Geschichten von Kreta: Neulich im Krankenhaus Teil III – Entlassung und Nachsorge…

Nach Unfallhergang und Erstversorgung(Teil I) und Krankenhausaufenthalt (Teil II) nun also die Entlassung und Nachsorge (Teil III)….

Auf meine Frage direkt nach dem Aufwachen aus der OP-Anästhesie „wann darf ich denn nach Hause?“ hatte ich ja nur ein Schulterzucken zur Antwort bekommen und den restlichen Tag rammdösig im hirnerschütterten Halbschlaf verbracht.

Nun war es aber Samstag morgen, die Sonne ging wunderschön über dem Hafen von Souda auf (das muss man ihnen lassen, ein Zimmer mit Ausblick hatte ich durchaus….!!!) und gegen 9h kam dann auch die Visite in Form des mich operiert habenden Arztes (heute ohne schicke Kopfbedeckung) samt Gefolge in Person der Krankenschwester, die meine Kopfwunde singenderweise auf´s Wunderbarste versorgt hatte.

Also Arm, Hand und Finger aufgewickelt, die Metallpins und den Rest der Fingerwunden (Mittel- und Ringfinger waren ja auch leicht lädiert….) begutachtet, gesäubert, neu umwickelt und mit dem Hinweis, ich solle bitte auf den Oberarzt warten, der mir noch ein Rezept mitgäbe und doch bitte am nächsten Donnerstag in der Ambulanz antanzen, entlassen!!!!

Kurzer Anruf beim Lieblingsscheffredakteur und dann fing das Drama auch schon an: die Autovermietung unserer Wahl war leider ausgebucht….

Aber wozu hat man Freunde?
Ein kurzer Anruf bei Mario „ich kann dir mein Auto leider nicht leihen, denn ich bin selbst grade in Chania am Flughafen, muss aber nur noch kurz zu Lidl und kann Susanne dann vom Krankenhaus abholen, kein Problem!“ – und schon hatte ich eine SMS auf dem Handy: „bin grade bei Lidl an der Kasse und dann gleich bei dir!“.

Ich schickte dann nur noch eine kurze Antwort „aber nicht erschrecken, gell?“ und schon wurde ich bequem nach Hause geschaukelt (Dank nochmal an Mario dafür und dass er seiner Leidenschaft „ich fahr eigentlich schon ganz gern mal flotter auf dieser Strecke“ mit Rücksicht auf meine gebeutelten Knochen nicht nachgegeben hat….).

Dort angekommen wurde ich von einem ziemlich verstörten Mitsos und dem erleichterten Scheffredakteur in Empfang und die Arme genommen (gaaaaaaaanz vorsichtig…) und Mario bekam noch nen Kaffee.

Und ab diesem Moment lernte ich ganz andere Seiten unseres Skilaki kennen: er hat Mario (fremder „Eindringling“ – die werden normalerweise auf´s Wüsteste verbellt!!!) weder angekläfft noch sonstigen Unfug gemacht, sondern ist erst mal um mich rumgesprungen (normal…), dann ganz ruhig geworden (NICHT normal) und hat sich dann ganz dankbar unter Marios Stuhl gelegt (GAR NICHT normal!!!).
Nach dem Motto „der hat mir Frauchen wieder gebracht, der muss einfach ok sein….“.

In den folgenden beiden Wochen, die ich aufgrund der erschütterten Hirnmasse und lädiertem Torso trotz (oder wegen) Außentemperaturen knapp unter oder über 40 Grad vor allem im Bett verbracht habe, wich der kleine Kreta-Köter keine Sekunde von meiner Seite und bezog sogar Wache vor´m Bad, wenn ich denn da drin war. Kein Blödsinn, kein „Frauchen-auf-den-Bauch-springen-und-in-die-Nase-beissen“-Weckattacken – einfach ein ganz sanfter, lieber und besorgter Mitso. Unfassbar!

