Jorgos Chatzimarkakis und Elektromobilität auf Kreta

Interview Deutsche Welle

Dobovisek: Wenn unter den Sparanstrengungen der griechischen Regierung Wirtschaft und Konjunktur allmählich immer stärker einbrechen, wird das viele Sparen kaum etwas nützen, Herr Chatzimarkakis. Wie kann die griechische Wirtschaft denn wieder angekurbelt werden?

Chatzimarkakis: Die griechische Wirtschaft braucht dringend Investitionen. Der griechische Premierminister war letzte Woche in Berlin und hat beim BDI, beim Bundesverband der Deutschen Industrie, nicht nur eine viel beachtete Rede gehalten, viel wichtiger ist, dass der BDI der Einladende war, dass der BDI gerne nach Griechenland jetzt gehen will, aber einen Rechtsrahmen braucht. Und hier kommen wir jetzt als Europäer ins Spiel, …

Dobovisek: … mit einem europäischen Konjunkturpaket vielleicht?

Chatzimarkakis: Ein europäisches Konjunkturpaket – wir haben 15 Milliarden Euro auf den Konten der Europäischen Union, die jetzt nach Griechenland auch sollen. Die EU-Task-Force hat das als Aufgabe, aber der Rechtsrahmen fehlt ja oft. Die griechische Bürokratie ist gefordert.

Dobovisek: Und das Geld.

Chatzimarkakis: Das Geld ist ja zum Teil da, das Geld, wie gesagt, die 15 Milliarden für drei Jahre, das ist schon mal eine Menge, um als Investitionsrahmen zu dienen. Private Investoren wollen mehr als Geld. Sie wollen Sicherheit haben, dass das Projekt zustande kommt. Wir planen jetzt zum Beispiel, Kreta zum Mekka der Elektromobilität zu machen mit Solarenergie und mit Elektroautos, die auf einer Insel eben auch gut fahren können. Dafür brauche ich aber die Mitarbeit der Athener Regierung, vor allem die Mitarbeit der kretischen Regionalverwaltung. All das muss jetzt in kurzer Zeit auf die Wege gebracht werden, und daran arbeiten wir.

Dobovisek: Sie haben sowohl den griechischen als auch den deutschen Pass, Herr Chatzimarkakis. Welcher Teil von Ihnen überwiegt denn in der aktuellen Schuldendebatte: Der ängstlich zurückhaltende deutsche oder der zuversichtlich sparende griechische?

Chatzimarkakis: Ich denke nach wie vor wie ein Deutscher und fühle wie ein Grieche. Ich fühle also, dass die Griechen im Moment wirklich in einer großen Krise sind, aber ich denke eben sehr deutsch, dass man nur rational da rauskommt, nicht mit so Argumenten, wie sie manchmal aus Bayern da genutzt werden. Rational heißt, einen Aufbauplan machen, der kann zehn Jahre dauern, ein Herkules von Plan von zehn Jahren, der würde Griechenland aus der Krise helfen, und am Ende entscheidet das auch darüber, ob die Europäische Union so weiter machen kann.

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