Filoxenia – die kretische Gastfreundschaft.

„Ti káneis“ – wie geht´s – hört man nur noch selten auf Kreta, eher schon wird man ein „Hello, yes please“ vernehmen.

Vor allem, wenn man sich in den Gassen hübscher Touristenstädtchen wie Rethymnon, Chania und Agios Nikolaos oder ähnlichen Zentren bewegt, wo die Umgangssprache nicht mehr Griechisch, sondern vielmehr Deutsch oder Englisch ist.

Kein Wunder, angesichts der Vielzahl von „Shops“, „Rent Rooms“, „Travel Agencies“ und „Car Rentals“, die sich in den küstennahen Ferienorten wie Perlen an einer Kette aneinander reihen.

Endlich wieder auf Kreta.

Die Konkurrenz ist groß, wer bestehen will, muss am „Touri“ arbeiten, muss ihn locken, sei es durch das passende Speisenangebot oder eben die Anrede in dessen eigener Sprache. Der Kreter nimmt an, das gewohnte Essen (Wiener Snitzel, Spaghetti oder Pizza) seien das einzig Akzeptable für einen Nichtgriechen, im äußersten Notfall könnten vielleicht noch vom Griechen „zu Haus“ bekannte Gerichte wie Moussaká, Souvlaki oder Gyros serviert werden.

Mehrsprachige Speisekarten sind Usus geworden und beinahe jeder Kellner ist in der Lage, Bestellungen in einer Fremdsprache aufzunehmen und auch Tipps in eben dieser Sprache zu geben.

Filoxenia – die sprichwörtliche Gastfreundschaft

Doch es gibt sie auch noch, die wahre „Filoxenia“ – die sprichwörtliche Gastfreundschaft – legendär seit der Antike und Homer. Anders als an vielen anderen Urlaubszielen wird auf Kreta nicht gleich die Hand aufgehalten für eine getragene Tasche oder ein auf´s Zimmer gebrachtes Extrahandtuch (was aber nicht heißen soll, dass sich die betreffenden Angestellten und „Gefallentuer“ nicht über ein paar extra Cent freuen würden.

Oft wird einem Gast auch geduldig zum hundertsten Mal der (meist ausgeschilderte) Weg zur nächsten Ausgrabungsstätte oder sonstigen Sehenswürdigkeiten erklärt und das fünfte zur Verfügung stehende Zimmer gezeigt. Im Laden oder auf dem Markt sind die Chancen gut, auch tatsächlich das Obst, das man sich ausgesucht hat, auch wirklich in der Tüte vorzufinden und nicht etwa den „faulen Bodensatz“ der Kiste, wie es in anderen Ländern oft genug passiert. Das ist hier Ehrensache!

Man freut sich über ein freundliches „Giássas!“ oder „Kalimera“ seitens der Besucher, über ein höfliches „Parakaló“ und ein „Efcharistó“.

Und eine Hand voll solcher Redewendungen und Floskeln sollten für jeden Gast eigentlich selbstverständlich zum Urlaubswortschatz gehören. So mancher Besucher macht es sich nur allzu leicht, tut das Griechische von vorne herein als „unlernbar“ ab, weil es eben nicht einfach von einer der „gängigen“ Fremdsprachen ableitbar ist – und dann noch diese unmögliche Schrift, tststs!

Endlich mal wieder in Chania.

Da setzt der geneigte Tourist doch lieber stillschweigend und ganz selbstverständlich voraus, dass jeder Kreter ja sowieso eine Fremdsprache spricht – und am Besten natürlich bitte gerne Deutsch.

Es verwundert schon etwas, dass zwar die meisten Italien- oder Spanienreisenden zumindest einen Minisprachführer mit sich führen und sich wenigstens im Flugzeug noch ein paar gängige Floskeln einzuprägen versuchen – und sei es nur „Prost“ oder ein (ebenfalls besonders bei Deutschen sehr beliebt) ein „ich möchte mich beschweren…“ – der durchschnittliche Griechenlandreisende aber von vorneherein darauf verzichtet.

Beinahe erbost, im harmlosesten Fall aber doch zumindest erstaunt, ist die Reaktion vieler Reisender, wenn ein auf Deutsch vorgebrachtes Anliegen oder eine Frage vom alten Mütterchen in Schwarz, vor dem Haus Gemüse putzend, nicht gleich bzw. überhaupt nicht verstanden wird.

Zugegeben, ein bisschen sind die Kreter auch selbst daran schuld. So wie es heißt, dass sie die ins Extreme gesteigerte Version der Griechen seien, was Individualität, Temperament und Improvisation angeht, gilt das auch in Sachen Gastfreundschaft.

Nur allzu erstaunt sind sie oft, wenn ein Besucher den Preis einer Fahrkarte oder Wegbeschreibung auf mühsam gelerntem Neugriechisch erfragt. Man erwartet es gar nicht, ist erst überrascht und dann erfreut. Eine Spur französischer Arroganz, ein Tick italienischen Selbstbewusstseins oder eine Idee britischer Ignoranz würde den Kretern manchmal gar nicht schaden und wäre ein angemessenes Mittel, die ach so reiselustigen Deutschen an einen Ausspruch Valentins zu erinnern: „Der Fremde ist fremd in der Fremde“ – und er muss den ersten Schritt gehen.

Die griechische Gastfreundschaft ist kein Fass ohne Boden, und die Grenzen zur Aufgabe der eigenen Kultur, Traditionen, Gebräuche, Gerichte und der eigenen Sprache sind leider schnell überschritten. So mögen doch die Kreter statt „Toast Hawaii“ lieber ihr ureigenstes Essen anbieten und „Hello, yes please“ doch bitte einfach vergessen – die Gäste werden es schätzen lernen!

Ein wunderbarer Auszug aus dem tollen Kreta-Reiseführer.

Tradition und Bräuche: Griechische Gastfreundschaft.

Und noch ein kleiner Tipp:

Griechisch-deutsch-österreichische Gastfreundschaft gibt es auch in der Nähe von Rethymno und Plakias. Dort vermieten Helga und Josef Beibl wunderschöne Villen in Meeresnähe.

Beibl Villa Zeus bei Lefkogia
Villa Zeus bei Lefkogia/Plakias.

Mehr dazu findet Ihr auf der Website www.kretafan.de.

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