„Europa beginnt von unten“ – Ein Gastbeitrag.

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Pit`s Notebook. Mit „Blaue Tinte“ Technologie.

Heute haben wir mal wieder einen ganz persönlichen Beitrag für Euch. Verfasst von einem befreundeten deutschen Ehepaar, Ursel und Pit, das seit ein paar Jahren mehrmals im Jahr für mehrere Wochen seine „Auszeit“ in Paleochora nimmt.

Die beiden sind trotz vieler und harter Schicksalsschläge unglaublich fröhliche, positive, dankbare und fast demütige Zeitgenossen, erfreuen sich an den einfachen Dingen des Lebens und sind noch dazu wundervolle, sanfte Beobachter. Da gibt es keine negativen Vorurteile, jede(r) wird so angenommen, wie er/sie ist und man achtet sehr auf seine Mitmenschen, deren Befindlichkeiten und Grenzen.

Und als hätte uns diese Bekanntschaft nicht schon genug bereichert, haben die beiden ihre ganz persönlichen Eindrücke des Lebens hier am südwestlichen Zipfel der Insel Kreta für uns – und somit auch für Euch – aufgeschrieben.

Ja, aufgeschrieben! Und zwar noch so richtig mit der Hand!

Wundervollerweise hat Pit eine sehr schöne, gestochen klare und korrekte Handschrift – es war eine Freude, endlich mal wieder ein handschriftliches Dokument zu lesen, das Pit uns in seinem „Notebook“ (siehe Foto!) überreicht hat. Schon beim Abtippen hatte ich die reinste Freude, die ich nun gerne mit Euch teilen möchte. Lest nun einfach hier die Gedanken von Pit und Ursel:

„Es war wie früher zu Hause!“

„Ein deutsches Ehepaar war längere Zeit bei seinem Sohn auf Kreta und ist überglücklich zurück geflogen. Ihnen war klar geworden, dass Glück und Zufriedenheit nicht nur vom Materiellen abhängig sind. Die Pflege der sozialen Kontakte, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Freigiebigkeit, starke Familienbande und das Einbinden der Alten in die Gemeinschaft sind Wesenzüge der Kreter.

Ein altes Pärchen in Paleochora – sie 97, er vitale 92 Lenze jung.

„Together forever“ – die Postkarte mit den beiden alten Kretern ist auch ein humorvolles Zeugnis.
Ein altes Ehepaar auf seinem kleinen „Freisitz“ hat uns schon seit zwei Jahren beeindruckt. Jetzt haben wir endlich ihre braungebrannten und alterszerfurchten Gesichter fofografiert. Oma und Opa waren ganz stolz. Die fast zahnlose Oma und ihr Mann strahlten dabei eine beeindruckende Herzlichkeit aus. Mit einem freundlichen Lachen haben wir uns verabschiedet.

Täglich treffen wir mit Menschen aus verschiedenen Nationen zusammen. Es ist etwas Gemeinsames, was uns verbindet – nicht IWF und EZB. Wir, die einfachen Bürger, müssen auf dieser Grundlage Europa gestalten. Nicht Lobbyismus, Finanzkapitalismus ud Plutokratie dürfen den Weg in Europa bestimmen.

Unser kleiner Ort an der Südwestküste Kretas und unser heimeliges Hotel erinnern mich als Ausgangspunkt dieser bürgerlichen Grundideen an den kleinen Ort von Asterix und Obelix. Mögen wir viele dieser guten Gedanken mit nach Hause nehmen und unsere Freunde damit anstecken!

Berührt hat mich auch ein anderes Erlebnis. In einem kleinen Geschäft stand eine kleine herzförmige Dose mit der Sammelaufschrift für nepalesische Kinder. Immer, wenn 500,- Euro zusammenkommen, werden diese zu den Freunden nach Nepal geschickt, wo sie dringend gebraucht werden. Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten denken Kreter an notleidende nepalesische Kinder!

Das einfache Leben hier auf Kreta lehrt uns, mit wenig glücklich zu sein. Nicht der Überfluss in unseren Supermärkten, von dem abends ein großer Teil im Abfallcontainer landet, ist wegweisend für unsere Zukunftsgestaltung, die Verschwendung von Ressourcen schon gar nicht.

Der tägliche Börsenbericht darf nicht als Wegweiser dienen und der Kapitalismus nicht zur Ersatzreligion werden. Von unten her muss sich der gesunde Bürgerwille in Europa etablieren. Einkommensgerechtigkeit muss zum Prinzip werden. Die Mittelschicht darf nicht weiter verarmen. Superreiche müssen sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst werden. All dies sind Gedanken, die das Zusammensein mit den liebenswerten Menschen am südwestlichen Zipfel Kretas bewirkt. Auch Engländer, Norweger, Österreicher u.v.a. sind angesteckt davon. Möge es zu einer europäischen Bürgerbewegung kommen!

