Kahlschlag in der Krise

Die Finanzkrise in Griechenland hat missliche ökologische Folgen – in Form von Baumstümpfen: weil sich viele Familien wegen der Krise kein Heizöl mehr leisten können, ziehen die Männer mit Beil und Motorsäge in den nächstgelegenen Wald, um Brennholz zu holen.

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Um den Staatshaushalt zu sanieren, hat Finanzminister Giorgos Papakonstantinou im vergangenen Jahr bereits mehrfach die Treibstoffsteuern heraufgesetzt. Dadurch haben sich nicht nur die die Preise für Benzin und Diesel um mehr als die Hälfte erhöht. Auch die Heizölpreise sind gestiegen. Zugleich wurden Renten gekürzt, Staatsbedienstete mussten Einkommenseinbußen von bis zu 25 Prozent hinnehmen. Vor allem auf dem Land heizen deshalb immer mehr Haushalte mit dem Kamin.
In der nordgriechischen Region Pieria sind nach Angaben des örtlichen Forstamtes in jüngster Zeit mindestens 30 Fälle von „Holzwilderern“ aktenkundig, die ganze Areale in den Wäldern einfach abholzen – teils für den Eigenbedarf, teils aber auch, um das Holz zu verkaufen. Immer häufiger registrieren die Förster auch Holzdiebstähle: das am Rand der Waldwege von den Forstverwaltungen oder den Waldbesitzern bereits geschlagene, zum Trocknen aufgeschichtete Brennholz verschwindet über Nacht. In der Not scheint den frierenden Menschen nichts heilig zu sein: selbst an den Hängen des „Götterberges“ Olymp seien bereits große Flächen illegal abgeholzt, berichtete jetzt die Zeitung „Kathimerini“.

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Dabei gebe es in den Wäldern genug totes Unterholz, das für den Kamin geeignet sei, zitiert die Zeitung den Forstdirektor von Pieria, Evangelos Roupas. „Aber statt sich die Mühe zu machen, im Wald nach geeignetem Holz zu suchen, fällen die Leute einfach die Bäume entlang der Wirtschaftswege und transportieren sie ab.“ Zwar können viele Familien in den griechischen Bergdörfern verbilligtes Brennholz über die Forstbehörden beziehen. Diese Regelung gilt für Rentner der Landwirtschaftskasse OGA und Bedürftige – aber eben nur, sofern sie in Ortschaften wohnen, die offiziell als „Bergdörfer“ klassifiziert sind. Kalt ist es im Winter aber auch in den Tälern. Deshalb greifen vor allem im Norden des Landes immer mehr Griechen zur Axt. Umweltschützer sprechen bereits von „irreparablen Schäden“ durch das illegale Abholzen in den Wäldern Nordgriechenlands.

Quelle: Handelsblatt.com Gerd Höhler 06. January 2011, 21:45 Uhr

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