„Eulen nach Athen tragen“ – Von unsinnigen und überflüssigen Tätigkeiten und Aktionen

Neulich in der Taverne kam in gewohnt munterer Runde die Frage auf, woher denn eigentlich der Ausdruck „Eulen nach Athen tragen“ kommt.

Die Bedeutung der Redewendung kannte jeder: sie beschreibt einfach eine unsinnige und/oder überflüssige Tätigkeit, so wie auch das bayrische „Bier nach München bringen“, das Horaz´sche „Holz in den Wald tragen“, das norddeutsche „Torf ins Moor tragen“ oder das fränkische „Wasser in die Pegnitz schütten“.

Na gut, die Bedeutung war also klar, die Herkunft der Redensart aber immer noch nicht. Kollektives Kopfkratzen, Stirnrunzeln und Grübeln und dann, dem Internetz sei mal wieder Dank, die Auflösung, denn da gibt es folgende Erklärung (von der Red. gekürzt):

„Die Redensart „Eulen nach Athen tragen“ (γλαῦκας εἰς Ἀθῆνας κομίζειν, γλαῦκ‘ Ἀθῆναζε ἡγείσθαι) steht für eine überflüssige Tätigkeit. Sie geht auf den antiken griechischen Dichter Aristophanes zurück, der den Ausspruch in seiner satirischen Komödie „Die Vögel“ um 400 v. Chr. prägte. Dort wird in Vers 301 eine herbeifliegende Eule mit den folgenden Worten kommentiert: „Wer hat die Eule nach Athen gebracht?“

Eulen gab es damals als Symbol der Göttin Athene, der Schutzgöttin der Stadt, sehr viele. Die Eule symbolisierte die Klugheit, vor allem, da sie auch im Dunkeln sehen kann. Wie die athenischen Abbildungen zeigen, ist es eine bestimmte Eulenart, der Steinkauz (Athene noctua). Wolfgang Hildesheimer hat daraus die ironische Erzählung „Ich trage eine Eule nach Athen“ entwickelt, in der es sich allerdings tatsächlich um einen Steinkauz handelt.

Es ist also möglich, die Worte als Hinweis auf die unsinnige Tätigkeit zu deuten, Weisheit in die Stadt zu bringen. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass er sich auf die Münzen bezog, auf denen das Tier prangte. Aristophanes bezeichnete es als überflüssig, ins reiche Athen Silbermünzen (mit der Eule) zu schicken. In Vers 1106 schreibt er dazu etwa: „An Eulen wird es nie mangeln.“

Wie sehr sich Kollege Aristophanes da geirrt hat, wird nun gut 2400 Jahre später klar. Dennoch prangt die Eule auch auf der griechischen Euro Münze. Wobei – das hat was.

Momentan werden Milliarden Euro von fast überall her nach Athen getragen, just um dort postwendend zur Zins- und Schuldentilgung an die Geberländer zurück überwiesen zu werden.

Aus der Sicht eines jeden „Otto-Normal-Griechen“ sprichwörtlich Eulen nach Athen gebracht. Unsinnig, da sie sofort wieder zurück flattern und bestenfalls ihren Dreck in Griechenland lassen. Denn bei den Bürgern kommt nichts, bzw. weniger als nichts an, zieht man die Sparmaßnahmen, die das Einflattern der Nachtvögel erst ermöglichen, in Betracht.

Soviel zu Hilfsmaßnahmen, die sich als überflüssig erweisen, da sie nicht da ankommen, wo sie am Nötigsten gebraucht werden.


streamplus.de

Mehr vom lustig-launigen Komöditanten Aristophanes, der sich offensichtlich sehr mit der (alt-)griechischen Tierwelt beschäftigt und dadurch auch unsere neugriechische Melitta inspiriert (und uns damit sehr erheitert!) hat gibt es hier

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