Und dann besagter erster Ambulanztermin am „Donnerstag danach“:
Kaum hatte ich die orthopädische Ambulanz dann endlich gefunden, traf mich fast der Schlag: ca. 40 wartende Personen tummelten sich auf dem Flur vor besagter Ambulanz.
Und ich mittendrin – und auf meine Frage hin, wer denn der Letzte sei (den ich durch mein Auftauchen dann ja auf den vorletzten Platz befördert hatte) wurde ich direkt von einer Griechin darauf hingewiesen, dass ich eine Nummer ziehen müsste. Die wort- und gestenreiche Antwort auf mein schlichtes „Wo?“ verstand ich leider nicht, was besagte Griechin kurz an den Rand der Verzweiflung trieb, sie dann aber dazu bewog sich zu erheben, mich an der gesunden Hand zu packen und 2 Gänge weiter an die Kasse zu schleifen. Sehr nett!

Ich legte dem Mann an der Kasse meine Entlassungspapiere vor, er riss einen Zettel mit Nummer 12 vom Block ab, kassierte 5 Euro von mir und schickte mich wieder zurück zur Ambulanz.

Hmmmm, Nummer 12 also.
Gefühlt und geschätzte 40 Wartende.

Meine Überlegung war, dass man vielleicht noch einen gewissen „Hang Over“ vom Vortag abarbeitete (also vielleicht bei „Minus 20“ angefangen hatte….), denn anders konnte ich mir diese Menschenmasse nicht erklären.

Bis ich dann das Treiben genauer beobachtete und siehe da: 2/3 der Anwesenden waren putzmunter und in keinster Weise durch orthopädische Gebrechen beeinträchtigt – ganz im Gegenteil: dauernd flitzte jemand zum Kaffee und Koulouri holen, einer hielt dem Patienten die Hand und redete wort- und gestenreich auf ihn/sie ein, kurzum: jeder Patient hatte im Schnitt 2 Familienangehörige zur seelischen und moralischen Unterstützung dabei, was die tatsächliche Patientenanzahl auf knapp unter meiner Nummer 12 reduzierte. UFF!!!!

Nach vielen lautstarken Diskussionen („warum geht dieser Schuft da jetzt einfach rein, der hat doch gar keine Nummer! Ach, da isser ja wieder, hat wohl nur was gefragt, na gut…..“ – „welche Nummer ist denn jetzt grade drin, ist da für mich noch Zeit, eine zu rauchen?“ – „ich hab Nummer 7, wer ist denn grade drin? Die 8! Oh, darf ich dann vor der 9 noch rein, ich war nur kurz auf´n Kaffee…..!“) war ich dann auch mal an der Reihe.

Endlich drinnen wurden mir von einem Raver im grünen Kittel (mittlerweile mein Freund Andreas) die 12 Stiche der frontalen Kopfplatzwunde und auf einen kleinen Hinweis auf die Hinterkopfwunde hin(„bist dir sicher, dass da auch noch was genäht wurde? JAAHAAAA!!! Ach ja, da sind ja die Fäden, gut, dass du mir das noch gesagt hast….“) alle Fäden gezogen. Dann noch kurz die Finger vom Gips befreit und begutachtet und dann wieder ein Termin für die Folgewoche gemacht, der in den Kalender eingetragen werden sollte.

Frage von Andreas: „Dein Name?“
Ich: Susanne Kruger
Andreas: „Kru…. Was???? Wie schreibt man das?“
Ich: „Gib mal Stift, ich schreib´s selbst auf“.
Andreas (mir den Stift reichend): „Woher kommst du?“
Und bevor ich „aus Deutschland“ antworten konnte, brüllte der Arzt aus dem Hintergrund „aus Kakodiki!“

In der Folgewoche wurden mir dann auch die Fäden an Mittel-, Ring- und kleinem Finger gezogen, wobei aus Letzterem immer noch recht rustikal 2 Metallpins herausragten.

