Eine Kerze am Syntagma-Platz

Von Edit Engelmann, Athen, 24°.

Stelios Kimpouropoulos wird am 16. Juli um 20:00 Uhr vor dem Parlament am Syntagma Squre in Athen sein – und er wird warten. Der 28-jährige Student ist schwer körperbehindert und beschreibt sich selbst als Trainee Psychiater und ist in jeder Hinsicht ein Forscher und Fan der Menschenrechte.

Was er damit bezwecke, wird er gefragt? Er kann darauf keine Antwort geben. Er weiss nicht, was er morgen sein wird, er weiss nicht, was er erreichen wird oder was überhaupt das Erreichen wert sein wird. Mit Sicherheit weiss er nur, dass er in Kürze Nichts sein wird. Denn:

  • Ein Mensch ohne Träume ist kein Mensch.
  • Ein Mensch ohne Ziele ist kein Mensch.
  • Ein Mensch ohne Hoffnung ist kein Mensch.
  • Ein Mensch kann nicht ohne ein Morgen leben.

Warum sind wir in dieser Verfassung? Weil wir ein Leben ohne Leistungen, ohne Werte und ohne Visionen leben. Weil wir aufgehört haben, an den richtigen Lohn für die richtige Tat zu glauben. Weil wir unser Leben einer Finanzlotterie überlassen. Weil wir unsere Jugend nicht mehr erziehen. Weil wir ihnen keine Bildung mehr mitgeben.

Aber er sieht Funken der Hoffnung. Er glaubt daran, dass er in einer echten Demokratie leben kann, in echter Freiheit, mit wirklicher Erziehung, Gesundheit und einer realen Wirklichkeit. Er weiß nicht, ob dies die Stunde NULL ist. Aber er definiert sie als SEINE Stunde NULL. An seinem Geburtstag möchte er diese Stunde feiern. Vor dem Denkmal des unbekannten Soldaten. Er ruft uns allen zu: Kommen Sie und bringen Sie eine Kerze als Symbol der Vision für morgen mit. Bringen Sie ebenfalls Ihre Ideen mit – nicht die Parolen vergangener Demonstrationen – sondern Ihre Visionen, Ihre Möglichkeiten für eine Zukunft und lassen Sie uns diskutieren, wie wir sie in die Tat umsetzen können.

Es soll eine offene Debatte werden mit freien Menschen. Er will keine Diskussion des Schwertes, sondern des Geistes und des Willens. Denn er möchte in seinem Land leben – in einem Land, das Werte hat und auf das sich der Bürger verlassen kann.

Wollen wir Stelios damit alleine vor dem Denkmal stehen lassen? Will er nicht genau das, was wir alle wollen? Wir werden dort sein. An seiner Seite. Mit einer Kerze. Und wenn Sie nicht kommen können, dann zeigen Sie Stelios, dass er mit seiner Kraft nicht alleine ist – und stellen Sie eine Kerze ins Fenster – wo auch immer Sie sind!


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