Facebook und Zensur bei Radio Kreta.

Hetze im Netz wird ein immer wichtigeres Thema unserer Gesellschaft. Das haben auch wir grade gespürt.

Ein Artikel über Claudia Roth auf Kreta erregte in FB-Kommentaren die Gemüter. Viele Kommentare so dämlich, dass ich sie hier NICHT noch einmal veröffentliche. Müssen wir das zensieren, gar löschen, fragen sich meine Leute?

Zensur kommt für mich nicht in Frage.

Artikel 11 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union besagt:

„Jede Person hat das Recht auf freie Meinungsäußerung. Dieses Recht schließt die Meinungsfreiheit und die Freiheit ein, Informationen und Ideen ohne behördliche Eingriffe und ohne Rücksicht auf Staatsgrenzen zu empfangen und weiterzugeben.“

Das heißt, dass man für das Gesagte (ausgenommen Verstöße gegen Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre) von der Regierung nicht verfolgt werden darf. Das heißt allerdings nicht, dass Firmen oder Privatpersonen Speicherplatz für jede Äußerung zur Verfügung stellen müssen. Das Löschen von Beiträgen ist rechtlich also kein Problem.

Facebook selbst entfernt sämtliche Hassbotschaften, d.h. Inhalte, die Personen aufgrund der folgenden Eigenschaften direkt angreifen:

  • Rasse
  • Ethnizität
  • Nationale Herkunft
  • Religiöse Zugehörigkeit
  • Sexuelle Orientierung
  • Geschlecht bzw. geschlechtliche Identität
  • Schwere Behinderung oder Krankheiten

Wie entscheidet Facebook, welcher Beitrag gelöscht wird und welcher nicht?

Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass diese Aufgabe von Algorithmen übernommen wird. Je mehr Menschen einen Beitrag melden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Beitrag entfernt wird.

Das ist falsch. Jede Meldung wird von einem Facebook Mitarbeiter überprüft. Facebook setzt dafür derzeit 4.500 Mitarbeiter ein und möchte noch 3.000 (Anm. der Red.: Wird wohl nicht reichen) weitere einstellen. Nur so ist es Facebook möglich, die Millionen von Meldungen pro Woche abzuarbeiten.

Unser Freund Chris hat Facebook mal in einem Lied verarbeitet:

Und wie entscheiden wir?

Ein Algorithmus kommt auch für uns nicht in Frage. Soll unsere einzige Mitarbeiterin, unsere Lieblings-Moderatorin, nun stundenlang vor dem Rechner sitzen und unsinnige Kommentare per Hand löschen? Wer macht dann noch die Arbeit, den Tierschutz und den Abwasch?

Oder sollen wir wegen ein paar Idioten Mitarbeiter einstellen? Das wäre ja idiotisch.

Ach was. Wir lassen den Quatsch einfach stehen. Ist doch ein Abbild der Gesellschaft. Damit sollen sich mal Soziologen beschäftigen. „Dieter*, du bist gefragt“. Intelligentes Leben gibt es wahrscheinlich. Viele vermuten es auf anderen Planeten. Oder auch auf dem eigenen Duschvorhang.

„Auf meinen Reisen habe ich gelernt, weltoffen und tolerant zu sein. Es gibt überall reizende Menschen. Und es gibt überall Arschlöcher. Das hat nichts mit Religion, Nationalität, Hautfarbe oder politischer Einstellung zu tun.“

Euer Mitso


streamplus.de

* Prof Dr. Dieter Otten – Ein Soziologe baut ein Solarthermiekraftwerk auf Kreta.

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