hört und was soviel heißt wie „Immer mit der Ruhe, nur keine Hektik!“. Angenehm, das – auf Neudeutsch heißt das wohl „Entschleunigung“….

Und sitzt man dann mit der berühmt-berüchtigten „kali paréa“ (η καλή παρέα), der netten und guten Gesellschaft, zusammen, erübrigt sich der Blick auf die Uhr sowieso. Feste sollen so gefeiert werden, wie sie fallen und da muss der eine oder andere „Termin“, der ja meist sowieso eher eine lockere Absichtserklärung ist, halt auch mal dran glauben. Das Motto „so jung kommen wir nicht mehr zusammen“ herrscht in solchen Fällen vor – und es gibt ja kaum etwas, was nicht nachgeholt werden könnte. „Avrio“ dann halt….

Noch dazu fühlt man sich hier auf Kreta ja sowieso oft irgendwie in die Vergangenheit „zurückgebeamt“, denn manches mutet einem doch etwas, hmmmm, wie soll man das nennen…?, also irgendwie etwas „zurückgeblieben“ an. Ob es jetzt gewisse Fahrzeuge sind, manche Traditionen und Bräuche, hin und wieder die Mode incl. Frisuren und sonstigem Outfit – so ein „back-to-the-eighties“-Gefühl springt einen doch ab und zu mal an.

Dazu passend auch eine nette Anekdote, die der Scheffredakteur vor vielen Jahren nach der Landung in Heraklion erlebt hat. Der Pilot machte seine Willkommens-Durchsage, die wie folgt lautete: Meine Damen und Herren, herzlich willkommen auf Kreta. Bitte denken Sie daran, Ihre Uhren eine Stunde vor – und den Kalender 30 Jahre zurück zu stellen“. 

Schön ist hier aber vor allem, dass man eigentlich vollkommen auf einen Kalender verzichten kann, wenn man es nicht allzu genau nimmt. Man merkt, dass Monatsanfang ist, wenn jeder einem zum „Kalimera!“  (καλημέρα) auch noch ein „Kalo Mina!“ (καλο μήνα – einen guten Monat!) zuruft – oder auch wenn ein bestimmter Menschenschlag – meist aus den Bergen – gut gekleidet und noch besser gelaunt im Dorf anzutreffen sind. Dann ist sicher Monatsanfang, denn es gab Rente und das will nun gefeiert werden!

Gute Zeiten im Waters Edge Cafe.

Am Montag wünscht man sich eine gute Woche – kali evdomada! – und am Freitag wünscht man sich ein schönes Wochenende (kaló savvatokyriako! – καλό σαββατοκύριακο). Bekommt man ein herzliches „Chronia pollá!“ (χρόνια πολλά – „der Jahre viele!“) entgegengeschmettert, ist irgendein Feiertag – welcher jetzt genau erfährt man durch Nachfrage.

Und gegen Monatsende braucht man nicht mal im Traum daran zu denken, irgendetwas auf der Post oder Bank erledigen zu wollen, denn das wollen alle auf den letzten Drücker. Eben mal noch die (über-)fälligen Rechnungen bezahlen, bevor es noch dicker kommt – der Andrang ist  riesengroß – et voilà – man weiß, dass Monatsende ist. Praktisch, das!

Will man hier dauerhaft leben, muss man schon eine private Zeit- aber auch Werte-Umstellung vornehmen, denn sonst kann man leicht an den hiesigen Gepflogenheiten verzweifeln. Aber unserer Erfahrung nach hat das wirklich noch keinem geschadet, der sich auch wirklich darauf eingelassen hat. Im Gegenteil – die kretische Zeitumstellung kuriert oft Leib und Seele.

 

Post to Twitter Post to Delicious Post to Facebook Post to MySpace

Ein Kommentar

  1. „die kretische Zeitumstellung kuriert oft Leib und Seele“
    Das kann man,
    glaube ich,
    GENAU SO stehen lassen
    🙂

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte Anti-Spam-Sicherheitsabfrage beantworten: *