Griechenland – Austerität im Vollmodus

Autor: Die roten Schuhe

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Mitarbeiter der Troika bei der Arbeit

Eigentlich ist alles gar nicht so komplex, wie immer getan wird. Eigentlich ist alles sogar ziemlich leicht verständlich, und zwar deshalb, weil es einem so leicht gemacht wird, alles zu verstehen. Weil sich ja kaum noch jemand die Mühe macht, ernsthaft zu verschleiern, worum es eigentlich geht.

Worum geht es? Erstens geht es darum, dass kein Geld da ist, zweitens geht es darum, Geld zu beschaffen, drittens geht es darum, das Geld dort zu holen, wo keines ist, um es dorthin zu transferieren, wo das Geld bereits ist. Easy, oder? Mit anderen Worten: Wer hat, der hat. Und wer nicht hat, hat auch etwas, nämlich Pech gehabt. War das jetzt unterkomplex? Meinetwegen, dann ist die Realität halt unterkomplex.

Sehr schön zu beobachten ist die unterkomplexe und darum leicht verständliche Realität aktuell in Griechenland. Bekanntlich ist in Griechenland kein Geld da. Also muss gekürzt und das Geld dort geholt werden, wo keines ist, nämlich bei den Leuten, die so wenig verdienen, dass es zum Leben nicht reicht, aber zum Steuernzahlen reicht es allemal. Findet die griechische Regierung. Hat ihr die Troika so diktiert. Weil die Troika weiß, wie Austerität buchstabiert wird: runter mit den Löhnen, rauf mit den Steuern, weg mit dem wohlfahrtsstaatlichen Sozialballast, rein ins volle Elend.

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Gute Zahlen? Schlechte Zahlen? Wer soll das bezahlen?

Die griechische Regierung hat eine Steuerbefreiungsklausel ausgearbeitet, eigens entworfen für die Mitarbeiter der EU, des IMF und der Task Force. Die bei der Troika beschäftigten Personen, besonders jene mit dauerhaftem Wohnsitz in Griechenland, sind von der Pflicht einer Steuererklärung entbunden. Sie können Villen kaufen, Luxusautos und Yachten und jene Gesetze über Bord werfen, die sie selbst den Griechen aufgezwungen haben.

„Paragraph 4, Artikel 30 der neuen Einkommens-Abgabenordnung sieht vor, dass die Bestimmungen der Artikel 31-34 dieser Ordnung, welche Angaben zu den Einkommensverhältnissen und zu dem Erwerb von Vermögenswerten betreffen, keine Anwendung finden auf jede natürliche Person, die beschäftigt ist in einer Institution der Europäischen Union beschäftigt oder derjenigen internationalen Organisation, die unter internationalem, für Griechenland gültigem Ankommen eingesetzt wurde.“

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Und wieder mal ein erfreulicher Abschlussbericht.

Klingt nach komplexem Paragraphengeschwurbel, wird aber in der Praxis spielend leicht verständlich:

„Praktisch bedeutet dies, dass es allen ausländischen Repräsentanten der Troika und der EU Task Force („call me Reichenbach, Horst Reichenbach“) erlaubt sein wird, Villen, Luxusautos, Yachten und sogar Papiere der griechischen Aktienbörse oder griechische Staatsanleihen zu kaufen, ohne der Finanzbehörde gegenüber zu Angaben verpflichtet zu sein, wo sie das Geld für ihre ‚Spielplatz-Investitionen‘ aufgetrieben haben.“

Sozialneid, anyone? Nicht doch, ihr einkommensschwachen Griechen, kommt einfach an Bord unserer Luxusyacht, da gibt es jede Menge Billigjobs für euch, von Deckschrubben bis Thekendienst, schließlich wollen wir anständig bedient werden, selbstverständlich kostenbewusst, Prinzip Austerität, kennt ihr ja inzwischen zur Genüge.

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