Ein paar Fragen an: Mike Beer

DAS INTERVIEW ZUM LESEFESTIVAL

Guten Morgen aus Kreta. Im Rahmen dieser Serie wollen wir Ihnen vorab alle Autoren/Innen vorstellen, die an unserem Festival teilnehmen. Heute ist Michael Beer unser Gast:

Der Autor wurde 1962 als einer von drei Söhnen von Monika und Stephan Beer in Wien geboren. Die Liebe zur Literatur wurde ihm sozusagen in die Wiege gelegt – die Mutter betrieb mit ihrer Schwester eine Buchhandlung, der Vater schrieb neben seiner Tätigkeit für eine internationale Computerfirma mehrere Bücher.

Michael Beer studierte Linguistik und Germanistik. Seine Liebe zu Griechenland hat er durch seine erste Frau entdeckt. Seitdem befassen sich seine Gedichte mit Menschen, Liebe, Natur und vor allem Griechenland. Viele seiner Texte sind auf griechischen Inseln entstanden.

Für die nahe Zukunft plant er, die noch unveröffentlichten Gedichtbände „Amoopi“ herauszubringen. Michael Beer hat gerne mit Menschen zu tun, so arbeitet er neben seiner EDV-Tätigkeit als Trainer und liest aus seinen Werken.

Und hier seine Antworten auf unsere Preisfragen:

1. Wenn Sie nur 5 Worte haben, um sich selbst zu beschreiben. Was würden Sie sagen?

a. Sich in 5 Wörtern zu beschreiben ist gar nicht so einfach. Mein Vater hat besonders die japanischen Haikus geliebt, in denen auch komplexe Sachverhalte in 17 Silben beschrieben werden.

b. Meine 5 Begriffe wären: kreativ, einfühlsam, lebenserfahren, positiv und Griechenlandfan

2. Was war Ihr Lieblingsbuch als Kind und als Jugendlicher?

Ich habe früher sehr gerne im Lexikon geblättert. Spannend war es auch, den Querverweisen zu folgen – heute würde man ja Links dazu sagen.

3. Was lesen Sie heute am liebsten?

Einerseits sehr viel Fachliteratur, aber auch spirituelle Texte – derzeit lese ich gerade wieder das Handbuch der Krieger des Lichts von Paul Coehlo.

4. Gibt es auch Bücher, die Sie nur gezwungenermassen gelesen haben?

Ohja, während der Schulzeit gab es im Deutschunterricht doch einige Bücher, die wir lesen mußten, um dann darüber sprechen zu können. Als sperrig ist mir Kafka in Erinnerung geblieben.

5. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Ich denke, es gab hier zwei wesentliche Einflußfaktoren – einerseits war meine Mutter Buchhändlerin und ich war seit frühester Kindheit mit Büchern konfrontiert und habe sehr viel gelesen. Andererseits war mein Vater – neben seiner beruflichen Tätigkeit in einem internationalen Computerkonzern – auch Musiker und Autor. Ich habe als Jugendlicher angefangen zu schreiben, aber so wirklich begonnen hat es vor vielen Jahren auf Karpathos.

6. Welches Genre lesen Sie selbst am liebsten?

Eigentlich alles, wobei ich normalerweise keine dicken Romane lese. Aber es gibt Ausnahmen – so haben mir z.B. Umberto Ecos Foucaultsches Pendel aber auch Gödel, Escher, Bach sehr gut gefallen.

7. Wer ist für Sie der bedeutendste lebende Mensch?

a. Um bei Autoren zu bleiben – Stephen Hawking halte ich für bewunderswert.

8. Wen bewundern Sie am meisten?

Ich glaube meine Großeltern. Sowohl die Eltern meiner Mutter als auch meines Vaters haben es geschafft, den 2. Weltkrieg zu überleben und ihre Kinder unter schwierigen Bedingungen groß zu ziehen. Der Vater meiner Mutter war übrigens auch Journalist und Autor. Das Schreiben dürfte also in der Familie liegen.

9. Wenn eine gute Fee vorbeikäme und Sie hätten drei Wünsche frei. Was würden Sie sich wünschen?

a. Die Buddhisten wünschen, dass alle Wesen glücklich sein mögen – dem schließe ich mich gerne an.

b. Sonst wünsche ich mir, dass wir alle viel mehr auf einander zugehen und Vorurteile beiseite lassen sollten.

c. Und als Drittes möchte ich gerne meinen Vater aus dem Vorwort seines Buches „Beerenlese“ zitieren:
Wir haben einskommanull Leben zu unserer Verfügung, und dieser Einmaligkeit und Unwiederholbarkeit sollten wir uns doch von Zeit zu Zeit bewußt werden. Wir sollten uns nicht nur mit dem Hasten und Jagen nach Geld, den Sorgen und Intrigen des Berufslebens, den Problemen des politischen Alltags beschäftigen, sondern uns auch gelegentlich vom ersten zarten Grün eines Baumes im Frühling, vom Duft eines blühenden Fliederbusches nach einem Regen, vom tanzenden Sonnenlicht auf den kleinen Wellen eines Teiches, vom Gesang einer Amsel gegen Abend, von einem Gedicht oder einem Lied gefangennehmen lassen.

10. Sie nehmen an einem dt.griech. Lesefestival teil. Erzählen Sie uns ein wenig über Ihr Verständnis des dt.-griech. Verhältnisses und wie Sie denken und was Sie sich für die Beziehungen beider Länder wünschen.

a. Das Reizvolle an Europa war die Vielfalt. Tausende Jahre an Kultur – speziell auf Kreta, wo ja das Festival statt findet. Statt diese Diversität zu fördern hat man sich entschlossen, einen zentralistischen Einheitsbrei zu verordnen. Gerade zu einem Zeitpunkt, wo die Verletzungen der Vergangenheit sich langsam geschlossen haben, werden neue Wunden aufgerissen. Solange die EU in der heutigen Form existiert, glaube ich an keine Verbesserung. Ganz im Gegenteil – es wird vielen Ländern zukünftig noch schlechter gehen. Die Auswüchse sehen wir ja bereits – so werden beispielsweise Tierschützer in Griechenland boykottiert, nur weil sie aus Deutschland stammen. Oder Lehrer müssen das Land verlassen, weil sie vom ihrem Gehalt nicht mehr leben können.

b. Ich wünsche mir, dass Menschen wieder mehr auf einander zugehen. Meine Hoffnung ist, dass die Politik das auch wieder lernt. Ich glaube, daß Veranstaltungen wie dieses internationale Festival eine ganz große Chance sind, die Begegnungen und das Verständnis für einander zu fördern.

11. Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Mein persönliches Motto ist „If you can dream it, you can do it“ – in diesem Sinn wünsche ich mir noch viele schöne Träume, die es wert sind, realisiert zu werden.

Die Fragen stellte Edit Engelmann, die Initiatorin des ersten Lesefestival auf Kreta.

 

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