GRIECHENLAND und die Menschheitsformel

Der Standard. ERIC FREY , 28. Jänner 2012 14:24

Warum scheitern Länder wie Griechenland? Das Gefangenendilemma, eine mathematische Parabel aus der Zeit des Kalten Kriegs, erklärt das Grundproblem jeder Gesellschaft.

Jim und Tom wollten gerade auf den Highway auffahren, als sie von einer Polizeistreife gestoppt wurden. Auf dem Rücksitz erblickte der Cop zwei Pistolen, die ganz offensichtlich illegal waren. Er nahm die beiden auf die Polizeistation mit. Dort interessierte Sheriff Eddie O’Flynns vor allem eines: Waren das die Männer, die vor zwei Tagen im Nachbarort die Bank ausgeraubt hatten? Der Sheriff hatte einen starken Verdacht, aber keine Beweise.

O’Flynns setzte Jim und Tom in zwei getrennte Zellen und begann mit seiner bewährten Verhörmethode: „Hör mir einmal zu, Buddy. Wir haben dich mit illegalen Waffen erwischt und können dich und deinen Freund auf jeden Fall für ein Jahr verknacken. Aber wir glauben, dass ihr auch die Bank ausgeraubt habt. Wenn du gestehst und dein Kumpan schweigt, lassen wir dich gehen, und er kriegt zehn Jahre.“ „Und wenn wir beide gestehen? „, fragt Jim. „Dann kriegt ihr beide vier Jahre.“ Jim dachte kurz nach.

Er wusste nicht, ob Tom dichthalten würde. Wenn dieser singt, dann wäre es wohl besser, wenn auch er gesteht. Und wenn er schweigt? „Dann gehe ich frei, wenn ich rede.“ Für Jim ist es klar: Reden ist immer besser als Schweigen. Und auch Tom kommt zum gleichen Schluss: Sie gestehen beide und werden gleichermaßen zu vier Jahren verurteilt.

Sheriff O’Flynns ist zufrieden. Wieder einmal hat er einen schwierigen Fall rasch gelöst. Und innerlich lacht er über die Ganoven: Hätten Jim und Tom geschwiegen, dann wären sie mit einem Jahr Haft davongekommen.

Drei Mathematiker

Diese Geschichte stammt nicht aus der Feder eines Krimiautors, sondern wurde 1950 von drei amerikanischen Mathematikern geschaffen. Merrill Flood, Melvin Dresher und Albert W. Tucker arbeiteten im jungen Gebiet der Spieltheorie und wollten mit ihrem „Gefangenendilemma“ damit zeigen, warum Menschen manchmal nicht kooperieren, obwohl es eigentlich in ihrem Interesse läge.

Der griechischen Misere liegt ebenso ein Gefangenendilemma zugrunde wie dem Elend so vieler afrikanischer Staaten. Fast jeder Grieche weiß, was geschehen muss, um das Land zu sanieren. Aber sie warten darauf, dass andere zuerst ihren Beitrag leisten – die Reichen, die Beamten, die Politiker. Stillstand ist in einer solchen unsolidarischen Gesellschaft unvermeidbar, der Kollaps sehr wahrscheinlich.

Quelle und hier geht es weiter: DerStandard.at

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