Holgi schreibt: Von Zakynthos

An die eigene Nase gefasst! Aktueller Kommentar vom 13. Juli 2013. Von Holger Czitrich-Stahl.

Die Legende der Country-Musik, der US-Amerikaner Kris Kristoffersen dürfte einigen von Ihnen bekannt sein. Er gehört dem fortschrittlichen Teil seines Genres an, spielt mit anderen Größen wie Willie Nelson oder Johnny Cash zusammen und komponierte Janis Joplins posthumen Superhit „Me and Bobbie McGee“. In einem seiner weiteren zahllosen Hits rät er seinen Fans augenzwinkernd „Blame it on the Stones, blame it on the Rolling Stones“, schiebt alles den Rolling Stones in die Schuhe, denn diese galten nach dem Desaster von Altamont als die Verkörperung des Satans für „anständige“ US-Bürger.

Das ist Kris Kristofferson, nicht Holgi.
Das ist Kris Kristofferson, nicht Holgi.
Heutzutage schieben wir in den besser gestellten Staaten Europas Misserfolge, Rückschläge, Rezessionen, Krisen gern den Griechen, Spaniern, Portugiesen oder Italienern zu; „blame it on the Mediterraneans“, frei nach Kristoffersen. Diese seien zu lasch, zu wenig arbeitsam, zu erfinderisch bei der Steuervermeidung, zu unorganisiert, zu anarchistisch, zu sehr Heute-Menschen usw. Und jeder von uns kennt Fälle oder Situationen, die zum Vorurteil passen wie der Deckel auf den Topf. Fast könnte man einer Weiterentwicklung des „Sarrazinismus“ für Europa das Wort reden, kannte im Falle dieses unsäglichen Druckwerkes nicht beinahe jeder einen Araber mit neun Kindern, darunter fünf verschleierte Mädchen, Hartz-IV und einem roten Ferrari? Doch sollte man bei alledem nicht vergessen, beim Suchen des Splitters im Auge des Gegenüber nicht den Balken im eigenen Auge zu bedenken. Kürzlich unternahm ich wieder einmal eine historische Studienreise nach Athen, ins Zentrum der Krise Griechenlands.

Doch klappte dort alles wie am Schnürchen, die Athener waren freundlich gesonnen, wenngleich verärgert über die Regierungspolitik in Sachen ERT, um guten Service bemüht, hilfsbereit und gastfreundlich. Die Anzahl der Pannen war gleich Null, alle Vorhaben klappten, am Flughafen waren alle Koffer da. Doch dann kamen wir auf dem Rückflug in Berlin-Tegel an. Ein Shuttle brachte einen Teil der Fluggäste nach Terminal C, den anderen zum Teminal E. Gleiches geschah in Sachen Gepäck. Des Missgeschickes gewahr geworden übte man sich zunächst in beredtem Schweigen. Als dann Protest aufkam, versuchte man uns auf den folgenden Tag zu vertrösten, es war schließlich schon 22 Uhr! Als wir dann lautstark wurden, gab man schließlich das Gepäck doch noch aus. Kommentar: „Auf die Griechen schimpft man, doch hier geht es vor wir in der 3. Welt!“ Eine Woche später nach dem Unwetter: Chaos in Tegel, zahllose Flüge mussten umgebucht werden. Noch halbwegs verträglich in der Zeit kamen wir in Griechenland an. Unsere Koffer? Fehlanzeige. Einen Tag mussten wir warten, bis sie zum Urlaubsdomizil gebracht wurden. Wer war verantwortlich? Eine deutsche Airline und ein Schweizer Flughafen.

Wer sorgte für die Lösung? Olympic Air, die Fluglinie aus Griechenland, die im Zuge der Finanzkrise privatisiert und teilabgewickelt wurde! Merke: Wer sich nicht an die eigene Nase zu fassen bereit ist, könnte bald aussehen wie Harlekin! Und im Übrigen bin ich der Meinung, dass der Kapitalismus überwunden werden muss!

Ein wenig Quergedacht?

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