Griechischer Tierschutz nun gesetzlich „verschlimmbessert“.

Das griechische Ministerium für ländliche Entwicklung plant mehrere Änderungen im Tierschutzgesetz von 2012. Das Ziel des Ministeriums ist Berichten zufolge (unsere Quelle ist mal wieder keeptalkinggreece.gr) das verbesserte „Tiermanagement“ vor allem durch lokale Gemeinden und die Reduzierung der Anzahl der Streuner.

Viele Details zu den Rechtsvorschriften, die voraussichtlich Anfang Februar 2018 für die öffentliche Diskussion bekannt gemacht werden sollen, wurden nicht veröffentlicht. Griechische Medien berichten jedenfalls, dass die Änderungen unter anderem eine Gemeindegebühr beim Kauf eines Haustiers beinhalten.

Der neue Gesetzentwurf

Der neue Gesetzesentwurf sieht eine Verschärfung der Registrierung und Kennzeichnung von Haustieren und Streunern vor, um unverantwortliches Verhalten, Tierhandel und die Aussetzung von Tieren zu reduzieren. Es werden Institutionen geschaffen, um sicherzustellen, dass das Geld – sowohl öffentliches Geld als auch Spenden von Tierfreunden, bestmöglich zum Schutz der Tiere eingesetzt wird.

Linus mit Katzen
Linus (li) macht Tierschutz.

Hauptverantwortliche für die Streuner sind die Gemeinden, die die Möglichkeit bekommen, ihren eigenen Arbeitsstil im Umgang mit dem Thema zu wählen. Unter anderem könnten sie Gebühren für den Kauf eines Tieres erheben, während die Adoption eines streunenden Tieres gleichzeitig kostenlos wäre. Ohne Gebühr wird auch der Kauf eines Hundes aus gesundheitlichen Gründen, wie Blindenführhunde, erfolgen.

Für importierte Tiere, die zum Verkauf angeboten werden, müssen Garantien für das Wohlergehen und die Rückverfolgbarkeit von der Geburt, dem Transport nach Griechenland, dem offiziellen Verkauf und der Nachweis geeigneten Wohnraumes gewährleistet sein.  

Laut den Daten des Ministeriums gibt es etwa 200.000 registrierte Haustiere und 20.000 Streuner (Anm.d.Red: wir glauben, da liegt eine Verwechselung vor. U.E. dürften es ca. 20.000 registrierte Haustiere und 200.000 Streuner sein….).

Die Gesetzesänderungen beziehen sich auf Tierbesitzer und alle Beteiligten wie Freiwillige, Tierfreunde, Tierärzte, Gemeinden. Es ist noch zu früh, um die Änderungen im Tierschutzgesetz zu beurteilen, da es vorläufig nur eine kurze und sehr allgemeine Darstellung des Ministeriums für die offizielle Nachrichtenagentur in Athen gibt.

Die persönliche Meinung von KTG:

Es könnte äußerst kontraproduktiv sein, den Kommunen zu erlauben, sich auf ihre Weise mit dem „Tierproblem“ auseinanderzusetzen. Es ist gefährlich, teilweise sogar kriminell, weil in einigen ländlichen Gebieten einige Gemeinden nur darauf bedacht sind, grünes Licht zu bekommen und radikale Maßnahmen gegen die armen Streuner vorzunehmen. 

Streuner offiziell registrieren? Wer wird das tun?

Werden ab sofort Gemeindearbeiter in der  Gegend von Athen spazieren gehen und jede streunende Katze fangen, um sie zu registrieren? Wie wäre es mit realistischeren Plänen wie der Sterilisation von streunenden Katzen und Hunden, wie von der Arche Noah schon seit Jahren – trotz allem politischen und „a-sozialem“ Gegenwind von Seiten der Griechen – dankenswerterweise hier praktiziert?

Yogi Mitso
Mitso: Aktiver Tierschützer auf Kreta.

Institutionen, die mit Spendengeldern von Tierfreunden umgehen sollen?

Ein Scherz, oder? Werden Spenden von Tierfreunden tatsächlich in den Kassen von Tierschutz-Institutionen landen und auch tatsächlich ihrem eigentlichen Zweck zugeführt werden? Oder werden die Institutionen die Tierschutzgesellschaften dazu zwingen, die Spenden an sie abzugeben?

