Erdbeben-16.04.2016

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Wetter und Erdbeben?

Nun da es seit über drei Tagen im März mehrmals täglich unter unseren Füßen und Gesäßen gerumpelt und gerummst hat und die Erdbeben hier in Südwestkreta von Stärke 2 bis knapp 5 auf der Richter-Skala reichten, dabei auch das Wetter schon seit längerem doch mehr als ungewöhnlich war, kann man sich mal wieder nicht der Frage erwehren, ob zwischen diesem milden, stellenweise stürmischen „gar-nicht-Winter-Wetter“ und den seismischen Auswüchsen nicht doch ein Zusammenhang besteht.

Viele unserer Bekannten sind durchaus dieser Meinung – und wir müssen zugeben, dass das alles gar nicht so an den Haaren herbeigezogen erscheint, wenn man auch nur z.B. unsere letzten Jahre hier im Südwesten der Insel berücksichtigt. Denn da gab es auch schon einige Erdbeben – und irgendwie waren diesen immer Wetterkapriolen vorausgegangen bzw. geschahen parallel dazu….

Nun sind wir ja neugierig und gehen den Dingen gerne auf den Grund, was in diesem Falle allerdings gar nicht so einfach war/ist, da sich hieran auch die renommiertesten wissenschaftlichen Geister zu scheiden scheinen.

Klar scheint nur eins: könnte sein, dass da ein Zusammenhang besteht….– und genügend Hinweise und Theorien, die dafür sprechen, gibt es auch. Aber halt keine wissenschaftlich haltbaren Beweise, doch das lassen wir jetzt einfach mal so stehen und widmen uns besagten Theorien und Hinweisen:

Über 60 Erdbeben die letzten Tage in Südwestkreta.

Erdbeben entstehen ja durch den ruckhaften Abbau von Spannungen in der Erdkruste und finden meistens entlang der kontinentalen Plattengrenzen statt – im Falle Kretas sind das die Eurasische und die Afrikanische Platte. Aber wodurch entsteht so ein ruckhafter Spannungsabbau? Von Vulkanen mal abgesehen eben vermutlich auch durch´s Wetter und durch damit zusammenhängende Druckverhältnisse: sich verändernde Be- und Entlastung der Landmassen, sowie massive Luftdruckveränderung sind da die „heißesten“ Kandidaten – und da haben wir ein paar Fälle zusammengestellt:

Wetter I – starke Regenfälle

Die bei starken Regenfällen entstehenden Sturzfluten entfesseln oft Erdlawinen. Gigantische Mengen Erdreich strömen auf diese Weise vom Festland ins Meer. Damit wird der Weg frei für die nächste Naturkatastrophe, meint der Geophysiker Shimon Wdowinski von der University of Miami: Von Auflast befreit, geraten seinen Aussagen zufolge Felspakete im Untergrund in Bewegung. Die weggespülten Landmassen hatten Klüfte im Boden, die unter Spannung standen, zuvor zusammengepresst wie eine Schraubzwinge.

Dass es beben kann, wenn sich die Auflast des Bodens ändert, gilt als gesichert. Im Jahr 1967 etwa löste das mächtige Wasserreservoir des Koyna-Staubeckens in Indien ein verheerendes Beben aus. Der See füllte sich gerade und fügte dem Untergrund bis dahin nicht gekannte Belastungen zu. Diese führten zum Beben.

Gleichwohl haben Forscher Schwierigkeiten, aus ihren bisherigen Erkenntnissen auch Prognosen abzuleiten. Denn ob der Boden wackelt, hängt auch davon ab, wie die Gleitflächen des Gesteins im Untergrund verlaufen. Schieben sich Erdplatten aufwärts wie in Taiwan, beben sie, sobald Erdreich von ihnen heruntergespült wird – der Boden springt wie eine freigelegte Feder. Andere Orte hingegen sind gefährdet, wenn das Gewicht auf dem Boden zunimmt: Schiebt sich eine Platte ins Erdinnere, kann zusätzliche Auflast sie zum Beben bringen – ähnlich einem Sandkorn, das einen Sandhaufen zum Einstürzen bringt.