Um zu schauen, wie der Heilungsprozess so vonstatten geht, wurde der kleine Finger gescannt und man kam überein, dass es Anfang September noch zu früh war, die Pins zu entfernen, also bekam ich einen Röntgen- und Nachguck-Termin für den 17. September, an dem genau 1 Monat seit der ersten OP vergangen gewesen wäre.

Dumm nur, dass an besagtem 17. September die Krankenhausärzte in einen unbefristeten Streik traten, der – das wissen wir jetzt im Nachhinein – knapp 2 Wochen dauerte….

Wieso ich dann in Deutschland im Krankenhaus und nach mehrwöchigem Antibiotika-Verzehr doch nochmal im Chaniotischen OP gelandet bin, erfahrt Ihr in Kürze im Teil IV….

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4 Kommentare

  1. Oh, du arme su. Vielen dank für deinen detailierten Bericht, so können wir auch aus der ferne an deinem Fiasko teilhaben. Die liebsten genesungswünsche und alles gute, fühle dich liebgedrückt…

  2. Danke, lieber Maik! Die Berichte schreibe ich eigentlich vor allem, damit jeder, der hier mal in die gleiche oder eine ähnliche „Verlegenheit“ gerät, ungefähr weiß, woran er/sie ist. Und, wie gesagt, die Geschichte geht noch weiter ;-)))). Fühl dich zurückgeknuddelt! Su

  3. Ne richtige Odyssee also,gut,wenn man gute Freunde hat, und einen süssen Hund,der Liebe und Wärme gibt!
    In den Wiener Spitalsambulanzen läuft es ja ähnlich ab, so mit Nummerziehen, Anmeldung, böse Blicke der Schwester,wenn man statt um 7h erst um 10h kommt ( erfahrungsgemäß kommt man schneller dran,also wozu so zeitig aufstehen….) und dann die überfüllten Warteräume.Viele kommen auch in Begleitung, und dann wird untereinander diskutiert,wer wann wo welche OP hatte,wie alles abgelaufen ist, manche wurden zur OP bestellt, und kamen dann nicht dran. Und die meisten klammern sich an ihre Nummer und starren auf die 3-4 Nummerntafeln. Dann gehen die Diskussionen los,warum einer mit höherer Nummer früher drankommt ( in den Behandlungszimmern werden unterschiedliche Untersuchungen vorgenommen,daher kann das durchaus passieren…) und so einer mit einer späteren Nummer läuft Gefahr, von einem „früheren“ beflegelt zu werden,als ob man selbst sich das aussuchen könnte.“Sie können gerne meine Krankheit haben“ war mal die lapidare Antwort eines Mannes,der halt früher drankam. Erheiterung bei den meisten war die Folge, dumpfes Resignieren bei den anderen. Ich spreche von der Augenambulanz,aber es ist überall gleich chaotisch.Zwischendurch geht dann mal eine Stunde gar nix weiter, weil die Ärzte auf die Sationen zur Visite müssen. Drum geh ich immer später hin, und geh meist früher heim, als die,die schon seit 7h dorthocken. Etsi einai….LG

  4. Hallo Ilse,
    schön, dass du offensichtlich einen guten Teil kretischer „Gelassenheit“ nach Wien exportiert hast – das hilft einem doch manchmal weiter…. Auch ich war einmal um kurz nach 8h im Krankenhaus und hatte noch mehr Leute vor mir als sonst, wenn ich gegen halb 10h ankomme (weil „Anreise“ mit dem Bus), habe dann eben 3 Stunden, statt der üblichen anderthalb gewartet, kann deine Ausführungen also vollstens verstehen. Den Spruch „Sie können gerne meine Krankheit haben“ finde ich übrigens genial – da sollte der eine oder die andere doch mal bitte ganz nachdenklich werden!
    Na gut, ich widme mich jetzt mal dem Teil IV der Story!
    Bis ganz bald! Ihr hört und lest von uns….

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