Griechische Winterwirtschafts-Flüchtlinge – Bulgarien oder Thailand?

Die seit Jahren von der Wirtschafts-/Finanz-/Ethik- und Moralkrise gebeutelten Griechen wollen trotz oder gerade wegen allem gerne doch hin und wieder ein bisschen Spaß haben.

Da das in Griechenland in den letzten Jahren denkbar schwierig und vor allem teuer bis unerschwinglich (für die Griechen, die kaum noch was verdienen) geworden ist, tendieren die im Grenzgebiet zu Bulgarien lebenden Griechen dazu, hin und wieder mal einen kleinen Ausflug über die Grenze, vorzugsweise in´s benachbarte Ivajlowgrad zu unternehmen. So und ähnlich berichtet es jedenfalls die Deutsche Welle.

Viele Kreter fahren auch nach Thailand. Warum? Das erfahrt ihr weiter unten.

Doch nun erstmal nach Bulgarien. Denn das besagte bulgarische Dorf ist nur ca. 50km vom heimatlichen griechischen Örtchen entfernt, in dem sich die Einwohner von Gott und der Welt, vor allem aber von den Politikern und „Vor-Wahl-Versprechern“ verlassen und verraten fühlen.

Wer durch das griechisch-bulgarische Grenzgebiet fährt, sieht vor allem verlassene Fabriken und Häuser, abgelegene Dörfer und zum Teil aufgerissene Nebenstraßen. Diese Region scheint unter den verordneten Sparpaketen in Griechenland am meisten zu leiden. Politiker? Kommen nur vorbei, wenn Wahlen bevorstehen, so empfindet man die Situation.

Wirtschaftsflüchtlinge

„Es gibt keine Arbeit, unsere Parlamentsabgeordneten, die bei uns waren, haben keine großen Projekte an Land gezogen, um junge Leute zu halten. Die sind logischerweise dann abgehauen. Die Politiker sollen mal in die abgelegenen Dörfer kommen.

Um zu sehen, was es für Probleme gibt, wo sie helfen könnten, vielleicht eine Fabrik bauen zu lassen. Auch wir gehören zu Griechenland und nicht nur Peloponnes, Kreta oder Athen. Sie isolieren uns und tun so, als gäbe es uns nicht ….

Das geht nicht!“ – so ein empörter Grieche aus besagtem Grenzgebiet.

Die Preise in Bulgarien belaufen sich auf maximal die Hälfte des Niveaus in Griechenland – da kann man es essens- und trinktechnisch auch ein- oder zweimal im Monat krachen lassen. Einmal Volltanken kostet in Ivajlowgrad 40 Euro, während es in Griechenland mit mindestens 60 Euro zu Buche schlägt. Rechnet sich auch, wenn man eh um die Ecke wohnt.

Und auch arbeitskräftetechnisch lohnt sich so ein kleiner Ausflug hin und wieder: griechische Besitzer von Baumwollfeldern und Olivenhainen akquirieren hier gerne ihre Mitarbeiter – die sind fleißig und günstig – man muss ja sehen, wo man bleibt! Und im bulgarischen Grenzgebiet spricht sowieso fast jeder Zweite mehr oder weniger fließend Griechisch – da ist die Verständigung kein wirkliches Problem, weder bei der privaten „Sause“, noch bei der Arbeitsvergabe.

Steuerflüchtlinge

Noch dazu verzeichnet Bulgarien seit einigen Jahren immer mehr griechische Firmenregistrierungen, was bei einem Steuersatz um die 10% ja auch kein Wunder ist. Auch hier sieht man immer mehr Luxuskarossen mit bulgarischen Kennzeichen – drin sitzen aber Griechen… Und womit? Mit Recht! Ist nur die Frage, wie lange das noch gut geht….

Noch dazu wandern meist junge Griechen, die dem inländischen Arbeitsmarkt – meist sogar gut ausgebildet – zur Verfügung stehen würden, aufgrund mangelnder Erwerbsmöglichkeiten und Perspektiven im Heimatland in´s (außer-)europäische Ausland ab – da stimmt doch was nicht!!!

Winterflüchtlinge

Und auch hier auf Kreta gibt es sie – die „Flüchter“! Diese vertschüssen sich im Winter – gerne von November bis März/April (je nachdem, wie die Osterfeiertage im betreffenden Jahr fallen) – in Richtung Südostasien, gerne nach Thailand, weil´s da a) wärmer und b) billiger ist.

Viele haben das auch verdient. Der Sommer war lang. 7 Tage Wochen mit 14 Stunden Arbeit.

Die Flugpreise halten sich, wenn man denn termintechnisch eher flexibel ist, ebenfalls in Grenzen. Da lohnt sich die Überlegung, ob man denn ggf. seine Kneipe über Winter offen, sich von den unkalkulierbaren Stromkosten und dem ebenfalls nicht kalkulierbaren und erfahrungsgemäß eher sehr gemäßigten Publikumsansturm überraschen lassen will – oder halt lieber gen Südostasien entfleuchen will, um dort einen warmen und lebenshaltungskostentechnisch eher günstigen Winter zu verbringen.

„Closed“. Eine Wirtschaft im Winter.

Manche der Südostasien-Flüchter nehmen sogar ihr eigenes Olivenöl nebst Zitronen dorthin mit, denn dort gibt es ja nun mal kein kretisches Olivenöl und vor allem Limetten, die dem kretischen Gaumen nicht allzu sehr munden. Naja, wer´s braucht….

Da fragt man sich schon, warum eigentlich alle meinen, in der Weltgeschichte rumflitzen zu müssen, statt ganz gemütlich und gediegen die Vorteile der eigenen Heimat zu genießen – grade im Winter, wo alles grünt und blüht!

Radio Kreta – mal wieder nicht so viele Köpfe, wie man eigentlich schütteln will.

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Ein Kommentar

  1. Kann ich auch bestätigen. Ca. 50-80% meiner kretischen Bekannten, insbesondere die jungen fliegen über den Winter nach Thailand, Bali, Vietnam usw.
    Das sind junge Leute um die 30-40, die gut, meist selbsständig im Tourismus Geld verdienen.
    Ich kenne aber auch Leute so um die 60 die sich das gönnen.
    Der Großsteil der kretischen Bevölkerung wird sich das nicht leisten können.

    LG Marcus

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