„Griechenlands Aufblühen“, von Holger Czitrich-Stahl.

Griechenlands Aufblühen. Begleiterscheinungen, Teil 20 vom 31. März 2015

Von Holger Czitrich-Stahl

Wieder einmal der Rundblick vom Dachgarten: Das Libysche Meer mit der Bucht von Messara, das Kedrosgebirge, der Küstenverlauf in Richtung Westen nach Plakias, dann nach Norden der Psiloritis und dann die von ihm nach Süden eingerahmte, von den vorgelagerten Asteroussia-Bergen eingegrenzte Messara-Ebene, der Gemüsegarten Kretas.

Es hat mindestens doppelt so viel geregnet in diesem Winter wie in normalen Jahren, auch viel häufiger geschneit hat es. Wegen Schneefalls musste sogar die Passstraße nach Heraklion bei Agia Varvara für zwei Tage gesperrt werden, berichtete uns Michalis, der uns per Taxi vom Flughafen abholte. Grün ist Kreta Ende März 2015, unbeschreiblich grün, und überall setzen Margeriten und blühender Klee üppige Farbtupfer in leuchtendem Gelb.

Die Gipfel des Psiloritis, also der Timios Stavros (2456m) oder der markante Mavri (knapp 2000m) mit seinem Doppelhorn, sie sind in dichte und dunkle Wolken gehüllt, aber ihre Ausläufer sind an den Flanken schneebedeckt. Immer wieder prasselt ein Regenschauer hernieder, dazwischen strahlt die Sonne wie bei uns im Mai und lässt die Olivenhaine einen dunkelgrünen Kontrapunkt zu den hellgrün bewachsenen Böden setzen.

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Syrtaki statt Marschmusik

Es scheint, als erblühe Griechenland im Jahr des Wahlsieges der sozialistischen SYRIZA. Starke Niederschläge im Winter und im Frühling bedeuten ein gutes Jahr für die Landwirtschaft, die auf Kreta noch immer allgegenwärtig ist. Kein Vermieter, Arbeiter oder Geschäftsmann, der nicht noch ein paar Olivenbäume, Obstbäume oder einen Gemüsegarten besitzt, vielleicht noch ein paar Hühner. Wein, Raki und Olivenöl, von allem ist reichlich vorhanden und findet sich stets ausreichend als Mitbringsel in der Koffern auf der Rückreise wieder. Es wäre ein gutes Jahr für Kreta, wenn die übrigen Jahreszeiten das halten, was der Winter versprochen hat.

Das gilt nicht minder für das politische Leben. Die Euphorie nach dem 25. Januar, als SYRIZA die Wahlen zur „Vouli“ gewann, ist natürlich banger Erwartung gewichen. Wie viele ihre mutigen Vorhaben können Alexis Tsipras und seine Regierung tatsächlich halten, wie viele Abstriche werden sie machen müssen? Die Spitzen der EU, sie unternehmen alles, um die erste wirkliche Linksregierung im EU-Europa auszuhebeln.

Immer wieder Erpressung: Sparen und Privatisieren ohne Rücksicht auf die kleinen Leute. Will SYRIZA die soziale und materielle Lage der Masse des Volkes verbessern, ist das des Teufels. Will sie an das Geld der Reichen heran und sie endlich besteuern, so ist das erst recht des Teufels, wird aber natürlich so von der EU-Ebene nicht gesagt, andere Ausflüchte müssen her. Brüssel, der IWF und die EZB, aber auch die Bundesregierung wollen SYRIZA stürzen, indem sie sie blockieren.

Doch so einfach wird das nicht funktionieren. Griechenland ist pleite, das hat SYRIZA im Gegensatz zu den EU-hörigen Vorgängerregierungen von Mitte-Rechts immer wahrheitsgemäß gesagt. Wenn die Gesetze der EU also das Gesunden und Erblühen eines Landes verhindern, so ist nicht das Wetter falsch. Falsch ist es jedoch, die Griechen daran zu hindern, so zu säen und zu ernten, wie es für sie am besten ist. Wenn der Dünger aus Brüssel die Böden versauern lässt, so muss man ihn fort lassen. Der Kampf um Griechenland und seine Zukunft inner- oder außerhalb der EU ist voll entbrannt.

Der kretische Vegetationsgott Zeus aber zeigt, die Götter Griechenlands stehen auf der Seite der Menschen. Und Europa ist nicht in Brüssel oder Frankfurt a. M. entstanden, sondern betrat nur wenige Kilometer von hier, in Matala, unseren historischen Boden.

Geschrieben in der Messara/Südkreta


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“Wir müssen nur eines begreifen: Es ist an der Zeit uns selbst zu organisieren. Unser Erfolg hängt ganz allein von unserem Engagement ab. Von der griechischen Politik können wir keine große Unterstützung mehr erwarten. Die haben uns in den letzten Jahren komplett im Stich gelassen.

Nur wenn wir unser Schicksal selbst in die Hand nehmen, können wir für uns und unsere Kinder eine Zukunft in diesem Land sichern. Darüber hinaus würde ich sagen, wer schlecht über uns denkt, der kennt uns eben nicht gut genug.” Nikos Tsoutsos, ehem. Bürgermeister.

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