Interview mit dem Schriftsteller Andreas Deffner

Quelle: Griechische Kultur Politismos, Autor Dimitrios Pergialis

„FILOTIMO!“
Abenteuer; Alltag und Krise in Griechenland

Nach dem großen Erfolg von „Das Kaffeeorakel von Hellas – Abenteuer, Alltag und Krise in Griechenland“ ist am 10. August 2012 im Größenwahn Verlag das neueste Werk des Griechenlandexperten Andreas Deffner erschienen. Der Erfolgsautor geht im Nachfolger des „Kaffeeorakels“ wieder in Hellas spazieren. Gemeinsam mit den Griechen besucht er deren Alltag,beschreibt so auf beeindruckend authentische Weise das wahre griechische Leben, die faszinierenden bekannten und unbekannten Gegenden Griechenlands und probiert diesmal auch besondere Kochrezepte aus.

In elf Kapiteln bereist Deffner Griechenland von Norden nach Süden, von Westen nach Osten. Er fängt bizarre Kreaturen mit einem Oktopusfischer auf dem Peloponnes, besucht „das älteste Haus der Welt“, erntet Oliven für ein erstklassiges Olivenöl mit göttlicher Begleitung und er trifft den „Mandarinen-Massey mit dem humpelnden Fuß“. Im Norden des Landes gerät er unter den Platanen eines Epirusdorfes in die Fänge der Sarakatsanen, trifft einen Hauthändler und bangt darum, dass man ihm in der Hauptstadt des Pelzes das Fell über die Ohren zieht. Der kriminalistische Höhepunkt ereignet sich jedoch auf Korfu, wo er mit einem Krimibuchautor das Landhaus eines Kobolden unsicher macht. Später im Osten, nahe der bulgarischen Grenze, führt ihn sein Weg in die abgelegenen Dörfer der Pomaken, ein ehemaliges Sperrgebiet, wo sich auch heute noch die Anwesenheit der Geheimpolizei andeutet. Entspannter geht es bei einem Besuch einer Seifensiederin auf ihrer Vulkanhalbinsel zu und auch pittoreske, abgelegene Heilbäder hat das – kaum so erwartet – wasserreiche Griechenland zu bieten. Zum Abschluss seiner Odyssee durch Hellas treibt das politische Theater den Autor ins kämpferische Sparta.

Wo auch immer der Autor seine Spaziergänge macht, die Liebenswürdigkeit der Griechen, ihre Lebenseinstellung und das besondere „Filotimo“ lassen die Kapitel zu einem Leseereignis der besonderen Art werden.

Dimitrios Pergialis sprach mit dem Autor:

D. Pergialis: „Herr Deffner, Ihnen ist auch mit Ihrem neuen Buch wieder eine gelungene Hommage an Ihr geliebtes Griechenland gelungen. Beim Titel werden jedoch einige Leser stutzen. Filotimo. Mit Ausrufezeichen! Wie kam es zu diesem Titel? Das müssen Sie erklären!“

A. Deffner: „Filotimo, dieses wunderbare griechische Wort, für das es in keiner Sprache der Welt eine passende Übersetzung gibt, ist für mich viel typischer griechisch als die Akropolis, als Gyros und Tsatsiki oder Alexis Sorbas. Es ist das Lebensgefühl der Griechen, das man nur schwer mit Wörtern beschreiben kann. Das Ausrufezeichen soll bedeuten: Griechen, seid stolz auf euer Filotimo und lebt es! Und an alle anderen gerichtet bedeutet es: Schaut nach Griechenland, dort gibt es abseits der Wirtschafts- und Finanzkrise etwas viel Bedeutenderes, etwas, was sich nicht in Euro bemessen lässt.“

D. Pergialis: „Sie beschreiben sehr anschaulich, was dieses Filotimo bedeutet, und bei den Spaziergängen, zu denen Sie die Leser mitnehmen, leben die Protagonisten dieses griechische Lebensgefühl. Eine wörtliche Übersetzung ins Deutsche gibt es aber nicht?

A. Deffner: „Nein, dazu findet sich nichts in den Wörterbüchern. Ich habe mal im Spaß im Duden nachgeschlagen, aber Filotimo existiert dort natürlich auch nicht. Stattdessen fand ich „Filou“. Da musste ich schmunzeln, aber auch das wird dem griechischen Filotimo in keinster Weise gerecht. Passender finde ich das, was mein Verleger dazu einmal sagte: Was? Sie kennen ›Filótimo‹ nicht? Das ist die spezielle Einstellung der Griechen zum Leben: 2-3 positive Gedanken, 1 l Lebensgefühl, 500 g Gastfreundschaft, 1 ganze reife Freundschaft, 10 Tropfen Unterstützungsgefühl, etwas Stolz, Würde und Pflichtbewusstsein (aus dem Vorratsschrank) und für die Sauce … Also von allem etwas und noch etwas mehr. Die Griechen sind wirklich etwas Besonderes.“

