Griechische Neujahrsbräuche – die Weiße Meerzwiebel.

Für viele Menschen steht der Jahreswechsel für die Hoffnung auf Erneuerung, Verbesserung und ein „Alles wird gut“. Daher auch die vielen guten Vorsätze zum Jahreswechsel, die meist spätestens Mitte Januar schon wieder unerfüllte Geschichte sind. Das ist hier auf Kreta nicht anders.

Deswegen schaut man natürlich, dass das neue Jahr auch bestmöglich anfängt. Da werden alte Rituale bemüht (siehe das Bleigiessen und ähnliches), die im neuen Jahr hoffentlich dann auch das erwartete Glück bringen. Hier in Griechenland ist eines dieser Rituale, dass man Zwiebeln an die Eingangstür seines Hauses hängt.

Die Zwiebel ist ein Symbol der Wiedergeburt, der Fruchtbarkeit, der Erneuerung und des Wachstums.

Die Gründe hierfür sind ebenso logisch wie einfach: lässt man eine Zwiebel einfach so rumliegen, fängt sie an zu sprießen, sich also quasi zu vermehren (Anm.d.Red: das tun Kartoffeln zwar auch, aber wahrscheinlich kann man Zwiebeln besser aufhängen..). Folgt man der griechischen Logik, ist das das ultimative Symbol der Fruchtbarkeit und deswegen hängt man sich gerne eine Zwiebel an die Haustür – nämlich um den Menschen dieses Haushalts bei persönlichem Wachstum, der Erneuerung und der Gesundheit zu helfen.

Aber welche Art von Zwiebel benutzt man hierfür?

Traditionell wird für diesen Brauch die Weiße Meerzwiebel (wissenschaftl. Name „Urginea maritima“ oder auch „Drimia maritima“) verwendet, die gerade jetzt im Winter auf der ganzen Insel wild und im Überfluss wächst.

Auch wenn sie schön aussieht und überwältigend blüht, ist sie an und für sich nicht sehr beliebt – denn sie ist giftig. Nun ja, kommt natürlich – wie bei allem – auf die Dosis an. Die wichtigsten pharmakologisch wirksamen Substanzen sind circa 12 verschiedene Herzglykoside, das Indikationsgebiet sind leichte Formen der Herzinsuffizienz (die Pflanze hat somit eine herzkraftsteigernde Wirkung). Aber bitte nicht zu Hause ausprobieren!!!

Der Gebrauch der Meerzwiebel als Arzneipflanze reicht bis in die Antike zurück. Theophrast und Plinius empfahlen sie wegen ihrer harntreibenden Wirkung, Dioskurides verwendete sie bei Wassersucht und Asthma und Albertus Magnus sah in ihr eine regelfördernde Wirksamkeit. Im 18. Jahrhundert wurde dann die direkte Wirkung auf das Herz entdeckt. Weiterhin war die Anwendung als Rattengift (Rodentizid) gebräuchlich. Ironie des Schicksals, dass eine solche Weiße Meerzwiebel wild neben dem Grab unseres vor fast genau 2 Monaten vergifteten Linus´ wächst…

Weisse Meerzwiebel an Linus´ Grab
Wilde weiße Meerzwiebel an Linus´ Grab.

Man glaubt(e), dass die Pflanze aufgrund ihrer Regenerations- und Reproduktionsfähigkeit mystische Kräfte hat. Heiden betrachteten diese Zauberkräfte als ein Geschenk des Gottes Pan – dem Patron der Natur und der Wildnis – und „opferten“ ihm gerne mal diese Zwiebeln, um ihn um einen Gefallen zu bitten. Das Christentum übernahm bzw. führte diese Praxis fort – und deswegen kann man zu Neujahr an vielen Türstöcken diese Zwiebeln baumeln sehen. Auf dass sie böse Geister fernhalten und ein neues Jahr voller Guter Dinge bescheren.

Wann und wie hängt man nun die Zwiebel(n) auf?

Für die Griechen ist es ein sehr wichtiges Ritual, das aber natürlich auch seinen Regeln folgt: Normalerweise geht man in die Neujahrsmesse, sammelt sich auf dem Heimweg eine wilde Weiße Meerzwiebel ein und hängt diese dann an der Eingangstür oder auch im Inneren des Hauses auf. Wichtig ist, dass dies NACH der Messe geschieht, denn diese ist Teil des Rituals!

Und dies ist nur eines der Neujahrsrituale, die alle nur einen Zweck haben: sicherzustellen, dass das neue Jahr voller Segen sein wird. Und die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Aber der Glaube versetzt ja auch Berge…

Wir werden am Neujahrstag diesem Ritual auf jeden Fall folgen (weiße Meerzwiebeln wachsen hier um uns rum zu Hauf) und das einfach mal im Selbstversuch testen (also nicht die pharmakologische Seite, sondern die mystische) – wir berichten dann einfach an Silvester 2017, wie das Jahr so gelaufen ist 😉

Radio Kreta – wir wünschen allen ein gutes neues Jahr, Rituale hin, Aberglaube her!


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Unsere Quellen: Fischer Vassilis, unser Garten, die Natur rund um uns rum, die Chaniapost und Wikipedia.

Ein ungiftiges Ritual zum Jahreswechsel: der griechische Neujahrskuchen Vasilopita.

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