Ein Phänomen: die griechische Körpersprache.

Neben der sicherlich nicht unwichtigen verbalen Kommunikation ist ja nun mal auch die Non-verbale nicht zu vernachlässigen – und das gilt sicherlich nicht nur für Griechenland, sondern durchaus auch für den Rest der Welt, denn wie heißt es so schön?

Andere Länder, andere Sitten….

Gesten und Gebärden, die dem Ausländer in Griechenland ganz selbstverständlich erscheinen, werden hier unter Umständen und gar nicht selten ganz anders gedeutet und interpretiert. Und das führt dann gerne mal zu Missverständnissen, bei denen beide Seiten hinterher gar nicht wissen, was eigentlich schief gelaufen ist.

Körpersprache und Geisteshaltung. Unterschiedlicher geht es gar nicht.

Selbst schon so erlebt, aber durch weise Erklärungen und Anleitungen, sowie durch aufmerksame Beobachtung dann doch was draus gelernt. Und wie gehabt teilen wir diese Erfahrungen gerne mit Euch, auf dass Ihr beim nächsten Fettnäpfchen-Wetthüpfen auf den letzten Rängen landet….

Der Umgang der Griechen miteinander ist nämlich viel weniger verkrampft und „verkopft“ und mit viel wenigeren Skrupeln behaftet, als unter uns „kühlen“ Deutschen bzw. Nord- und Mitteleuropäern.

Man zeigt seine Gefühle oft offen und schämt sich auch nicht dafür.

Schon als kleine Kinder lernen Griechen, zu allen Menschen zärtlich und liebevoll zu sein – man kennt daher keine Angst vor körperlicher Berührung, die auch im Normalfall gar nichts Anzügliches hat. Man fasst sich halt einfach mal an, nimmt sich in den Arm, streichelt dem Anderen mal über die Wange oder über den Kopf, begrüßt und verabschiedet sich überschwänglich mit Küßchen links und rechts – es ist einfach ein herzlicher Umgang miteinander.

Und das gilt durchaus auch in Momenten des Schmerzes und der Trauer. Da wird geschrieen, gejammert, geweint, lamentiert und gemeinsam getrauert. Das ändert zwar nix an dem jeweiligen Anlass, lässt den/die Trauernde(n) aber in der schlimmsten Stunde nicht alleine. Man ist halt füreinander da.

Von Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit, Kindern und Hexerei

Bei den öffentlich ausgetauschten Zärtlichkeiten gibt es aber natürlich auch eine Ausnahme – und die beginnt ab einem bestimmten Alter und gilt für die verschiedenen Geschlechter. Selbst befreundete oder verlobte Paare verhalten sich in der Öffentlichkeit eher distanziert und kühl – der Austausch von Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit ist Tabu. 

Ausländische Liebespaare, die ohne Rücksicht auf unfreiwillige Zuschauer Zärtlichkeiten austauschen, stoßen eher auf Unverständnis und Ablehnung – und dies vor allem, wenn Kinder in der Nähe sind, denn dann wird das als besonders rücksichtslos empfunden. Auch hier ist das Zauberwort wieder mal „sevasmos“ (σεβασμός) – Respekt!

Griechen sind sehr stolz auf ihre Kinder (egal wie wild und ungezogen die Rabauken auch sind…) und lassen sie weitestgehend gewähren, wie die Kleinen es so wollen. Was sie nicht gerne mögen ist, wenn man die Kinder – so niedlich sie vielleicht auch sein mögen – für ihren Geschmack zu lange bzw. zu intensiv anschaut. Denn das Kind könnte ja evtl. durch den „bösen Blick“ verhext werden, oder – der Super-Gau! – den Neid der Götter erregen! Also lieber nicht zu lange gucken…

A propos „Hexerei“: diese ist natürlich auch im Spiel, wenn man jemandem die Handfläche mit gespreizten Fingern entgegen hält. Denn das ist das Zeichen der bösen Verwünschung! Also aufpassen, wenn man jemandem durch Gesten die Zahl 5 erklären möchte, das könnte zu verhexten Missverständnissen führen…. Einfacher ist es, die Zahlen zu lernen und sich verbal zu verständigen – fünf heißt übrigens „pende“ – und wird πέντε geschrieben.

