Geschichten aus Griechenland: Krisenzeit ist Gründerzeit

Süddeutsche.de

George Tziralis hilft Start-ups. Jetzt, sagt der griechische Unternehmer, sei dafür ein guter Moment. Im Gespräch erklärt er, warum in Krisenzeiten Ideen große Wirkung haben und weshalb er trotz der unruhigen Lage in Griechenland bleiben möchte.

Andere nennen die Krise eine Katastrophe, George Tziralis, 30, nennt sie aufregend: In den Augen des Jungunternehmers ist Griechenland ein Paradies für Start-ups. Während seiner Doktorandenzeit 2007 gründete der Maschinenbauer eine erste, kurz danach eine zweite Firma in Griechenland. Seine Geschäftsidee: Marktforschung über Crowdsourcing, also so etwas wie Massenumfragen im Internet. Die so gewonnenen Erkenntnisse verkauft er an Firmen. Heute sitzt er im Vorstand des Athener Unternehmens Openfund, das mit Know-how und Kapital Start-ups hilft. Stolz stellt Tziralis einen seiner Zöglinge vor: Mit Taxibeat.com, 2011 in Athen gegründet, können Smartphone-Nutzer Taxen bestellen.

SZ: Herr Tziralis, warum fördern Sie mitten in der Finanzkrise Start-ups?

Tziralis: Weil gerade jetzt Menschen bereit sind, Risiken auf sich zu nehmen. Sie gründen eher ein Unternehmen, als sich für den öffentlichen Dienst zu bewerben. Da wird sowieso gespart. Gerade in Zeiten des Umbruchs können ihre Ideen große Wirkung haben.

SZ: Und was ist mit der so oft beklagten griechischen Bürokratie?

Tziralis:Sie ist ein Problem, aber gute Ideen setzen sich trotzdem durch. Wer das Meer überqueren möchte, darf sich nicht vom Verkehr im Hafen aufhalten lassen. Und die griechische Verwaltung hat sogar dazugelernt, Unternehmensgründungen sind mittlerweile schneller möglich.

SZ: Ein Unternehmen braucht zahlungsfähige Konsumenten, die Griechen verdienen aber immer weniger.

Tziralis: Das bedeutet aber auch, dass ausgebildete Arbeitskraft billig ist. Aber ja, griechische Jungunternehmer brauchen eine Idee, die international funktioniert. Dann können sie in entspannten Zeiten zum Marktführer werden. Openfund fördert auch Jungunternehmer aus anderen europäischen Ländern, etwa Großbritannien oder Portugal. Dort besteht also ebenfalls Bedarf, sich bei der Gründung eines Start-ups beraten und fördern zu lassen.

SZ: Sehen Sie Ihre Zukunft auch in diesen politisch unruhigen Zeiten weiterhin in Griechenland?

Tziralis: Letztendlich ist das eine sehr subjektive Entscheidung. Ich bleibe hier, weil ich Arbeitsplätze schaffen und Griechenland zu einem Handelsplatz machen möchte.

Die SZ hat mir ihren Lesern über Facebook, Twitter und Google Plus Menschen gesucht, die in Griechenland leben. Wir haben mit ihnen telefoniert, gesprochen, ihnen zugehört. Und alles aufgeschrieben. Jetzt erzählen wir ihre Geschichten.

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