Zoi mit den Kassenbons „für Herrn Varoufakis“…

Was sind wir doch oft falschen Vorurteilen aufgesessen.

„Die faulen Griechen“ ist nur ein Beispiel. Ich kenne andere Beispiele. Ananstasia arbeitet von morgens bis zum Spätnachmittag in unserem Hotel. Einige Stunden ist sie mittags alleine für alles zuständig. Da kommt schon einiges zusammen. Gut, dass ihre Tochter dann mit hilft. Der Mann von Anastasia und ihre ältere Tochter sind krank, die andere Tochter studiert. Die Last des Einkommenserwerbs liegt also alleine auf Anastasias Schultern.

Ein anderes Beispiel ist Zoí. Sie hat 2 Kinder und ist alleinerziehend. Ihr Arbeitstag hat dann 17 Stunden…. Morgens sind 25 Zimmer im Hotel herzurichten, abends kellnert sie im Kafenion und den Winter über hat sie noch mehrere Putzstellen. Auch die Besitzer unseres kleinen Hotels sind im Winter und im Frühling rege: Fliesen werden neu verlegt und die Hausfassaden neu gestrichen. Überhaupt wird im Ort an vielen Stellen gemauert, gestrichen und renoviert. Der Tourismus bringt den Kretern ihren Verdienst, also wird auch einiges dafür getan, oft allerdings nur bei einem Stundenlohn von 4 Euro. Da müssen also schon viele Stunden zusammenkommen.

Ein anderes Vorurteil ist, dass die Griechen κeine Steuern zahlen. In der Finanzverwaltung muss sicher Vieles reformiert werden. Lidlkartons müssen endlich gegen sichere Aktenschränke ausgetauscht werden. Steuern werden aber bezahlt, denn neue Registrierkassen drucken überall ihre Bons aus. In einem Restaurant wurden wir sogar darauf aufmerksam gemacht, dass wir den für Varoufakis so wichtigen Bon vergessen hätten. Es scheint diesbezüglich Überprüfungen zu geben.

„Matakis“ – die ganz besonderen Schmucksteine vom Strand

Da, wo kein Bon vorhanden war, wurde die Abrechnung auch schon mal auf der Papiertischdecke festgehalten. Wir haben sie dann als Beweis mitgenommen….

Unser Bekannter, ein Finanzbeamter aus Berlin, war auch von dieser Möglichkeit angetan. Nachdem ich ihm nach meinem täglichen „Mataki“-Sammeln stets 1/5 als „Steuer“ abgeben mussste, kam er auf die glorreiche Idee, Matakis beim Austritt Griechenlands aus dem Euro als Zahlungsmittel auf Kreta einzusetzen. Davon wollte er umgehend die hiesigen Behörden informieren. Steuermäßig sei das sehr leicht zu händeln. Mein Bekannter war als Steuerbeamter ein Pfundskerl, ich habe ihn mit Ekki Talkötter aus der Fernsehserie „Wilsberg“ verglichen. Wir beide waren jedoch der Meinung, dass die Steuergerechtigkeit auf Kreta Fortschritte mache.

Mit gefiel besonders an meinem „Freund Ekki“, dass er beim täglichen Vorbeigehen am Kanzleramt doch recht finstere Gedanken hegte.

Zusammenfassend zu allem sei gesagt, dass wir den kleinen Ort im Südwesten Kretas brauchen, um Impulse für ein menschenwürdiges und friedliches Europa zu setzen. Wir sollten endlich kapieren, dass wir alle in einem Boot sitzen – und das heißt EUROPA“.


streamplus.de

Und wer noch mehr über das „gallische Dorf“ an der Südwestküste Kretas wissen will, schaut einfach HIER.

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4 Kommentare

  1. Danke für eure tollen Infos.
    Sehen uns im September.
    Fahre immer selbst organisiert.
    Bringe euch lieber persönlich die Euros, nicht dem Reiseunternehmen.

    LG aus Bremen-Germany

  2. Den Tenor des Gastbeitrages von Pit „Europa beginnt von unten“ kann ich nur unterstreichen. Wir europäischen Bürger sitzen alle in einem Boot und sollten gemeinsam von unten her Impulse für ein gemeinsames, solidarisches und menschenwürdiges Europa setzen.

    Glückauf für eine gute Zukunft gemeinsam mit Griechenland in Europa!!!

  3. Man sollte den Politikern, Lobbyisten und sonstigen Finanzgenies mal eine Woche der „inneren Einkehr“ auf Kreta ermöglichen, damit sie mal auf andere Gedanken kommen.
    Sehr schöner Bericht 🙂

    LG aus dem Hochtaunus
    Günter
    PS.: Ich schau im August mal vorbei!

Kommentare sind geschlossen.