Geschichten von Kreta – Haarige Traditionen

Wir trafen im Januar 2010, ob unserer Weihnachts- und Jahreswechsel-Odyssee in den frostigen Norden Europas – zum ersten Mal nach ca. 3 Monaten unseren lieben Freund Nikos wieder; in schöner Tradition zum „Frühstück“ („Jammas!“ dann auch….) bei „Manioros“ in Arkolochori.

Zu meinem mittelschweren Entsetzen kam ein dem nicht mehr ganz so jungen Che Guevara ähnlicher Nikos in die Taverne gestapft, nachdem er seine umgebaute BMW schön mit dem Motorblock auf dem gegenüberliegenden Trottoir angelehnt hatte.

Soll heißen, Nikos mit langem Vollbart und einer lockigen, unter einer Jeans-Schildkappe hervorquellenden Haarpracht. Aaaaaaaaaaargh!!!
Nikos sah derzeit mit seinen 44 Jahren locker mal gefühlte 20 Jahre älter aus – erster Eindruck einer ahnungslosen, noch relativ frisch zugereisten Neu-Kreterin.

Nachdem wir nach dem üblichen Geplänkel und Austausch über News aus Arkalochori, Tsoutsouras und Lefkochori die Lokalität dann in Richtung Nikos‘ Elternhaus gewechselt haben und freudig wieder im Familienkreis begrüßt wurden (ich sag wiederum „Jammas….“), wurde uns klar, was es mit der ungewohnten Haarpracht unseres Freundes auf sich hatte.

Und es ging natürlich mal wieder um Familie und Tradition…

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Die Mutter von Nikos‘ Schwägerin (also nicht mal die allerengste Verwandtschaftsbeziehung!!!) war nämlich vor 4 Monaten gestorben und der kretischen (griechischen) Tradition folgend, lassen sich die männlichen Familienangehörigen zum Zeichen der Trauer einen Bart und die Haare wachsen – früher galt das wohl für ein Jahr, heute ist es auf 6 Monate beschränkt.

Ich bin mal wieder mit hängenden Ohren und mittelschwer beschämt ob meines voreiligen „Che-Guevara-Urteils“ abgezogen – ALLES hier hat seine Gründe, auch wenn man manchmal nachfragen muss.

Aber das Nachfragen hat uns noch immer bereichert!

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