Ein Treffen mit Nana Mouskouri – Faule Griechen, deutsche Zuchtmeister?

Mehr als wohl alle anderen „Botschafter“ Griechenlands kommt Nana Mouskouri in dieser Krise zu Wort – heute in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Gespräch mit Dieter Bartetzko.

Lest selbst, was Nana über die Zustände in Griechenland, über ihre Zeit im europäischen Parlament, über Loyalität und Respektgrenzen und über den Stolz der Griechen sagt:

Die griechische Sängerin Nana Mouskouri saß fünf Jahre im europäischen Parlament. Was sagt sie heute zur Krise ihrer Heimat, zum deutsch-griechischen Verhältnis und zu ihren neuen Duetten?

Mit ihr begann die große deutsch-griechische Liebe: Nachdem Nana Mouskouris „Weiße Rosen aus Athen“ 1961 monatelang die hiesige Hitparade angeführt hatten, machten wir uns als Urlauber auf den Weg dorthin und vertrauten im Gegenzug Tausende griechischer Gastarbeiter darauf, dass sie hier gut aufgenommen würden. Zur Vorbereitung einer kleinen Deutschlandtournee bereist die Sängerin momentan die Bundesrepublik. Und sie, die bald nach dem Rosenhit und dank ihm Weltkarriere machte, steht vor einem Scherbenhaufen: Viele Griechen sehen momentan in Deutschland den erpresserischen Finanzier Europas, der ihrem bankrottbedrohten Staat ruinöse Bedingungen diktiert, und hier kursiert das Klischee vom sorglosen Griechen, der auf Kosten deutscher Steuerzahler gelebt habe.

Soll man sagen, Nana Mouskouri sei erschüttert? Freundlich gelassen sitzt sie einem im karg designten Casino des Hessischen Rundfunks gegenüber, souverän, als wäre es die Halle eines Luxushotels in Athen oder Paris. Aber sie weicht vom üblichen Werbegeplauder über Tourneedaten und ihre neue CD ab, als die Rede auf den zweiten Rettungsschirm kommt. Nicht die Griechen seien verantwortlich, sagt sie, sondern „dreißig Jahre Lügen“.

Nach einer Amtszeit hatte sie genug
Gemeint sind die politischen Verhältnisse des Landes, die Parteien, denen es nach der Militärdiktatur trotz vieler reformerischer Ansätze nicht gelungen sei, Griechenland in einen Staat mit einem nach europäischem Standard geordneten Finanz- und Steuerwesen zu überführen. Nicht gelungen? Nein, die Mehrzahl der Verantwortlichen habe das nicht einmal gewollt. Was zu viele wollten, war „Geld, Geld, Geld!“ Was Wunder, dass die Bevölkerung, vor allem die ländliche, EU-Zuschüsse wie „Pakete aus dem Ausland“ sah, die man bedenkenlos annehmen und deren Inhalt man rückhaltlos aufbrauchen konnte.

Nana Mouskouri weiß, wovon sie spricht: Sie saß von 1994 bis 1999 als Abgeordnete Griechenlands im Europaparlament. Eine zweite Amtszeit lehnte sie ab, weil es auch dort, so ihre damalige Begründung, zu oft „um Machterhalt und Parteipolitik, nicht um Wahrheit und Freiheit“ gegangen sei. Das drohende griechische Chaos schmerzt sie umso tiefer, als sie am eigenen Leib erfahren hat, wohin soziale Unruhen führen: Unmittelbar nach dem Staatsstreich der Obristen verließ sie Griechenland, weil sie sich als gute Freundin des Kommunisten Mikis Theodorakis und Interpretin seiner Volkslied-Zyklen verdächtig gemacht hatte.

Über Nana´s Loyalität Zu Griechenland, ihre harsche Kritik an der politischen Klasse, ihre Enttäuschung und Trauer lest Ihr bitte hier weiter.

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