Ein Ausflugstipp: Das geschichtsträchtige Kloster Arkadi.

In allen Reiseführer-Charts gehört das Kloster Arkadi zu den Top Ten. Doch als wirklich große Sehenswürdigkeit wirst Du es nur erleben, wenn Du etwas über seine Geschichte weißt. Dann wirst Du verstehen, warum das Kloster Arkadi als Kretas Nationalheiligtum gilt.

Das Arkadi-Kloster (griechisch Μονή Αρκαδίου) ist ein ehemaliges orthodoxes Kloster auf Kreta. Es bestand vom 14. Jahrhundert bis 1866 und ist das bedeutendste Nationaldenkmal der Insel. Das Kloster spielte eine herausragende Rolle im kretischen Kampf um Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich.

Die Klosterkirche war bis zur Einführung des Euro auf dem 100-Drachmen-Schein abgebildet. Das Kloster liegt im Regionalbezirk Rethymno ca. 25 km südlich der Stadt Rethymno in Westkreta auf einer Höhe von 500 Metern über dem Meeresspiegel an den Ausläufern des Psiloritismassivs.

Arkadi – Das Wahrzeichen Kretas.

Nach der Überlieferung wurde das Kloster Arkadi vom Byzantinischen Kaiser Arcadius im 5. Jahrhundert erbaut. Wissenschaftler gehen jedoch eher von der Gründung durch einen gleichnamigen Mönch aus. Der Name des Klosters ist durch eine Inschrift mindestens für das 14. Jahrhundert belegt. Die zweischiffige, Renaissance-Elemente aufweisende Basilika wurde 1587 zur Zeit der venezianischen Herrschaft über Kreta errichtet und ist der Wiederaufbau einer früheren Kirche. Bis in das 17. Jahrhundert erlebte das Kloster seine geistige und kulturelle Blütezeit.

Nach der 1669 abgeschlossenen Eroberung Kretas durch das Osmanische Reich wurde das Kloster geplündert. Die Mönche erreichten jedoch nach ihrer Unterwerfung die Erlaubnis, nach Arkadi zurückzukehren und das Recht, die Glocke zu schlagen. Das Kloster wurde erneuert und die zerstörte Einfriedung wieder aufgebaut. Im Jahr 1760 lebten auf Kreta 200.000 Muslime und 60.000 Christen.

Nachdem 1830 einem Teil des heutigen Staatsgebietes Griechenlands die Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich zugesprochen worden war, verstärkte sich auf Kreta der Widerstand gegen die als Besatzung empfundene Osmanische Herrschaft. 1866 wurde im Kloster Arkadi ein Revolutionskomitee gebildet. Zum Vorsitzenden des für die Region Rethymno zuständigen Komitees wurde der aus dem nahen Margarites stammende Abt von Arkadi, Gabriel Marinakis (* ca. 1826), gewählt.

In Arkadi wurde im September 1866 auch der vom griechischen Festland entsandte General Panos Koronaios (* 1809) zum militärischen Kommandanten des Aufstandes in der Region Rethymno eingesetzt. Koronaios beurteilte das Kloster als nicht zu verteidigen, konnte sich mit dieser Auffassung jedoch gegen die Mehrheit des Revolutionskomitees nicht durchsetzen. Der General verließ daraufhin mit seinen Männern das Kloster, ließ jedoch einen Leutnant als militärischen Anführer zurück.

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten im Kloster Arkadi

  • Kloster-Museum – Das heilige Banner der Revolution und andere Kostbarkeiten des Klosters wie Messutensilien, goldbestickte Messgewänder und Waffen werden im Museum des Klosters aufbewahrt.
  • Vorderfront der Kirche – Ein Werk der italienischen Architekten Sebastiano Serlio und Andrea Palladio
  • Katholikon – Die Kirche ist eine Basilika mit zwei Schiffen, der Metamorphosis Christi, dem Heiligen Konstantin und der Heiligen Helena gewidmet. Es wurde 1587 an der Stelle einer kleineren Kirche aus dem 13. Jahrhundert erbaut.
  • Kugel-Baum – Der Zypressenstumpf im Klosterhof trägt noch Kugeln von der großen Schlacht des Jahres 1866.
  • Pulvermagazin – In früheren Jahren ein Weinkeller, wurde dieser Raum während der Revolte als Munitionslager verwendet. Hier drinnen fand die tapfere Aufopferung der Kreter am 9. November 1866 statt.
  • Mönchszellen – Der persönliche Bereich der Mönche, ein Ort zum Beten und Gedenken.

In der Nacht vom 7. auf den 8. November 1866 griff ein osmanisches Heer mit 15.000 Mann das Kloster an, in dem sich 964 Menschen, darunter 325 kampftaugliche Männer, aufhielten. Nach zwei Tagen des aussichtslosen Widerstandes entschieden die Belagerten, dem Gegner nicht lebend in die Hände fallen zu wollen. Als sich der Kampf am 9. November in den Innenhof des Klosters verlagert hatte, zogen sich die meisten der noch Lebenden, einschließlich der Frauen und Kinder, in das Pulvermagazin zurück, das von einem der Kämpfer gesprengt wurde.

Im Innenhof des Klosters.

Bei der heftigen Explosion kamen bis auf ein überlebendes Mädchen alle darin befindlichen Personen und Dutzende eindringende türkische Soldaten ums Leben. 114 Verteidiger gerieten in Gefangenschaft. Angeblich starben bei der Belagerung des Klosters Arkadi 1500 Angreifer. Der Abt starb vermutlich in der Endphase des Kampfes. Die oft auch in Form von Illustrationen umgesetzte Überlieferung, er habe selbst das Pulvermagazin entzündet, ist wahrscheinlich unzutreffend.

Die Umstände des Falls des Klosters erregten international Aufsehen. Unter anderem versicherten Victor Hugo und Giuseppe Garibaldi den Kretern ihrer Solidarität. Im Jahr 1866 standen in Europa jedoch andere Ereignisse auf der Tagesordnung. Erst 1897 wurde Kreta de facto unabhängig, 1913 erfolgte die Vereinigung mit Griechenland.

1937 wurde in der Ostmauer des Klosters eine Steinplatte mit einer Inschrift zum Gedenken an die Ereignisse von 1866 angebracht. Die Platte ist heute im teilweise wieder errichteten Pulvermagazin aufgestellt.

„Diese Flamme, die in dieser Krypta entfacht wurde und das ruhmreiche Kreta von einem Ende zum anderen erleuchtete, war eine Flamme Gottes, in der die Kreter für die Freiheit verbrannten.“ – Erzbischof Timotheos Veneris.

Nützliche Informationen

Öffnungszeiten des Klosters: April bis Mai täglich von 9.00 bis 19.00 Uhr / Von Juni bis August täglich von 9.00 bis 20.00 Uhr / September-Oktober täglich von 9.00 bis 19.00 Uhr / November täglich von 9.00 bis 17.00 Uhr  /  Von Dezember bis März täglich von 9.00 bis 16.00 Uhr.

Gottesdienste:  werden jeden Tag im Kloster durchgeführt, dem Glauben der orthodoxen Kirche entsprechend. Der Morgengottesdienst beginnt um 06.00 Uhr und der Abendgottesdienst am 18.00 Uhr.

Eintritt: 3€ , für griechische Staatsbürger ist der Eintritt frei.

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