DVD-Tipp: Ein Lied für Argyris

Unser DVD Tipp

Beim Stöbern nach interessanten und schönen DVDs, unter anderem natürlich bei unserem Partner Amazon, sind wir auf „Ein Lied für Argyris“ gestoßen – ein Film, der alleine aufgrund der Kurzbeschreibung und einer – hier zitierten – Kundenrezension, unser absolutes Interesse geweckt hat.

Für Kreta-Liebhaber sicher ein MUSS – auch wenn sich der Film mal wieder mit der grausamen Vergangenheit Kretas im 2. Weltkrieg befasst.

Aber macht Euch selbst einen Eindruck:

Kurzbeschreibung
„Distomo, ein kleines Bauerndorf in Griechenland. Hier übersteht der kaum vier Jahre alte Argyris, was die meisten Bewohner seines Heimatdorfes nicht überleben: Innerhalb von wenigen Stunden verliert er seinen Eltern und 30 weitere Familienangehörige durch ein Massaker der Nationalsozialisten.

Die ganze Unfassbarkeit des Krieges – wie lebt man mit einer solchen Geschichte?

Argyris Sfountouris, mittlerweile 66 Jahre alt, ein Mann von gewinnenden Charme und melancholischer Heiterkeit, hat sich Zeit seines Lebens mit dem Wahnsinn auseinandergesetzt, der ihm als Kind widerfahren ist. Er hat versucht, nicht etwa „innerlich“ damit fertig zu werden oder „abzuschließen“, sondern damit leben zu lernen – und sein Möglichstes zu tun, damit sich sein Schicksal nicht wiederholt.

Wenn Argyris, der immer wieder den Dialog mit dem offiziellen Deutschland sucht, das sich bislang weigert, die Opfer von Distomo zu entschädigen, nochmals an den Ort seines Traumas reist, dann geht das mehr unter die Haut als ein dramatisch inszenierter historischer Spielfilm.“

Soviel zur Kurzbeschreibung, hier noch die sehr ausführliche, aber sehr lesenswerte Rezension von Elke Berendonk:

„Seit langem hat mich kein Dokumentarfilm so stark berührt wie Stefan Haupts „Ein Lied für Argyris“(2005). Ich habe den Film erst im Januar 2009 im Fernsehen – leider zu später Sendezeit, aber immerhin – gesehen und bin froh, dass er auch als DVD erhältlich ist.

Der Film behandelt das Schicksal des griechischen Dorfes Distomo, dessen Bewohner im 2. Weltkrieg Opfer eines Massakers wurden, verübt von einer deutschen SS-Division. Als „Sühnemaßnahme“ für einen Partisanenangriff massakrierten die Deutschen 218 Dorfbewohner – Säuglinge, Kinder, Frauen, Männer, Alte. Argyris Sfountouris ist einer der Überlebenden. Er erlitt als dreieinhalbjähriges Kind die Ermordung beider Eltern und vieler Verwandter.

Stefan Haupt bewegt seinen Film durch dessen Leben. Sfountouris ist jetzt über Mitte 60, ein sehr eindrucksvoller Mensch, dessen Präsenz meiner Ansicht nach den guten Film zu einem außerordentlichen macht. Er spricht Schweizerdeutsch, weil sein Schicksal als Waisenkind ihn in die Schweiz gebracht hat, wo er dann auch studiert und gearbeitet hat und bis heute lebt. Während der Obristen-Diktatur in Griechenland unterstützte er von Zürich aus den Widerstand u.a. um Mikis Teodorakis.

Später arbeitete er als Entwicklungshelfer in mehreren Erdteilen, engagierte sich in der Friedensforschung und immer nachdrücklicher für die Aufarbeitung der deutschen Verantwortung für das Massaker in seinem Dorf. Dabei lernte er auch den Schweizer Regisseur Stefan Haupt kennen.

Sfountouris lebt damit, dass es keine wirkliche Entschädigung geben kann für unaufrechenbares Leid, das ihm und zahllosen anderen Opfern zugefügt wurde. Aber es geht ihm auch um Gerechtigkeit, um ein Eingeständnis von Schuld, das deutsche Politiker zu leisten sich weigern, nicht zuletzt um finanzielle Forderungen zu vermeiden.

Diese Vermischung moralischer und finanzieller Bereiche ist ja überall in der deutschen Nachkriegsgeschichte – und bis heute – gegenüber den europäischen Ländern, die im Weltkrieg deutschen Besetzern ausgeliefert waren, zu erkennen, und sicher nicht nur für mich schwer zu ertragen.

Argyris Sfountouris‘ Entschädigungsklage wurde von allen deutschen Gerichten abgewiesen; sie liegt jetzt beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg.

Sfountouris wirkt trotz dieser Misserfolge nicht verbittert, er strahlt Leben, Wärme, Güte aus. Ebenso aber spürt man in ihm noch immer die Untröstlichkeit des kleinen Jungen, dessen innere und äußere Heimat Deutsche innerhalb von Stunden vernichtet haben. Er betrachtet den Film auch als „eine Art Testament“, das verhindern kann, dass sein Schicksal und das seiner Familie vergessen wird. Auch deshalb wünsche ich dem Film „Ein Lied für Argyris“ die größte öffentliche Aufmerksamkeit.“


streamplus.de

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3 Kommentare

  1. Epigramm für Distomo
    Jannis Ritsos
    Hier ist die bittere Erde von Distomo
    Oh, du Vorübergehender,
    wohin du auch trittst, tu es vorsichtig-
    hier schmerzt die Stille,
    hier schmerzt auch der Stein auf jedem Weg
    vom Opfer und von der Härte des Menschen.
    Hier eine schlichte Stele, durch und durch aus Marmor
    mit bescheidenen Namen, und der Ruhm hebt sie hinauf
    Seufzer um Seufzer, Stufe um Stufe, einer riesigen Treppe.

    Heute ist auch der Welttag der Poesie

  2. Hallo Su, schön dass Ihr nochmal auf den Film hinweist, aber Distomo hat nichts mit Kreta zu tun sondern liegt am Fuße des Parnass-Gebirges in Mittelgriechenland.
    Euch schöne Ostern. Rainer

  3. Hallo Rainer, danke für den Hinweis, auch wenn wir das sehr wohl schon wussten – so what?
    Euch erst mal ein schönes Osterfest, wir sind erst nächste Woche dran.
    Su

Kommentare sind geschlossen.