Tatsache ist, dass die Mehrheit der Gemeinden keine eigenen finanziellen Mittel für Tierärzte, Tierheime etc.  und auch weder die Ressourcen noch die Absicht haben, streunende Tiere zu registrieren oder zu sterilisieren. Der neue Gesetzentwurf sieht also vor, „Institutionen“ zu schaffen, die von einer Einzimmerwohnung mit Kasse aus operieren, wohin das Geld der Tierfreunde fließt und von dort aus an die Gemeinden verteilt wird? Und wer kontrolliert die Verwendung dieser Gelder (Spenden!)?
Der stellvertretende Minister für ländliche Entwicklung, Yannis Tsironis, sagte einige triviale Dinge wie „das primäre Ziel ist der Schutz und das Wohlergehen unserer kleinen Freunde“ und andere Gemeinplätze wie „das Tierproblem betrifft uns alle“ oder „absoluter Respekt und harmonische Koexistenz ist kein Luxus, sondern ein Maß für unsere Kultur und Menschlichkeit.“  

Minister ohne Ahnung

So viel nichtssagendes BlaBla bezüglich eines Themas, das Tausende von Leben betrifft – von einem stellvertretenden Minister, der offensichtlich wenig Erfahrung und keine Ahnung von der Sache hat, mit der er sich gerade beschäftigt oder beschäftigen muss. Wie war das mit dem Bock und dem Gärtner? 

Beamte des Ministeriums weisen den Verdacht zurück, dass das neue Gesetz die Tötung Tausender streunender Tiere erleichtern werde. „Es bedarf einer morbiden Vorstellungskraft, zu denken, dass wir zur Euthanasie übergehen würden. Kein diesbezüglicher Vorschlag wurde von irgendjemandem vorgelegt, und wir wären auch nicht bereit, ihn zu akzeptieren. Euthanasie wird weiterhin nur aus medizinischen Gründen vollzogen werden – so, wie es bei geltendem Recht der Fall ist“.

Die Streuner in diesem Land wurden bisher immer wieder als Ping Pong Ball zwischen dem Staat und den Gemeinden eingesetzt. Jetzt wirft der Staat den Ball den Gemeinden zu. Aber ohne Finanzierung? Oder wird die Finanzierung durch die Gemeindegebühr auf Umsätze aus Zoohandlungen gestemmt? Das muss der Witz zum 3. Jahrestage der regierenden SYRIZA-ANEL-Partei sein! 

Ist halt nur gar nicht witzig. Wir sind gespannt auf die Details des besagten Gesetzentwurfes, der hoffentlich bald auf der Website der Regierung veröffentlicht wird. 

Unsere Meinung

In der Zwischenzeit machen wir einfach weiter mit dem Tierschutz hier im Kleinen. Gemeinsam mit PAWS Paleochora wuppen wir hier schon ganz schön was. Und all die anderen Tierschützer auf der Insel natürlich auch. Da sollen die in Athen erst mal ihre Gesetze verabschieden. Wir haben uns schon längst verabschiedet!

Radio Kreta – Tierschutz ist nämlich wichtig!


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Wer etwas für den Tierschutz tun möchte, kann das hier bei uns im Shop machen. Der Erlös kommt dem Tierschutz zugute. Danke.

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Ein Kommentar

  1. 1. Pflicht ein Haustier zu chippen fände ich sehr gut.
    2. Pflicht sein Haustier Kastrieren/sterilisieren zu lassen und dies z.B. in einer Frist von … nach dem Kauf z.B. beim Tierarzt vorzulegen.
    3. Mehr möglichkeiten auch von Touristen tierquälereien zu melden diesen dann auch nachgegangen und geahndet wird.
    4. es bleibt alles so wie es ist……und ist einfach eine schande für so ein wunderschönes Land das man das Tierschutzproblem nicht in den Griff bekommt.
    Das Umdenken fängt so langsam bei den Einheimischen, so habe ich es erlebt in den letzten Jahren, aber viel zu langsam eben 🙁
    Ich glaube da hat Silke Wrobel in so vielen Jahren sehr sehr gute Arbeit geleistet im Tierschutz selber sowie in Sachen Beratung.
    Nur sind leider manche Menschen einfach mal Beratungsresistent 🙁
    Jeder sollte die Verantwortung für ein angeschafftes Tier sehr ernst nehmen und somit so viele arme streunende Seelen vermeiden.
    Das ist möglich….man muss es nur tun!

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