D. Pergialis: „Haben Sie deshalb das Buch dem griechischen Volk gewidmet?“

A. Deffner: „Ich reise seit fast zwanzig Jahren nach Griechenland, habe dort unendlich viele tolle Freunde gefunden. In meinem neuen Buch ist das Filotimo der rote Faden. Wem sonst als den Griechen könnte man dieses Buch widmen? Sie können stolz auf sich sein. Und im Ausland sollte man differenzierter auf „diese Griechen“ blicken, als es bisweilen in der Wirtschafts- und Finanzkrise der Fall gewesen ist.“

D. Pergialis: „Am Ende jedes Kapitels findet der Leser jeweils ein Kochrezept. Auch ein Ausdruck von Filotimo?“

A. Deffner: „Auf jeden Fall! Griechenland ohne leckeres Essen ist doch wie Deutschland ohne Bier. Und in Hellas bekommt man ja ständig und überall irgendwelche Leckereien angeboten. Haben Sie schon mal eine Pomaken-Pita probiert? Oder dieses unbeschreibliche Gefühl, in eine spontane Runde zu geraten, die einen zum selbstgebrannten Schnaps mit Häppchen einlädt. Einmal wurde ich sogar zu Souvla-Merkel eingeladen!“

D. Pergialis: „Wie bitte?“

A. Deffner: „Na ja, die Krise ist zurzeit allgegenwärtig. Und der Ärger, die Wut macht sich gerne an der Person Angela Merkels fest. Wenn die Griechen merken, dass man aus Deutschland kommt, wird man schon mal auf die Politik der deutschen Kanzlerin angesprochen. Gleichzeitig ist aber immer eine unglaubliche Gastfreundschaft gerade auch gegenüber den Deutschen zu erkennen. Das mag vielleicht paradox klingen, aber ich denke, das ist eben auch Ausdruck des Filotimo. Jedenfalls wurde ich ehrlich herzlich zum Zicklein-Grillen eingeladen, und die Gastgeber wollten, dass ich Frau Merkel mitbringe. Das war mir dann aber doch ein bisschen zu politisch.“

D. Pergialis: „Dann lassen wir mal die Politik beiseite. Wo hat es Ihnen denn am besten gefallen?“

A. Deffner: „Griechenland ist überall wunderschön und vor allen Dingen unendlich abwechslungsreich. Das habe ich schon mit dem „Kaffeeorakel“ den Lesern zeigen wollen. Offenbar hat es geklappt. Als ich für „Filotimo!“ mit echten Sarakatsanen im Epirus war, traf ich in einem einsamen Bergdorf zufällig auf eine kleine deutsche Wandergruppe die mein Buch gelesen hatten und nur deshalb zum Wandern hierher gereist waren. Sie waren begeistert von Land und Leuten.“

D. Pergialis: „Also finden die Leser Sie in Griechenland am besten in den Bergen?“

A. Deffner: „Die unendlich weiten Gebirge sind faszinierend. Ich war bei den Pomaken in Thrakien, bei den Sarakatsanen im Epirus, in Kastoria habe ich mir angesehen, wie die spezielle Pelztradition gelebt wird und am Kerkini-See habe ich gestaunt, wie wasserreich Griechenland sein kann. Beeindruckende, abgeschiedene Landschaften mit hohen Bergen und wilden Flüssen, wo ich sehr gerne bin. Dennoch verbringe ich nach wie vor die meiste Zeit in meinem „Heimatdorf“ am Meer auf dem Peloponnes. Hier in Tolo spielen auch zwei Kapitel des Buches. Meine Freunde dort sind für mich wie eine zweite Familie. Oma Vangelio, die Mutter meines Freundes Perikles, hat immer gesagt: ’Junge, du bist in Tolo groß geworden.’ Und wer kommt nicht gerne nach Hause…“

D. Pergialis: „…besonders wenn es so lecker schmeckt wie zum Beispiel die Hühnersuppe im ältesten Haus der Welt, im ersten Kapitel. Sie schreiben in sehr lebendiger Sprache und in der eher unüblichen Gegenwartsform. Warum?“

A. Deffner: „Griechenland ist lebendig. Und ich wollte die Leser mitnehmen, daran teilhaben lassen. Sie sollen mitgehen auf meinen Spaziergängen, die Landschaften spüren, die Düfte riechen, das Essen genießen und das Filotimo erleben. Griechenland ist eigentlich unbeschreiblich. Daher mein Tipp: Fahrt alle nach Griechenland, ihr werdet begeistert sein!“

D. Pergialis: „So wie wir von Ihrem Buch. Herr Deffner, herzlichen Dank für dieses Gespräch und „Καλό ταξίδι – Gute Reise!“

Andreas Deffner: Filotimo! – Abenteuer, Alltag und Krise in Griechenland
Größenwahn Verlag (10. August 2012)
Gebundene Ausgabe: 200 Seiten, 19,90 €
ISBN-10: 3942223155
www.abenteuer-griechenland.eu

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