Juni 2017: Müllkrise in Griechenland.

Tja, heute mal wieder keine so guten Nachrichten, dafür aber nunmal die Realität Ende Juni 2017 in Griechenland – und auf Kreta. Wir selbst erfahren es gerade am eigenen Leibe, das Online-Portal keeptalkinggreece.com und unser Partnersender Radio Korfu haben es ebenfalls eines Artikels wert befunden: ein Streik der Gemeindemitarbeiter führt zum Stillstand der öffentlichen Müllabfuhr. Und das pünktlich zum Beginn der Hochsaison…

Große Tüten, kleine Tüten. Schwarze Tüten, blaue Tüten und Supermarkttüten. Geschlossene Tüten und offene Tüten – alle natürlich aus Plastik. Sie stapeln sich auf den Straßen von Athen und anderen Städten und Dörfern im ganzen Land inklusive der Inseln. Gemeindemitarbeiter sind seit dem letzten Sonntag im Streik. Seither versucht die Regierung eine Lösung zu finden und nationale Gesundheitsorganisatione warnen vor den Gefahren für die öffentliche Gesundheit, da gerade jetzt zu Beginn des Sommers eine „Mini“-Hitzewelle mit Temperaturen über 35°C Griechenland im Griff hat.

Die Bürger bringen ihren Müll auf die Straße, trotz der Appelle, dies nicht zu tun. „Aber der Müll in meiner Küche stinkt“, sagt eine Mutter zweier Kinder in der Nachbarschaft. Sie behielt den Hausmüll für einige Tage in der Wohnung, aber als sie befürchtete (O-Ton!) „die Babywindeln würden explodieren“, brachte auch sie ihren Müll nach draußen. 

In kleinen Nachbarschaften ist der Müll normalerweise schön um die Müllcontainer  herum dekoriert, in den Stadtzentren herrscht Anarchie: Hausmüll gemischt mit Lebensmittelabfällen und Recyclingmaterial.

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„Stilleben“ Thessaloniki Juni 2017 (Foto: keeptalkinggreece.com)

Der Müll wird dann einfach um die übervollen Container herum auf den Bürgersteigen, öffentlichen Plätzen und an den Straßenecken stehen gelassen. Auf den Straßen Thessalonikis (> 1,3 Mio Einwohner) liegen geschätzte 1.500 Tonnen Müll herum – der Großteil davon natürlich in der Innenstadt. Über das Volumen des Müllbergs in Athen (> 4 Mio Einwohner) mag keiner auch nur nachdenken.

Wer streikt nun eigentlich – und warum?

Es sind aber nicht die Müllsammler, die im Streik sind. Es sind etwa 10.000 – 15.000 Kommunalarbeiter mit befristeten Verträgen, die die Müllsammlung blockieren. Sie behindern Müllwagen und Sammler daran, ihre Arbeit zu machen und blockieren die Eingänge zu den Deponien.

Der Hintergrund: Wie in allen touristischen Regionen werden auch auf Kreta für die Dauer der Saison zusätzliche Arbeitskräfte von der Verwaltung eingestellt. Hauptsächlich handelt es sich um Müllwagenfahrer und Müllmänner, die Jahr für Jahr zeitlich befristete Verträge, in der Regel für 8 Monate, erhalten.  In den vergangenen Jahren erfolgte die Erneuerung dieser Zeitverträge automatisch ohne vorhergehendes Ausschreibungsverfahren.

Dies hat der griechische Rechnungshof nun als verfassungswidrig eingestuft und fordert nicht nur die sofortige Entlassung der betroffenen Mitarbeiter sondern auch Rückerstattung bereits ausgezahlter Gehälter! Griechenlandweit sind davon ca. 6100 Mitarbeiter betroffen.

Die „Lösung“: Die Regierung hat bereits angekündigt , dass die betroffenen Mitarbeiter in Zukunft dauerhaft von den Kommunen übernommen werden sollen, auch wenn die Einstellung neuen Personals im öffentlichen Dienst laut Übereinkunft mit den Geldgebern nach einer 4:1 Regelung erfolgen soll (d.h. auf vier Entlassungen folgt eine Einstellung).

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Pause! Der Müll gegenüber muss liegen bleiben. Und für die Beteiligten: 3:0 statt 4:1! (Foto: keeptalkinggreece.com)

Und wie geht´s weiter?

Bis der Rat für Personalauswahl des Öffentlichen Dienstes ASEP (ΑΣΕΠ – ΑΝΩΤΑΤΟ ΣΥΜΒΟΥΛΙΟ ΕΠΙΛΟΓΗΣ ΠΡΟΣΩΠΙΚΟΥ) die Einstellungen endgültig vorgenommen haben wird, werden jedoch noch mehrere Monate ins Land ziehen, in denen eine kurzfristige Lösung gefunden werden muss.

Positiv fällt immerhin die Einstellung der Streikenden auf, den Müll von besonders sensiblen Bereichen (Krankenhäusern, Schulen, Kindergärten, Wochenmarkt, etc.) weiterhin abzufahren. Hier auf Kreta gehen Hotelbesitzer und Tavernenbetreiber bereits dazu über, ihren Müll selbst zur nächsten Mülldeponie zu bringen, um ihre Urlaubsgäste nicht zu verärgern. Selbst ist der Mann bzw. der Kreter!

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Müll direkt am Fähranleger in Paleochora. Da hilft auch der neueingeführte gelbe Glascontainer nix, lockert die trübe Optik aber farblich auf… (Foto: Radio Kreta)

Sollten sich beide Seiten nicht auf eine Lösung und Mobilisierungen konzentrieren, „drohen“ die Gemeinden, private Unternehmen einzustellen, um die Städte von der stinkenden Katastrophe zu befreien. Privatisierung aus der Not heraus – selbst schuld!

Die griechische Bürgermeistervereinigung KEDE (ΚΕΔΕ – Κεντρική Ένωση Δήμων Ελλάδος) hat dem Ministerium eine Frist gegeben, um eine gesetzgebende Lösung für die Arbeiter bis zum übermorgigen 27. Juni zu finden. Es bleibt spannend. Und in der Zwischenzeit stinkt es zum Himmel.

Radio Kreta – Einfach Leben. Manchmal gar nicht so einfach…

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streamplus.de

Aber zum Glück gibt es ja die neuen gelben Glascontainer. Die werden so schnell nicht voll, denn es ist ja nicht so, dass Glas das Problem in Hellas wäre…

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Ein Kommentar

  1. Kalimera, danke für den aktuellen Stand des Streikes. Die Griechenland-Zeitung hat ja auch in den letzten Tagen 2x über den Streik berichtet.

    Der Hintergrund des Arbeitskampfes/Streik ist, dass die Zeitverträge von rund 10.000 Kommunallangestellten Ende des Monats auslaufen. Die Veträge sollen nicht verlängert werden.

    Die Gewerkschaft fordert eine Festeinstellung. Die Festeinistellung hat die Syriza-Regierung den Kommunallangestellten mehrmals versprochen.

    Deswegen skandierten die Demonstranten in Athen an die Adresse von Syriza „Schluss mit den Lügen“.

    Das andere Problem was ihr auch angesprochen habt, das in den Memoranden der Troika steht, das Athen nur begrenzt neue Arbeiter eingestellt werden dürfen.

    Wir sollten schauen wie wir die verschiedenen Arbeitskämpfe solidarisch unterstützen können.

    Nur gemeinsam können wir was erreichen.

    Ich drücke den Kollegen die Daumen, das ihre Forderungen erfüllt werden.

    vg, kv

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