Droge Shisa: „Es ist das Schlimmste“

Die tiefe Wirtschaftskrise in Griechenland hat auch handfeste gesundheitliche Auswirkungen. Die billige Modedroge „Shisha“ findet immer größere Verbreitung, wie der britische „Guardian“ berichtet. Der ohnehin unterfinanzierte Gesundheitssektor des Landes gerät dadurch zusätzlich unter Druck.

Vor allem der Preis der Droge ist das Problem. Bei Kosten von nur zwei Euro sind es in erster Linie Tausende der in den letzten Jahren obdachlos gewordenen jungen Menschen, die süchtig werden. Aufgebracht hatte das Thema die Website Vice.com mit einem Enthüllungsfilm. „Shisha“ wird demnach von Süchtigen wie von Behörden gleichermaßen als Variante des immer weiter verbreiteten Metamphetamins „Crystal Meth“ beschrieben und mittlerweile als „Kokain der Armen“ bezeichnet.

Die Wirkung der Droge wird als verheerend beschrieben. Sie führe zu überbordenden Aggressionen und greife das Gehirn nachhaltig an. Die Folgekosten für das Gesundheitssystem sind kaum absehbar. Der „Guardian“ sprach mit einer Betroffenen: „Es ist billig, es ist leicht zu bekommen, und jeder nimmt das momentan. Es ist das Schlimmste. Es verbrennt dich innerlich, es macht dich aggressiv, und du wirst davon unweigerlich komplett verrückt.“

„Extrem gefährlich“
Die Zusammensetzung der Droge geben die Behörden naturgemäß nicht bekannt. Besonders problematisch sei jedoch die immer wieder kolportierte Beimengung von Batteriesäure, Motoröl oder Shampoo. „Shisha“ ist die vermeintlich richtige Droge zur richtigen Zeit: Man kann sie zwar nicht fertig von einem internationalen Markt beziehen, sie ist aber ohne Expertenkenntnisse und ohne größeren Aufwand herzustellen. Es braucht dazu nur wenig Wissen und finanziellen Einsatz.

Shisa rauchen war gestern
Charalampos Poulopoulos von Griechenlands wichtigstem Anti-Drogen-Zentrum Kethea sagte gegenüber dem „Guardian“: „Die Krise hat Dealern die Möglichkeit gegeben, eine neue, billige Droge auf dem Markt einzuführen, eine Art ‚Kokain für Arme‘.“ „Shisha“ könne geschnupft oder injiziert und in Hinterzimmerlaboratorien hergestellt werden. Poulopoulos: „‚Shisha‘ ist extrem gefährlich.“

Vorgehen der Behörden umstritten
Das sieht auch Konstantinos so, ein Abhängiger: „Es ist ein Killer – aber es macht dich auch zum Killer. Du kannst töten, ohne überhaupt zu verstehen, was du da gerade gemacht hast. Und es verbreitet sich schneller als der Tod. So viele sind schon daran gestorben.“ Die Athener Stadtregierung scheint dieses Problem verdrängen zu wollen – im Wortsinn.

Drogenexperte Poulopoulos berichtet, Süchtige seien kurzerhand in Fahrzeugen aus dem Zentrum der Stadt in andere Gegenden abtransportiert worden. Sie scheinen nicht zum Athen-Bild, das der Antikentourismus vermittelt, zu passen: „Mit solchen Aktionen versuchen die Behörden nur, das Problem unter den Tisch zu kehren. Sie marginalisieren diese Menschen noch mehr, sie treiben sie in die Arme von Drogendealern, die ihnen vermeintlichen Schutz anbieten.“

HIV und Schwangerschaften Abhängiger
„Shisha“ führt auch zu einem sprunghaften Anstieg an HIV-Neuansteckungen, erklärt Eleni Marini, eine in Großbritannien ausgebildete Psychologin von Kethea: „Die Verzweiflung ist so groß bei vielen Frauen, dass sie sich auf ungeschützten Sex einlassen, weil man dadurch noch mehr Geld verdient. ‚Shisha‘ wird mit erhöhter sexueller Kraft in Zusammenhang gebracht, aber es verhindert auch klares Denken. Es gibt immer mehr Schwangerschaften von abhängigen Prostituierten.“ Vergangenes Jahr sollen zwei Sexarbeiterinnen ihre Kinder im Drogenrausch auf der Straße bekommen haben.

Ein Klima der Verzweiflung unter jungen Menschen befeuert das Drogenproblem. 64 Prozent der Jugendlichen sind arbeitslos – so viele wie sonst nirgends in Europa. Hoffnungslosigkeit herrsche vor, so Poulopoulos: „Jene, die früher vielleicht wieder aufgehört hätten mit den Drogen, sehen jetzt keinen Grund dafür. Sie wissen, dass sie ohnehin keine Arbeit finden werden, und sind selbstzerstörerisch und pessimistisch.“ Die griechischen Behörden werden einen neuen Weg finden müssen, um des Problems Herr zu werden.

Quelle: ORF.at

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4 Kommentare

  1. Ooops, bisher kannte ich den Begriff Shisha lediglich als arabischen Namen für die allseits beliebte Wasserpfeife, die zu rauchen sich auch hier auf Kreta großer Beliebtheit erfreut. Die dabei verwendeten Tabake, meist aromatisiert, sind im Vergleich zum „normalen“ Zigaretten- bzw. Pfeifentabak relativ harmlos. Muss ich jetzt auf meine alten Tage noch umdenken, oder ist orf.at einer „Ente“ aufgesessen?

  2. Die im griechischen Slang als „Shisha“ bezeichnete Droge hat natürlich nichts mit der Wasserpfeiefe zu tun, für letztere ist im Griechischen die Bezeichnung „Nargilés“ üblich. Merkwürdig ist allerdings, dass ausländische Mainstream-Medien die beunruhigende Verbreitung der auf Methyl- / Metamphetamin basierenden „Waschküchendroge“ ausgerechnet jetzt „entdecken“ und breittreten, obwohl das Problem seit geraumer Zeit bekannt ist:
    http://www.griechenland-blog.gr/2012/12/shisha-drogen-aus-chlor-und-batteriesaeure-in-griechenland/10657/

  3. Hallo Anton. In vielen Städten gibt es kleine Tabak-Geschäfte. Dort gibt es auch Tabake für die Wasserpfeife.

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