Frohe Pfingsten

„Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt.“ So wird das Pfingstereignis in der Apostelgeschichte erzählt. In einem „sanften, leisen Säuseln“ wendet sich Gott dem Elija am Berg Horeb zu.

Auf sehr unterschiedliche Weise kann der Mensch vom göttlichen Mysterium ergriffen werden, von der Gemeinschaft zwischen Vater, Sohn und Geist. Begreifen wird er es im Leben nie. Doch jeder, nicht nur die Christen, darf darauf bauen, dass er getragen, geleitet und begleitet wird vom „Atem Gottes“. Oder, wie es der Jesuit Albert Keller, Theologe und Sprachphilosoph, formuliert hat: Der Heilige Geist „ist vor allem Gabe Gottes, ist Gott in uns, der uns Gemeinschaft mit Gott und untereinander gewährt, der uns befähigt, Gott zu verstehen und zu ihm zu beten, der vielfältige Gaben verleiht“.

Pfingsten ereignet sich im gegenseitigen Verstehen, im Miteinander, im Füreinander-Dasein, aus dem Vertrauen wächst – wenn Menschen sich akzeptieren und respektieren, wenn sie hoffnungsfroh sind, wenn sich die Verbindung zwischen dem Du und dem Ich entwickelt, zwischen Eltern und Kindern, zwischen Freunden. Da lässt sich ein Wehen des Geistes erahnen, unsichtbar und dennoch spürbar – wie der Wind. An solche Nähe wird ein offenes Herz manchmal erinnert. Eine ähnliche Empfindung mag sich dabei einstellen wie bei den Jüngern, die nach Emmaus unterwegs waren.

Können die Zeitgenossen heutzutage noch unbegreifliche oder überraschende Dinge wahrnehmen und einordnen, sich dem Unermesslichen überlassen und ausliefern? In scheinbar auswegloser Lage leuchtet plötzlich ein Licht auf, eine Tür öffnet sich, Zuversicht verdrängt die Angst, ein weiterführender Gedanke bringt den kritischen Dialog zu einem positiven Ende, ungeahnte Kreativität entfaltet sich, ein Journalist findet den treffenden Satz oder Ausdruck, an dem er lange herumgebastelt hat, in einer Schulaufgabe verhilft der rettende Ansatz zur Lösung.

Der Weg ist das Ziel

Wird da nicht das Wirken des Heiligen Geistes „sichtbar“? Paulus gibt in seinem Brief an die Galater Hinweise: „Die Frucht des Geistes sind Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.“

Aber: Wer denkt denn daran, den Heiligen Geist um eine Idee zu bitten, um das Geschenk des guten Willens, und ihm dafür zu danken, ihn anzurufen gegen die heute leider nicht selten zu beobachtende Sprachverwirrung in Kirche und Gesellschaft? Damals in Jerusalem gab es keine Verständigungsschwierigkeiten…

Das Geheimnis zu erschließen, ist gewiss schwierig, es zu entschlüsseln, gelingt nicht. Schon der Kirchenvater Augustinus (gestorben 430) verglich dies mit einem Jungen, der versucht, mit einer Muschel das Meer leer zu schöpfen. Mag das ehrliche Bemühen auf Erden auch nicht zum Ziel führen: Da ist der Weg das Ziel.
Gehört Johann Wolfgang von Goethes „Pfingsten, das liebliche Fest“ in solche Betrachtung?

Ganz sicher: Denn das Aufblühen in Gottes herrlichem Garten, das Wachsen der Frucht, das Ergrünen der Felder, das Zwitschern der Vögel, die Obstbäume als „Blumensträuße“ – ebenfalls Anlass zur Freude, von der Paulus schreibt, Anlass zur Freude an Pfingsten und über Pfingsten.

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