Wetter II – massive Schneeschmelze

Diese Überlegung ist für Kreta zwar nicht so wirklich, im Allgemeinen aber völlig berechtigt. Was passiert denn, wenn zum Beispiel auf Grönland die schweren Gletscher schmelzen? Die haben ein Gewicht von Tausenden von Milliarden Tonnen. Das gleiche trifft für die Antarktis zu oder – im kleineren Umfang – auch auf die Gletscher in den Alpen oder auf Island. Wenn diese Gletscher abschmelzen, werden die darunterliegenden Landmassen entlastet. Nun ist es ja so: Die Kontinentalplatten kann man sich tatsächlich als Platten vorstellen, die auf einer zähflüssigen heißen Gesteinsmasse schwimmen. Wenn sie von oben durch das Eis zusätzlich belastet werden, passiert das gleiche wie bei einer kleinen Eisscholle, wenn sich ein Eisbär draufsetzt: Es drückt die Scholle nach unten. Wenn der Eisbär dann wieder runtergeht von der Scholle, steigt sie wiederum auf. Und so ist es mit den Kontinentalplatten: Wenn die Eismassen schmelzen, steigen sie auf. Das geht allerdings sehr langsam. Die letzte große Eiszeit ging vor 10.000 Jahren zu Ende. Da sind auch schon ganz viele Gletscher geschmolzen. Und als Reaktion auf diese Entlastung steigen heute noch die entsprechenden Landmassen auf. Skandinavien, Schottland und Dänemark zum Beispiel heben sich noch heute um bis zu einen Meter in hundert Jahren. Das ist eine ganz langsame kontinuierliche Landhebung; es bedeutet noch nicht zwangsläufig, dass es zu Erdbeben kommt.

kreta-aus-dem-all
Kreta – eine Erdbebenregion.

Wetter III – der Luftdruck

Und hier sind wir bei der u.E. für Kreta interessantesten Theorie angekommen: beim „Erdbebenauslöser“ Luftdruck. Hört sich erst mal komisch an, ist es auch – allerdings nur für diejenigen Menschen, die gegen Luftdruckschwankungen quasi „immun“ sind. Alle anderen wissen nämlich durchaus, welchen Einfluss der Luftdruck auf uns Menschen haben kann – und auch auf unsere ganze Umwelt. Spricht man wie oben von Schlammlawinen oder Schneemassen von Tausenden von Tonnen Gewicht, kann man sich einen Einfluss auf tektonische Verschiebungen zwar leichter vorstellen, als bei dem Gedanken an den Druck der ach so leichten, scheinbar gewichtslosen Luft – aber weit gefehlt! – auch dieser Druck ist nun mal nicht zu vernachlässigen.

Das Erdbebenwetter auf Kreta

Bereits in den ersten Bänden des zwischen 1787 bis 1795 erschienenen physikalischen Wörterbuches (Band 16) des Juristen und Physikers Johann Samuel Traugott Gehler befasst sich dieser mit dem Phänomen „Erdbeben und Wetter“. Er spricht gar von einem „Erdbeben-Wetter“, „wenn im Winter der Südwestwind eine für die Jahreszeit ungewöhnlich milde Temperatur herbeiführt. (…) Die Veränderungen des Barometer-Standes erstrecken sich bekanntlich in ihren wesentlichen Zügen über weite Gegenden. Das hindert aber nicht, dass sie an einzelnen Orten, wo die Lokalität besonders dazu disponiert ist, oder wo die Schwankungen vorzüglich schnell und unregelmäßig eintreten, Erd-Erschütterungen veranlassen oder mit denselben in irgendeine Wechselwirkung treten können, ohne dass es an allen übrigen Orten der Fall zu sein braucht.“

Fazit seiner Untersuchungen ist, dass vor allem bei extrem niedrigen Luftdruck bzw. bei extremen Schwankungen des Luftdruckes vemehrt Erdbeben auftreten (können).

Und das traf unserer unmaßgeblichen Beobachtung nach in den letzten Tagen auf den Südwesten Kretas zu – warm Scirocco meets Earthquake…..

Radio Kreta – hier wackelt nix!

Quellen: Johann Samuel Traugott Gehler’s physikalisches Wörterbuch, Band 16, swr.de, spiegel.de


streamplus.de

Ganz konkret: Das Erdbebenrisiko auf Kreta

Post to Twitter Post to Delicious Post to Facebook Post to MySpace

Ein Kommentar

  1. weitere Möglichkeiten
    zB. HAARP – Wetter und Erdbebenmanipulation oder die kognitive Dissonanz einer manipulierten Masse

Kommentare sind geschlossen.