Ja und „Nä“, Zungenschnalzen und Kopfbewegungen

Und dann ist da noch die verwirrende Bejahung und Verneinung. Wäre es nicht schon schwierig genug, sich daran zu gewöhnen, dass „ja“ hier „nä“ (ναι) heisst und „nein“ dann durch „ochi“ (όχι) ausgedrückt wird, gibt es auch dazu wieder entsprechende Gesten. Also vor allem zum „ochi“!

Denn zur non-verbalen Ablehnung wirft der Grieche einfach nur kurz den Kopf in den Nacken und schnalzt mit der Zunge (das ist übrigens bereits bei kleinen Kindern zu beobachten und einfach zum kringeln!). Manchmal wird zur Unterstreichung auch noch eine Hand leicht abwehrend gehoben – das ist dann ein ganz klares Nein….

Aber aufgepasst mit den Gesten, denn auch hier gibt es wieder Feinheiten:

Zuckt der Grieche nämlich schräg mit dem Kopf zur Seite und schnalzt dazu, heißt das „komm!“ (ela – έλα). Zwinkert er dazu mit einem Auge, hat er irgendetwas Besonderes vor, im Sinne von „komm mal mit, ich zeig dir was!“. Zwinkert er verschmitzt ganz ohne Kopfbewegung, macht er sich meist über jemanden lustig – bleibt immer nur zu hoffen, dass man nicht selbst der Auslöser der Belustigung ist….

Eine Geste, die mich persönlich zurerst auch sehr befremdet hat, ist ein fragender Blick, der von einer Handbewegung begleitet wird, die darin besteht, dass (meist die rechte) Hand aufwärtsgerichtet ein, zwei Mal im Handgelenk hin und her gedreht wird. Diese Geste ist eine non-verbale Frage, die fast alles heissen kann.

Kräuter-Kostas im Kafenio.

Das erstreckt sich von „pou issai?“ (που είσαι – „wo bist du“ im Sinne von „hab dich lange nicht gesehen, wo hast du gesteckt?“) über „ti kaneis edo“ (τι κάνεις εδώ – „was machst du denn hier, dich hab ich ja gar nicht erwartet!“) bis hin zu „pou einai o filos mou?“ (που είναι ο φίλος μου – „wo ist mein Kumpel“ – also der, den er immer dort trifft). Eine sehr situationsabhängige Geste, die auch richtig interpretiert werden will…. Und dazu muss man natürlich auch wiederum die jeweiligen zwischenmenschlichen Beziehungen kennen (also z.B. welcher Kumpel, wo und warum?).

Die „Panagia“ – immer dabei und oft bemüht

Und dann noch eine Geste, die vermutlich schon jeder Griechenlandreisende des Öfteren beobachtet hat: der Grieche an sich bekreuzigt sich gerne mal zu allen Anlässen. Auf Busreisen beim Passieren jeder Kirche und Kapelle, beim Autofahren direkt vor dem Start (dreimal bekreuzigt erspart beim Ausparken den Blick in den Rückspiegel – man fährt halt einfach los, die „Panagia“ wird´s schon richten….), wenn man sich erschrocken hat, eine schlimme oder seltsame Nachricht erhalten hat – die „Panagia“ wird oft und gerne bemüht – und man glaubt auch an die Wirkung.

Unfälle ohne Ende – Da hilft auch die Muttergottes nicht.

Dass gerade im Straßenverkehr nicht noch mehr passiert, ist unseres Erachtens (und unserer Erfahrung gemäß) zwar weniger auf die Schutzheilige zurückzuführen, als auf die Umsicht des von hinten angebrettert Kommenden, aber der hat sich vor dem Start ja sicher auch zuverlässig bekreuzigt – was soll ihm/ihr also schon passieren?

Radio Kreta – verbal, non-verbal und immer mit guter Musik!

Somit gut gerüstet bezüglich der non-verbalen Kommunikation haben wir natürlich auch noch einen prima Tipp für die Verbale: Urlaubs-Sprachkurse auf Kreta!

Wie die Griechen gegen den bösen Blick angehen, könnt Ihr hier nachlesen, wie renommierte griechische Augenheilkundler sich diese Phänomens annehmen, erfahrt Ihr hier.

Eine Studie der Uni Lüneburg: „Das Leben der Anderen“.

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