Geburtstage – 19. Dezember: Rudi Carrell

Heute ist mal wieder so ein Tag, an dem man sich eigentlich für das „Eine“ oder das „Andere“ entscheiden müsste – aber wieso eigentlich?

Das hat sich die Musikredaktion auch gefragt und entschieden, dass sie sich heute nicht für das „Eine“ ODER „Andere“ entscheidet, sondern für das „Eine“ UND das „Andere“.

Das heißt, heute gibt es bei Radio Kreta gleich zwei Musikergeburtstage, nämlich Edith Piaf UND Rudi Carrell.
Geht ja gar nicht, einen der beiden da aussen vor zu lassen, egal, wie unterschiedlich sie auch waren und auf welch unterschiedliche Art und Weise sie uns berührt haben. Nun denn, hier also Rudi Carrell´s Leben im Schnelldurchlauf – für alle, die noch mehr wissen wollen, stehen – so wie uns –  die Weiten und Tiefen des WWWebs zur Verfügung.

Rudi Carrell wurde am 19. Dezember 1934 in Alkmaar in den Niederlanden als Rudolf Wijbrand Kesselaar geboren und war Showmaster, Sänger, Schauspieler und Entertainer.

Nach ersten Erfolgen in den Niederlanden debütierte Carrell 1966 im deutschen Fernsehen. In den folgenden 35 Jahren war er mit zahlreichen selbst entwickelten und adaptierten Formaten einer der erfolgreichsten und prägendsten Köpfe der deutschen Fernsehunterhaltung.

Rudolf´s Vater betätigte sich bereits als Entertainer und trat unter dem Künstlernamen „André Carrell“ bei Tourneen in den ganzen Niederlanden und sogar den niederländischen Kolonien auf. Außer Rudi Carrells Vater André war auch sein Großvater im Showgeschäft tätig – er selbst sprang am 17. Oktober 1953 mit achtzehn Jahren in einem Gastspiel für seinen Vater ein. Danach folgten zahlreiche Bühnenauftritte in ganz Holland und ab 1956 ein festes Engagement beim Rundfunksender AVRO. 1960 versuchte Rudolf sich erstmals als Showmaster.

In den Niederlanden wurde er mit der „Rudi Carrell Show“, die 1961 startete, sehr schnell populär. Er gewann 1964 die Silberne Rose von Montreux für eine komödiantische Interpretation von „Robinson Crusoe“ für das Fernsehen.
Beim Eurovision Song Contest 1960 trat er für die Niederlande an und erreichte mit dem Lied „Wat een geluk“ den zwölften und damit vorletzten Platz.

1983 übernahm Rudi Carrell noch einmal die Moderation einer niederländischen Fernsehsendung . die stets unter einem bestimmten Motto stehende Musik-, Sketch- und Spielshow „1-2-3 Show“ war mit einer eigenen Lotterie verbunden.

1965 lief die „Rudi Carrell Show“ bei Radio Bremen zum ersten Mal im deutschen Fernsehen. Seither prägte und beeinflusste er die deutsche Fernsehunterhaltung und stand neben Kollegen wie Peter Frankenfeld und Hans-Joachim Kulenkampff für die Große Samstagabendshow. Legendäre Auftritte sind unter anderem das „Regen-Duett“ zusammen mit Heinz Erhardt sowie die Darbietung einer Variation von „Ein Loch ist im Eimer“ zu Füßen von Heidelinde Weis. Mit Gespür für das Außergewöhnliche ausgestattet, konnte Carrell gelegentlich auch herausragende Künstler aus dem Zirkusbereich mit ihren Darbietungen ins Studio einladen, die sonst der Nachwelt wohl niemals im TV-Format erhalten geblieben wären.

1974 wurde die „Rudi Carrell Show“ durch die Sendung „Am laufenden Band“ ersetzt, bei der am Schluss der Gewinner diejenigen Gewinne mit nach Hause nehmen durfte, an die er sich noch erinnern konnte, nachdem sie auf einem Förderband an ihm vorbei transportiert worden waren.

Rudi Carrell spielte Anfang der siebziger Jahre zusammen mit dem damals 18-jährigen Ilja Richter in verschiedenen deutschen Schlagerfilmen und Komödien wie „Tante Trude aus Buxtehude“ oder „Wenn die tollen Tanten kommen“. Carrell und Richter bildeten damals ein erfolgreiches Komikerduo, das immer wieder in Frauenkleidern auftrat.

Auch als Sänger war Carrell erfolgreich. In vielen seiner Shows sang er Lieder und hatte zwei Single-Hits in Deutschland mit „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“ und „Goethe war gut“

1979 erschien seine Autobiografie „Gib mir mein Fahrrad“ wieder. 1981 sendete der WDR „Rudi kann’s nicht lassen“, im Herbst des gleichen Jahres startete „Rudis Tagesshow“, eine bei Radio Bremen produzierte Persiflage auf die Tagesschau der ARD. Mehrere Folgen lang machte er sich über den damaligen Bundesarbeitsminister Norbert Blüm lustig, indem er, in einer Kulisse, an dessen „Haustür“ klingelte und amüsante Gespräche mit der Tochter oder Frau führte. In der letzten Folge öffnete Blüm die Tür persönlich und bedachte Carrell aus „Rache“ mit einem Eimer Wasser.

