Immer mehr, immer öfter: Seniorentourismus auf Kreta.

Bitte die Überschrift nicht falsch verstehen: da ist gar nix Schlimmes oder Böses dran! Es ist einfach eine Tatsache, mit der ich täglich wieder in Kontakt komme und die mich dazu bewegt hat, mich auch hier mal wieder zu melden. Das war ja nun mal eine ganze Zeit lang nicht der Fall, erst war da der Winter, den ich mal wieder in Deutschland verbracht habe – und dann, kaum zurück auf der Insel, hat der Saison-Wahnsinn mit meinen 3 Teilzeitjobs schon wieder seinen Tribut gefordert.

Das Beste an diesen verschiedenen Jobs ist, dass ich die Informationen, die ich halt – gewollt oder ungewollt – aus dem einen Job habe, auch immer wieder mit denen des 2. und 3. Jobs abgleichen kann. Und irgendwie läuft immer alles auf´s Selbe raus.

Die Saison verschiebt sich nach hinten (die Buchungen für September und Oktober beginnen, die für die „klassischen Urlaubsmonate“ Juli und August zu übertreffen!) – und immer öfter sind es die älteren Herrschaften, die zu dieser späthochsommerlichen Zeit hier ihren Urlaub verbringen wollen. Und wenn ich sage „ältere Herrschaften“, dann meine ich auch das gar nicht abwertend, sind das doch Menschen im besten Papa-Mama-Schwiegereltern-Alter. Von ein paar Zipperlein mal abgesehen durchaus noch fit für ihr Alter, reiselustig und gut drauf.

Der griechische Rollator?

Nur sind da halt nun mal die Zipperlein, auf die sich die Anbieter von Unterkünften, Autovermieter und Fahrradverleiher nach und nach einstellen müssen – und es auch tun. Da geht im Spätsommer auf einmal die Nachfrage nach High-Tech-Mountainbikes mit Karbon-Rahmen und Scheibenbremsen doch ganz easy mal zu Gunsten von 3-Gang-Fahrrädern mit tiefem Einstieg und Rücktrittbremse in den Keller. Da heißt es: vorbereitet sein.

Auch bei den Unterkünften ist das ähnlich. Muss Opa erst mal gefühlte 28 Stufen an seinem Krückstock die Treppe hochkraxeln, entscheidet er sich wahrscheinlich eher für eine ebenerdige Unterkunft – oder eine, bei der er vielleicht nur wenige, dafür aber breitere Stufen zu erklimmen hat, idealerweise mit Geländer.

Und bei Mietwagen geht der Trend natürlich eher in Richtung Autos, in die man leicht rein und auch wieder raus kommt. Sportflitzer mit tiefen Sitzen sind da eher nicht so begehrt – dafür aber Wagen mit Automatik-Getriebe.

Es gibt Schweizer, die kommen sogar mit einem großen Moped.

Was ich mich nun nur immer mal wieder frage ist, was denn in 10 oder 20 Jahren so ist. Okay, da gibt es auch Jungvolk und junge Familien, die entweder in den Fußstapfen ihrer Altvorderen den Weg hierher finden, oder einfach mehr oder weniger zufällig hier landen, aber – und das ist zugegebenermaßen mein ganz persönliches und unmaßgebliches Empfinden – die Gäste werden immer älter.

Ist der kretische Tourismus darauf entsprechend vorbereitet?

Keeptalkingreece.com hat Daten aus einer Studie des Institutes des Verbands griechischer Tourismusunternehmen (INSETE) veröffentlicht, die vor allem sagen, dass Touristen im sogenannten „dritten Lebensabschnitt“ (65+), die 2016 Griechenland für Urlaube besuchten, dort rund 2 Mrd. Euro ausgegeben haben. Besagte Studie basiert auf Angaben der IPK International, sprich einer auf die Erforschung des Reiseverhaltens der Touristen spezialisierten Firma.

Ein paar Zahlen, Daten und Fakten

Fakt ist: Touristen im Seniorenalter sind eine lukrative Klientel

Die Schweizer nach langer Reise: Luzia und Hans mit Riesen-Hamburger in Paleochora.

Diese Senioren, die Griechenland als Reiseziel gewählt haben, unternahmen 1,7 Mio. Reisen (was 6,1% der Summe der Reisen im Land nebst Kreuzfahrten entspricht) und 16,5 Mio. Übernachtungen (8,5% der Summe der Übernachtungen nebst Kreuzfahrten).

93% der Besucher, 93% der Übernachtungen und 76% der Ausgaben kamen aus Europa, 7% der Übernachtungen und 24% der Ausgaben folglich aus nichteuropäischen Ländern. Griechenland stellte für die europäischen Touristen das siebtbeliebteste und für die nichteuropäischen Besucher das zehntbeliebteste Ziel mit Marktanteilen von entsprechend 5% und 4% dar. Die meisten Griechenlandbesucher kamen aus Großbritannien (404.000), Deutschland (336.000) und Frankreich (238.000). Bei den außereuropäischen Besuchern deckten die USA 49% der nichteuropäischen Reisen, 58% der Übernachtungen und 43% der Ausgaben ab.

Die Zukunft

Hier setzt INSETE auf die Verlängerung der touristischen Saison und eine weitere Steigerung der Einnahmen. 35,9 Mio. Touristen im Seniorenalter, besuchten im Jahr 2016 europäische Ziele für ihren Urlaub. Sie tätigten 344,8 Mio. Übernachtungen und gaben ungefähr 41 Mrd. Euro aus. Die durchschnittliche Aufwendung je Reise betrug 1.142 Euro, pro Tag wurden durchschnittlich 119 Euro ausgegeben. Anlässlich der Ausarbeitung der Studie erklärte Aris Ikkos, wissenschaftlicher Leiter des INSETE:

„Der Markt der Touristen im Seniorenalter ist groß und wohlhabend, aber mit den gegebenen demographischen Tendenzen auf weltweitem Niveau auch sehr dynamisch. Die Anpassung der griechischen Touristikindustrie an die Anforderungen und Wünsche der konkreten Kunden wird die Nutzung des physischen und kulturellen Reichtums des Landes gestatten, bei paralleler Verlängerung der Saison und Steigerung der Einnahmen. Die dafür notwendigen einzelnen Komponenten sind bereits vorhanden – nun ist ihre Kombination auf eine solche Weise erforderlich, dass ein geeignetes Produkt geschaffen wird, das die Steigerung des eintreffenden Reisestroms von Touristen im Seniorenalter gestatten wird.“

Kreta mit dem Motorrad – Ein Reisebericht von Hans und Luzia.

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