Ein Skandal mit internationalem Ausmaß und Morddrohungen entstand, als in der Sendung vom 15. Februar 1987 Ayatollah Khomeini mit Damenunterwäsche beworfen wurde. Der Spot von sechs Sekunden führte zu einer diplomatischen Krise. Deutsche Diplomaten wurden aus dem Iran ausgewiesen und das dortige Goethe-Institut geschlossen. Mehrere Flüge nach Teheran wurden abgesagt. Rudi Carrell war genötigt, sich öffentlich zu entschuldigen.

Ab 1984 lief „Die verflixte Sieben“, eine Show, die an den Erfolg des „laufenden Bandes“ anknüpfen sollte. Jeder Kandidat erhielt und tauschte während der Sendung sieben symbolische Gegenstände. Jeder Gegenstand stand verschlüsselt für einen Gewinn oder eine Niete. Ziel war es, am Schluss das zurückbehaltene, vermeintlich wertvollste Symbol gegen einen Gewinn – der eben auch eine Niete sein konnte – einzutauschen. Zum geflügelten Wort entwickelte sich dabei der in jeder Folge mehrfach vorkommende Ausspruch „Das wäre Ihr Preis gewesen!“ (bitte auf den starken, niederländischen Akzent dabei achten!).

Als eine weitere Sendung unter Carrells kreativer und moderierender Führung startete 1987 die Verkupplungsshow „Herzblatt“. Trotz ihrer Ansiedlung im Vorabendprogramm der ARD, unter zeitweiliger Teilnahme des ORF, konnten das Konzept und der Moderator die Massen an die Fernsehschirme locken und dabei bestens unterhalten. Die Sendung lief im Konzept weitgehend unverändert, nur mit verschiedenen Moderatoren, bis Mitte 2006.

Von 1988 bis 1992 moderierte Rudi Carrell eine wiederum als „Die Rudi Carrell Show“, mit dem Zusatz „Laß dich überraschen“, bezeichnete Sendung, in der Menschen aus dem Publikum überraschend ihre Herzenswünsche erfüllt wurden und Imitatoren von Musikstars auftraten.
Letztere wurden nach einer kurzen Vorstellung immer mit den Worten „Eben noch in der Werkstatt – […] jetzt auf unserer Showbühne!“ eingeleitet. Den Titelsong „Laß dich überraschen“ sang er selbst.

Seit 1996 produzierte er für den Privatsender RTL die Show „7 Tage, 7 Köpfe“, in welcher er auch bis Ende 2002 zur Stammbesetzung zählte. Mit dabei war auch Mike Krüger, mit dem ihn eine langjährige private Freundschaft verband. Der Mitkomiker Kalle Pohl bezeichnete Carrell als einen Workaholic mit einem herausragenden humoristischen Talent.
Ende 2002 zog Carrell sich vom aktiven Dienst vor der Kamera zurück und arbeitete – von Gastauftritten abgesehen – nur noch hinter den Kulissen. Und genau so einen Gastauftritt möchten wir gerne mit Euch teilen: Rudi in Ingo´s Hamburger Imbiss...

In einem Interview im November 2005 bestätigte der Showmaster gegenüber der Zeitschrift Bunte, dass er an Lungenkrebs erkrankt sei.

Am 2. Februar 2006 freute sich der schwer erkrankte Rudi Carrell sichtlich über die Ehrung für sein Lebenswerk mit der Goldenen Kamera in Berlin und konnte er sein Scherzen nicht lassen und sagte:
„Die Tatsache, dass ich hier heute Abend sein kann, verdanke ich vor allem meiner Krankenversicherung, dem Klinikum Bremen-Ost und der deutschen Pharmaindustrie.“
Und er fügte hinzu:
„Mit so einer Stimme kann man in Deutschland immer noch Superstar werden.“

Es sollte sein letzter Auftritt im Fernsehen sein.

Zum Schluss lebte Rudi Carrell zurückgezogen auf seinem Gutshof in Syke. Er starb am 7. Juli 2006 im Alter von 71 Jahren im Klinikum Bremen-Ost an Lungenkrebs.

Die unzähligen Auszeichnungen, angefangen mit der „Silbernen Rose“ für die „Rudi-Carrell-Show“ über verschiedene „Bambi“s, „Goldene Kameras“, „Löwen“, „Bravo Otto“s, Fernseh- und Comedypreise und sonstige Ehrungen bis hin zum Bundesverdienstkreuz I. Klasse für die deutsch-niederländische Verständigung, sowie seine vollständige Disko- und Filmographie lest Ihr bitte z.B. bei Wikipedia nach – das würde den Rahmen hier wirklich sprengen.

Radio Kreta dankt für ganz viele wundervolle Momente, Rudi!


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